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Es ist Sonntagnachmittag. Mein Pferd ist gesattelt, frisch gestriegelt und wartet auf den Startschuss. Zeit für meinen Sonntagsausritt. Keine Wolke am Himmel, die Sonne scheint und die Temperaturen liegen bei angenehmen 28°C. Ich verlasse unsere kleine Farm in Richtung Quiindy, einer kleinen Stadt mitten in Paraguay. Ein Auto hätte ohne Allrad Schwierigkeiten auf diesem Erdweg, doch mein Pferd bringen Schlammlöcher und kniehohe Furchen nicht aus dem Trapp. Ich reite vorbei an einer alten, mit Stroh gedeckten Lehmhütte. Vor der Hütte sitzt ein Vater mit seinen Kindern. Ihr Radio dudelt leise und sie genießen den Sonntag. Die Leute hier haben nicht viel. Ein kleines Stückchen Land, eine Kuh, ein paar Hühner und ein Schwein. Und trotzdem sind sie glücklich. Mein Gruß wird freundlich erwidert und man winkt mir lachend zu. Weite Weideflächen wechseln sich mit dichten, satt grünen Wäldern ab.

farm paraguay
© parakay.blogspot.com

Der Weg wird etwas besser und an Stelle von Lehmhütten stehen hier schicke, kleine Häuschen aus Stein. Zwei Stunden bin ich jetzt unterwegs und sauge die Ruhe und Gelassenheit in mich auf. Dann wird es lauter, denn Autos, Busse und große Sattelschlepper donnern an mir vorbei. Ein kleines Stück noch und ich bin am Ziel.

 Ich sitze auf einem wackeligen Plastikstuhl am Straßenrand, mitten in der kleine Stadt Quiindy. Die Sonne steht inzwischen tief am Himmel und ich warte auf meinen bestellten Hamburger, der frisch in der Pfanne zubereitet wird. Südamerika habe ich früher immer mit Sonne, Palmen, Meer und Fußball in Verbindung gebracht. Heute ist es weit mehr als das. Es ist meine neue Heimat.

300 Sonnentage im Jahr, waren vor sechs Jahren, einer der vielen Gründe für meine Familie und mich, die Koffer zu packen, und in Paraguay neu anzufangen.

© parakay.blogspot.com
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Rodrigo, so heißt der Besitzer der Lomiteria, bringt mir meinen Hamburger. „Guten Appetit, Don Kay.“ Rodrigo kennt mich, denn ich komme oft hier her, an seinen kleinen Imbissstand.

Quiindy eine Stadt, wie viele in Paraguay. Sie wird auch die Stadt der Freundschaft oder die Perle des Ypoa genannt. Überall stehen Händler am Straßenrand und verkaufen Fuß- und Volleybälle. Und das war es dann auch schon, was Quiindy zu bieten hat. Und trotzdem, mein Herz schlägt für diese Stadt, diese Gegend , meinen Kietz.

Die Sonne versinkt langsam am Horizont. Die Geschäfte lassen ihre Blechrollos herunter. Ein lauer Sommerabend neigt sich dem Ende und es wird ruhig, in der sonst belebten Hauptstraße von Quiindy. Zeit für mich den Heimweg anzutreten. Mein Pferd kennt den Weg, auch im Dunkeln, es ist eine sternenklare Nacht und ich kann deutlich die Milchstraße erkennen. Der Lärm der Straße mischt sich mit dem lauten Konzert der Grillen, bis irgendwann kein Motorengeräusch mehr zu hören ist. Ich höre nur noch das Lied von tausenden Insekten und die Hufe meines Pferdes, geben leise den Takt an. Paraguay liegt im Herzen Südamerikas und mein Herz schlägt für Paraguay.

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