1:1 – Prag und München sind, die Historie des Bieres betrachtet, auf Augenhöhe

In diesem Spiel geht es um alles. Schließlich gilt Bier in Deutschland und in Tschechien als Nationalgetränk. Zu Recht. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt nämlich, dass die jeweilige Nation der Duellanten, ihre Zapfhähne von Anfang an im Spiel hatte.

Im Jahre 1842 wurde der bayerische Bierbrauer Josef Groll in der tschechischen Stadt Pilsen als Bierbraumeister verpflichtet. Qualität und Haltbarkeit des tschechischen Bieres ließen damals nämlich zu wünschen übrig und man setze auf fachmännische Unterstützung aus Bayern. Herr Groll machte sich auf und braute mit dem salzarmen, weichen böhmischen Wasser, dem tschechischen Hopfen und nur leicht gerösteten Malz einen Meilenstein in der Biergeschichte zusammen: Das Pils. Am 11. November 1842 wurde die Sensation erstmals ausgeschenkt. Das Pils ist also ein tschechisch-bayerisches Baby.

Mit dem harmonischen Zusammenspiel ist jetzt jedoch Schluss. Hier wird gekämpft. Deshalb greifen beide Teams mit der Macht der Statistik an. Laut der Bierstatistik des Brauer Bundes ist Deutschland, vertreten durch München, eindeutig Gewinner in Sachen Bierexport (deutsche 14.000 zu tschechischen 3.400 Hektoliter), Bierimport (5.700 zu 300 Hektolitern) und Bierherstellung (98.000 zu 18.200 Hektolitern) und geht somit klar 1:0 in Führung.

Die Tschechen dürsten jedoch derart nach dem Ausgleich, dass sie die Deutschen unter den Tisch trinken. Mit ganzen 160 Litern Bierverbrauch pro Person im Jahr, schlucken sie ganze 50 Liter mehr als der Durschnittsdeutsche und sind Biertrinkweltmeister. Und dass sehr wenig Bier importiert wird, zeigt, wie sehr die durstigen Tschechen auf ihre landeseigenen Gerstensäfte abfahren. Mit so viel Trinkfreude und Geschmacks-Patriotismus erkämpfen sich Tschechien und somit auch Prag den Ausgleich. Also 1:1 zum Auftakt, weiter geht’s!

[city_battle 2]Tore zum 2:2 – Prag und München punkten beide mit der Anzahl der Brauereien

Im Vergleich zu anderen Städten spielen beide Metropolen extrem groß auf, wenn es um Brauereien geht. Neben den bekannten, großen Brauereien gibt es unzählige kleine Privat-Brauhäuser. In allen Ecken und Enden gärt und fließt das Bier – in Prag sowie in München

In München Stadt sind sechs große Brauereien beheimatet. Die Augustiner Brauerei wurde 1328 gegründet und ist damit die Älteste, die Hacker-Pschorr Brauerei ist etwa 90 Jahre jünger und zählt seit dem 18. Jahrhundert zu Münchens führenden Brauereien. Der heutige Touristenmagnet schlechthin ist die Hofbräu Brauerei, die 1589 unter Wilhelm V. gegründet wurde. Auch die Löwenbräu-Brauerei brüllt bei den Großen in München mit, genau wie die Spaten Brauerei der Familie Sedlmayer, zu deren Besitz auch die berühmte Franziskaner Brauerei gehört. Letzte im Bunde ist die Paulaner Brauerei, gegründet 1634 und somit die jüngste Groß-Brauerei Münchens. Mit diesen Hochkarätern trumpft München gekonnt auf, dazu kommen etliche Haus-Brauereien, wie Airbräu oder Giesinger Bräu, um nur zwei zu nennen. Insgesamt hat München Stadt in ihren Reihen um die 20 Brauereien im Spiel. Klarer Volltreffer zum 2:1!

