Historisches 1:1 – Köln verdaddelt sicheren Vorsprung

Klar, Köln und Düsseldorf pflegen eine Fehde – aber wieso eigentlich? Bereits im 11. Jahrhundert spielte das etwa 50 v. Chr. gegründete Köln stark auf.  Es war nicht nur Sitz des Erzbischofs, sondern auch bedeutende Handelsstadt. Ein klarer Volltreffer zum 1:0! Gegenüber der wohlhabenden Domstadt hatte das verschlafene, kleine Düsseldorf, das erstmals 1135 n. Chr. in der Geschichtsschreibung erwähnt wird, das Nachsehen. Und während die Kölner mit hohen Zöllen ihr Bestes taten, das Nachbardorf klein zu halten, wuchsen in Düsseldorf Neid und Ärger auf die Kölner – nicht ganz zu Unrecht. So gesehen, haben die Kölner die Fehde begonnen – und nicht, wie lange vermutet wurde, die Düsseldorfer.

Aber Düsseldorf holte auf: Erst kürten die Preußen im 19. Jahrhundert den Industriestandort Düsseldorf zur Hauptstadt der Rheinprovinz. Dann bestimmmten die Briten nicht Köln, sondern Düsseldorf  nach dem Zweiten Weltkrieg zur Landeshauptstadt von NRW. Somit gelang Düsseldorf historisch gesehen der Ausgleich zum 1:1. Tipp für friedliebende Besucher: Kölner besser nicht darauf ansprechen!

Kölsch gegen Alt – das 1:1 bleibt, null Punkte für’s Rheinland

Beide Kontrahenten bilden sich in Sachen Bier ein, die unangefochtenen Sieger zu sein. Kölsch oder Alt? Im Rheinland eine Glaubensfrage! Damit stehen aus restdeutscher Sicht die rheinländischen Metropolen beide voll im geschmacklichen Abseits. Nicht umsonst heißt es: „Rheinland ist immer da, wo Bier scheiße schmeckt” – egal ob Kölsch oder Alt. Eine Einschätzung, die nicht von ungefähr kommt. Ein Blick ins Bierlexikon verrät nämlich: Inhaltsstoffe, Stammwürze und Alkoholgehalt sind bei beiden Sorten quasi gleich. Die dunklere Farbe und der etwas andere Geschmack des Alt rühren daher, dass die Malzkörner für das Alt länger geröstet werden. Somit hat sich hier keine Mannschaft ein Tor erspielt. Es bleibt beim 1:1.

Wer als Besucher ganz verwegen sein will, kann übrigens auf ein Kölsch im Eigelstein vorbeischauen – dem ersten Kölsch-Brauereiausschank in Düsseldorf. Bierdurst verbindet eben. Trinken macht in beiden Städten garantiert Spaß. In diesem Sinne, Prost!

2:1 für Düsseldorf – Jeckes Köln schießt ein Eigentor

In der Karneval-Saison trumpfen beide Duellanten groß auf. Absoluter Höhepunkt: Der Rosenmontagsumzug. Was die Größe des Kaders angeht, hat Köln klar die Nase vorn: Der Kölner Umzug ist der älteste und mit 10.000 Teilnehmern und 264 Wagen auch größte in Deutschland. Da hat Düsseldorf mit 5.000 Teinehmern und 117 Wagen das Nachsehen.

Aber es kommt ja bekanntlich nicht nur auf die Größe an. Dank der Wagen des Bildhauers Jaques Tilly gilt der Düsseldorfer Umzug nämlich als farbigster und kreativster der Republik. Ein Umstand, der die neidischen Kölner zu einem groben Foulspiel im jecken Duell bewog. Im Jahre 2005 unternahm der Kölner Wagenbauleiter still und heimlich den Versuch, Jaques Tilly abzuwerben – für Unsummen, wie man munkelt. Der überzeugte Düsseldorfer Tilly lehnte aber ab und wurde prompt nicht mehr zur Kölner Karnevalsmesse im daurauffolgenden Jahr eingeladen. Der Schuss ging nach hinten los! Mit dieser linkischen Spielweise hat Köln ganz klar ein Eigentor geschossen. Neuer Spielstand also: 2:1 für Düsseldorf.