In Prag wachsen besonders Klein-Brauereien in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Da fällt es selbst den Einheimischen schwer, den Überblick zu behalten. Berühmteste und älteste der Kleinbrauereien ist das U Fleků aus dem 14. Jahrhundert. Später dazu kamen unter anderem die Neustädter Brauerei,sowie die Klosterbrauerei Strahov. Zu den klangvollen Brauereinamen aus Prag zählen außerdem die 1871 gegründete Staropramen Brauerei im Stadtteil Smíchov und das U Medvídků („Zu den kleinen Bären“), hier wird seit 1466 Bier gebraut. Als eine der bekanntesten Mikro-Brauereien gilt das U dvou koček („Zu den zwei Katzen“), das seit 1678 in Betrieb ist. Dank einer einzigartigen Aufholjagd in den letzen 20 Jahren hat inzwischen also auch Prag an die 20 Brauhäuser zu bieten, Tendenz steigend. So viel Einsatz wird mit dem Ausgleichstreffer belohnt: Neuer Zwischenstand ist 2:2!

München trifft zum 3:2! München hat in Sachen Biersorten mehr Klassiker zu bieten

Neben den Markenbieren aus München, wie zum Beispiel dem Augustiner, Paulaner oder Franziskaner, die alle weltweit bekannt sind, bietet München eine besondere Sortenvielfalt. Von hellem bis dunklem Export, Pilz, Weißbier, Bockbier, Hefeweizen über das legendäre Oktoberfestbier bis hin zum Diät Pils ist alles zu bekommen. Laut dem Verein Münchner Brauereien e.V. unterscheiden die Münchner Braumeister zwischen 18 verschiedenen Sorten. Die Bandbreite ist groß, dennoch haben alle Münchner Biere – die streng nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sind – einen geradlinigen, satten Biergeschmack. Irgendwelche Experimente was Aromazusätze angeht, kommen hier nicht ins Glas. Nicht umsonst erscheinen dem deutschen Gaumen auf Reisen ausländische Biersorten oft verwässert.

Das Prager Bier schmeckt den Deutschen aber meist recht gut. Das höchste Lob, das man in Prag einem Bier machen kann ist: „To je pivo jako křen“, was so viel bedeutet wie „Das ist ein Bier wie Meerrettich!“ –  warum auch immer. In Prag gibt es ganz klar eine Sorte, die alle anderen übertrumpft: Das Pilsner Urquell. Die Prager lieben ihr leichtes, untergäriges Bier. Die Sortenauswahl ist daher mancherorts eingeschränkter als in München. Fragt man junge Deutsche, gehört, was die Marke angeht, das ein oder andere „Staro“ zur Pragreise dazu. Seltsamerweise ist das Staropramen im Ausland etablierter als in der tschechischen Hauptstadt selbst. Tschechiens Weltmarke Budweiser kann man in Prag natürlich überall trinken, die große Budweiser Brauerei befindet sich aber einige Kilometer entfernt.

Dank der Alliance P.I.V., dem Bund der intelligenten Bierhähne, arbeitet auch Prag in den letzen Jahren an seiner Sorten- und Markenvielfalt. So haben Besucher heute die Möglichkeit, nebem dem Pilsner Urquell auch Biere der unabhängigen Provinzbrauereien zu kosten. Generell zeigen sich die Prager experimentierfreudig, was den Biergeschmack angeht: Im Brauhaus Pivovarský dům bekommt man zum Beispiel Kaffe-, Sauerkirsch-, Bananen- oder Champagner-Bier aufgetischt. Das tschechische Bier – besonders das Pils – gehört zu den besten der Welt. Insgesamt räumen die Münchner Sorten jedoch mehr Preise, wie den European Beer Star ab, sind renommierter und bekannter. Daher erspielt sich München mit der Kraft des Reinheitsgebots und der Tradition die 3:2 Führung.

Lesen Sie auch: Müchen vs. Paris – Das Fashion-Duell

Beide erhöhen zum 4:3 – Die Biergärten- und Lokale in München haben Atmosphäre, die in Prag dafür die faireren Preise

In beiden Städten hat man in Sachen Bierlokal die Qual der Wahl. In Prag ist das bereits erwähnte U Fleků das berühmteste Brauereilokal – inklusive Biergarten und Brauereimuseum. Und nicht zuletzt als Schauplatz des Romans „Der brave Soldat Schwejk“ ist das berüchtigte U Kalicha (Zum Kelch) ein Begriff. Ein echter Touristenmagnet ist hingegen das U černého vola (Zum Schwarzen Ochsen) mit seiner hoch gelobten böhmische Küche. Und wer es etwas verruchter mag, sollte sich ins Nad Viktorkou im Arbeiterstadtteil Žižkov aufmachen. In Sachen Biergärten muss Prag aber auf der Ersatzbank Platz nehmen. Es gibt nur wenige Biergärten, wie den Na květnici in Nusle, die echtes Flair und Atmosphäre haben. Ansonsten sind die Biergärten oft eher karg, überfüllt und ist viel los, wird auch in Plastikbechern serviert – undenkbar in München.

In der bayerischen Metropole pflegt man seine Biergartenidylle mit Hingabe – wobei man auch das Wetter dazu hat. Die in jedem Reiseführer hoch gelobten Stammspieler in Sachen Münchner Bierverkostung sind u.a. der Biergarten am Chinesischen Turm oder der Hofbräukeller in der Inneren Wiener Straße. Fragt man junge Münchner Bierfans, erhält man folgende Tipps: Wer gerne mal den ein oder anderen Fußball-Profi beim Umtrunk erleben will, sollte sich in die Waldwirtschaft aufmachen. Weniger „Bussi Bussi“ hat man dagegen in der Menterschweige zu erwarten. Und wer sein Bier in kauziger Atmosphäre und unter eher jungem Publikum schlürfen will, sollte sich zum Flaucher Biergarten aufmachen. Das Münchner Ambiente ist nicht zu übertreffen und bringt das verdiente Tor zum 4:2!

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt die satte Isylle aber doch: München ist teuer. Wer hier trinken will, muss mit Kater und Loch im Geldbeutel rechnen. Solcherlei elitäres Gehabe sucht man in Prag hinegen vergebens – egal ob Trinken oder Essen – die Preise sind fair. Mit diesem finanziellen Fairplay holt Prag erfolgreich zum Gegenschlag aus und verkürzt auf 3:4. Es bleibt spannend!

Siegtreffer zum 5:3 – Bei den Bierveranstaltungen übertrumpft die Münchener Wiesn das Prager Bierfestival

Bier wird in beiden Metropolen als Kulturgut verehrt. In München wie in Prag gibt es Museen zum Thema Braukunst und Bier sowie ausgefeilte Biertouren für die durstigen Touristenmasse. Das tschechische Bierfestival ist dabei das Prunkstück Prags und ein echter Steilpass für alle Bierliebhaber. Dazu kommen viele kleinere Bierfeste, die das ganze Jahr über stattfinden. Prag kann sogar mit einer echten – für den ein oder anderen auch leicht skurrilen – Besonderheit aufwarten: Einem Bier-Spa. Im Pivní Lázně badet man wortwörtlich im Bier, genauer, in mit Hopfenbrühe gefüllten Holzfässern – gleichzeitiges Biertrinken aus dem Glas ist außerdem erwünscht. Reichlich Bier für innen und außen. Ein wahres Fest für jeden Bierfan.

Doch auch in München lässt man sich nicht lumpen. Bier wird überall gefeiert, zum Beispiel auf dem Nockherberger Starkbierfest, in dessen Rahmen das berühmte Politiker-Derblecken (Veralbern) alljährlich von Statten geht. Absolutes Highlight in München ist aber unbestritten das Oktoberfest. Wie kein anderes Fest steht diese Sause für Bayern, Deutschland und die Liebe zum Bier. Ein Bier Spa hat München zwar nicht, aber mit der Wiesn stellt München Prag eindeutig in den Schatten. Also Volltreffer für München zum 5:3 Sieg!

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.