Ausgleich zum 2:2 – Der 1.FC punktet mit Glanz vergangener Tage

Vierzehn Jahre hat es gedauert! Endlich kann man wieder, je nach Coleur, „Cologne, die Scheiße vom Dom” oder „Über Köln lacht die Sonne, über Düsseldorf die ganze Welt” singen. Denn der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf spielen derzeit in einer Liga. Gerade trennten sich die Erzrivalen, wie gesagt, 1:1. Eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe. Das war aber bei Weitem nicht immer so.

Insgesamt trafen der 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf seit 1961 ganze 54 mal aufeinander. Köln kann dabei 27 Siege verbuchen, Düsseldorf nur 13. Als dreimaliger Deutscher Meister, Bundesliga-Gründungsmitglied und Nummer Vier der ewigen Bundesliga-Tabelle hat der 1. FC eine weitaus glorreichere Historie als die Fortuna. Die war nämlich nur einmal Meister –  und das 1933. Also ein klarer Treffer für die Geißböcke. Damit steht es ausgeglichen 2:2! Gleichstand herrscht übrigens ebenso in Bezug auf die Stadien: Sowohl das RheinEnergieStadion in Köln als auch die ESPRIT Arena in Düsseldorf sind hochmoderne und beeindruckende Bauten, die bei Events aller Art eine tolle Atmosphäre garantieren. Ein Besuch ist nicht nur den Fußballfans zu empfehlen.

Tore im Minutentakt! 3:3 – Dom trifft, Finanzhaushalt schlägt zurück

Der wertvollste Spieler in den Reihen der Kölner ist ganz klar der Dom – das Wahrzeichen der Stadt. Der weltberühmte Kirchenbau ist Deutschlands beliebteste Sehenswürdigkeit. Über sechs Millionen Besucher jährlich kommen, um die 157,38 Meter hohe, gotische Kathedrale zu bewundern. Neben dieser Pracht sieht das Wahrzeichen Düsseldorfs blass aus. Der 240,30 Meter hohe Rheinturm wurde 1982 fertig gestellt und steht mit seinen leuchtenden Bullaugen für Wirtschaftskraft und Fortschritt. Das routierende Restaurant unterhalb der Spitze ist schön, die Aussicht fantastisch – aber der Dom macht deutlich mehr her. Damit geht Köln 3:2 in Führung.

Lange hält der Vorsprung aber nicht, denn Düsseldorf holt zum finanzkräftigen Gegenschlag aus.  Anders als ein Blick auf die Wahrzeichen der Städte vermuten lässt, ist es nämlich nicht so, dass Köln für historischen Prunk und Düsseldorf für moderne Architektur steht. Da Köln – das 2012 mit 2,5 Milliarden Euro verschudte war – im Zweiten Weltkrieg stark zerbombt wurde, bietet Düsseldorf mehr historischen Charme und ein attraktiveres Stadtbild. Alte Gebäude sind – dank voller Stadtkasse – liebevoll restauriert. Seit 2007 ist Düsseldorf nämlich schuldenfrei – nach Dresden die einzige deutsche Stadt, der das je gelungen ist. Gut gespielt, Düsseldorf! Und zu Recht gleich wieder ausgeglichen gegen Köln. Ein voller Dom macht eben noch lange keine volle Kasse. Neuer Zwischenstand: 3:3.

Eigentor Köln! 4:3 für Düsseldorf – Köln fehlt Toleranz im Spielaufbau

Wenn es um Party geht, gelten die Kölner als echte Meisterspieler. Urige Bierkneipen, lässige Bars und Clubs, die auch für kleine Geldbeutel geschaffen sind, ziehen Touristen aus der ganzen Welt an. Zudem ist „Downtown” Köln berühmt für seine Schwulenszene. Ob Pink Monday oder Christopher Street Day – Feiern unter der Regenbogenflagge ist angesagt. Köln rühmt sich selbst für seine tolerante Spielweise – gerade im Gegensatz zu den als versnobt verschrieenen Düsseldorfern. Aber ganz so weit her ist es mit der Kölner Offenheit dann doch nicht.

Während der Karnevalsumzug nämlich mit lautem Getöse alljährlich am Dom vorbeiziehen darf, muss die Parade am Christopher Street Day beim Passieren der Domumgebung die Musik ausschalten. Soso. Manchmal stören bunte Wagen, betrunkene Kostümierte und laute Musik die Andacht – dann wieder nicht. Unfair gespielt, Köln. Und für eine Stadt, die sich selbst für ihren Spaßfaktor und ihre Offenheit feiert, ist es zudem seltsam, als einzige Stadt in Deutschland, von Bordellen und Prostituierten eine „Sexsteuer“ einzutreiben. Mit diesem falschen Spiel hat sich Köln das nächste Eigentor verpasst. Zwischenstand: 4:3 für Düsseldorf!

Ausgleich zum 4:4  – die Domstadt bringt die Massen stilsicher in Wallung

In Sachen Mode hatte sich Düsseldorf  über die Jahre einen Vorteil erspielt. Obwohl viele hippe Designer nach Berlin abwandern, gilt Düsseldorf nach wie vor als Modehauptstadt. Showrooms, Modeschulen, Designer und vor allem Modemessen gibt es reichlich. Der Stadt ganzer Stolz: Die internationale Schuhmesse. Passend zum modebewussten Umfeld bietet Düsseldorf seinen Shopping begeisterten Besuchern mit der Königsallee auch eine elegante Luxusmeile zum Kleider kaufen. Klar, darf auf dem Vorzeigeboulevard „Kö” nur mitspielen, wer das entsprechende Kleingeld besitzt. Aber wer hat, der hat – und Düsseldorf kann mit der Schadowstraße als Deutschlands umsatzstärkster Einkaufsmeile gleich noch einen draufsetzen.

Und Köln? Mode-Image, Messen, Kö – wo bleibt da die Domstadt? Anders als man vermuten könnte, muss sich Köln überhaupt nicht verstecken in Sachen Fashion. Denn die Kölner Schildergasse ist mit durchschnittlich 15.000 Besuchern pro Stunde die meist besuchte und somit beliebteste Einkaufsstraße Deutschlands. Köln hat sich also in Sachen Shopping ganz unprätentiös die Herzen der Massen erspielt…ein Volltreffer, wie wir finden. Also gleicht Köln zum 4:4 aus!

Tor in letzter Minute! Düsseldorf stürmt weltoffen zum 5:4 Sieg

Der Abpfiff naht – wird es wieder ein Unentschieden geben? Noch kämpfen beide Duellanten um den Sieg. In Kölner Manier geht es dabei lautstark und lokalpriotisch zu. Kölner singen nämlich überall, am liebsten in Kölsch – was Mundart-Bands wie BAP, Höhner oder Bläck Fööss beweisen. Und nicht nur auf musikalischer Ebene kultiviert Köln sein ganz eigenes Universum. Man spricht Kölsch, hat eigene Grundgesetzte in Form von Redensarten wie „Et kütt, wie es kütt”, mit Kölnisch Wasser einen eigenen Duft, mit dem Kölner Klüngel ein eigenes Prinzip und mit Kölner Grün sogar einen eigenen Farbton. Bei so viel Lokalpatriotismus ist man als Besucher schnell außen vor.

Düsseldorfer gelten dagegen als zurückhaltender. Der Düsseldorfer singt abseits des Karneval  kaum. Und wenn, dann nicht in Mundart. Bekannteste Band der Stadt sind die Punkrocker Die Toten Hosen. Wobei – so spotten die Kölner – der Name der Band perfekt den Zustand des Düsseldorfer Nachtlebens beschreibt. Manche behaupten, Düsseldorfer seien humorloser und  versnobter. Was daran liegen könnte, dass man in gewissen Düsseldorfer Kreisen eben nur mitspielen darf, wenn man genug Geld hat. Düsseldorf ist nunmal die teuerste Stadt Deutschlands und man zeigt, was man hat. Dafür gibt man sich in Düsseldorf weniger offensiv lokalpatriotisch, hält sich mit dem Platt zurück und stellt nicht für alles eigene Regeln auf. Ein großer Flughafen auf Stadtgebiet unterstreicht zudem die eher weltoffene Ausrichtung des Düsseldorfer Spiels – das es Besuchern leichter macht, sich zurechtzufinden und sich willkommen zu fühlen. Deshalb macht Düsseldorf – versnobt hin oder her – das entscheidende Siegtor! Sorry, Köln! Endstand: 5:4!

Kommentare

    die lüsterne Düssel

    Also, Düsseldorfer feiern viel besser als Kölner! Mein Mann ist Kölner, und er bestätigte das sogar 😉

    19/08/2013 at 9:54 pm

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.