Ein Melting Pot voller Kreativität, ein Netzwerk für Künstler, kraftvoll, ein Erlebnis, ein Ort, an dem deine Träume wahr werden können – so schwärmen Singer-Songwriter Lloyd Yates, Drum & Bass-DJ James D'Ley und Indie-Folk-Musikerin Helene Greenwood in unserem Video von London. Das beweist: die britische Metropole an der Themse ist ein pulsierendes Zuhause für alle Musik-Genres. Woran das liegen mag?

Helene Greenwood fühlt sich besonders von dem Zusammentreffen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen inspiriert, James D'Ley unterstreicht, dass einfach alle guten Clubs, Produzenten und Studios vor Ort sind. Und für Lloyed Yates ist London einfach optimal, um neue Kontakte zu knüpfen und sich von der verrückten Atmosphäre mitreißen zu lassen. Fest steht auf jeden Fall, dass London einer der Hotspots für Musikschaffende und Musikfans gleichermaßen ist. Denn egal ob Alternative, Rock, Pop, Folk oder Elektro – in London kann man zu den neuesten Kreationen unverbrauchter Künstler die Nächte durchtanzen.

The Old Blue Last – wer sich erinnert, war nicht dabei

Das coolste Pub der Welt, die Wiege der musikalischen Zukunft Großbritanniens – die Presse überschlägt sich jedes Mal, wenn es um

Old Blue Last London
Old Blue Last in London

das The Old Blue Last geht. Im unteren Stock des historischen Gebäudes ist ein gemütliches Pub, im zweiten Geschoss finden die Konzerte statt. Vom berüchtigten Vice-Magazin betrieben, ist das Publikum entsprechend jung, feierwütig und hart im Nehmen. Hier wird schonmal gerockt bis die Balken krachen, die ein oder andere Nase blutig oder die Einrichtung Kleinholz ist. Wer also nicht gut angetrunken feiern will, bis wortwörtlich die Wände wackeln, sollte sich ein anderes Örtchen suchen.

An sieben Tagen der Woche kann man hier echte, musikalische Rohdiamanten live erleben. Ab acht Uhr geht’s los, der Eintritt ist in der Regel frei. Nur für ausgewählte Konzerte wird man zur Kasse gebeten, die Ticketpreise sind, mit um die fünf Pfund, aber mehr als fair. Und in regelmäßigen Abständen kommen auch große Namen wie The Arctic Monkeys oder Hot Chip vorbei, um The Old Blue Last zum Beben zu bringen. Wer sich zwischendurch selbst als DJ betätigen möchte, kann sich zudem an der – zumindest laut Times – heißesten Duke Box Großbritanniens austoben. Da nur rund 120 Menschen vor der Bühne Platz haben, empfiehlt es sich frühzeitig dort zu sein. Gerade Freitags und Samstags kann es sehr voll werden.

Das The Old Blue Last liegt im Nordosten Londons, im Stadtteil Shoreditch. Ein eher armes Viertel, das sich in den letzten Jahren aber immer mehr zum Trendstadtteil gemausert hat – oder wie manche sich beschweren, zum pseudocoolen Hipster-Areal wurde. So oder so, die Sanierung ist in vollem Gange und es ist eine gute Gegend, um nachts unterwegs zu sein. Zum The Old Blue Last nimmt man am besten die U-Bahn Northern Linie bis zur Haltestelle Old Street. Von dort aus sind es nur noch etwa 600 Meter zu Fuß. Wer nach einer durchrockten Nacht im The Old Blue Last keinen Schritt zu gehen mehr im Stande ist, kann übrigens auch den Bus zur U-Bahn Station nehmen oder sich eben gleich ein Taxi rufen.

Café OTO – Ausflug in andere Sphären

Wer sicher gehen will, einen verrückten Abend fernab des Mainstream zu genießen, ist im Café Oto an der richtigen Adresse. Nirgendwo sonst in London wird derart ausgefallene Avantgarde geboten.

Das Publikum ist dementsprechend etwas künstlerischer und genießt auch mal still und staunend. Die innovativen Konzerte und Klangexperimente – oft in Verbindung mit Video-Kunst – muss man eben wirken lassen.

Tagsüber bis halb sechs ist das Café PTO ein ganz normales Café, nett zum Sitzen und Unterhalten. Am Abend ab acht Uhr finden dann – an beinahe sieben Tagen der Woche – Konzerte statt. Die Künstler kommen aus der ganzen Welt und bieten ein weites Spektrum an unterschiedlicher Musik. Die Betreiber sind sehr darauf bedacht, wirklich nur außergewöhnliche und neuartige Musiker einzuladen. Bei den Konzerten selbst kann man sitzen oder stehen, wie man möchte – meistens gibt es genügend Sitzplätze. Tickets kosten zwischen zehn und 20 Pfund. Da nicht bei allen Events Abendkarten zurückgehalten werden, empfiehlt es sich, die Tickets vorab zu bestellen – damit spart man auch zwei bis drei Pfund.

Das Café OTO liegt in Dalston, einem ziemlich angesagten Viertel, in dem viel Kunst und Unterhaltung geboten wird. Um zum Café zu gelangen, sollte man die London Overground Line bis zur Haltestelle Dalston Kingsland nehmen. Von dort aus sind es nur noch etwa 100 Meter die Straße runter. Generell ist das Café auch gut mit dem Bus zu erreichen, viele Linien halten an der Dalston Kingsland Station.

Union Chapel – Musik ist meine Religion

Die einmalige Atmosphäre der Union Chapel hat in der Vergangenheit schon große Nummern, wie Amy Winehouse – Gott habe sie selig – oder U2 angezogen. Aber auch neue, noch unbekannte Künstler treten regelmäßig in der Neo-Gotischen Kirche auf. Die Akustik in dem Ende des 19. Jahrhunderts erbauten, steinernen Gemäuer ist so umwerfend, dass bei den Auftritten – egal ob underground oder mainstream – Gänsehaut garantiert ist. Hier wird das Konzert zum wahrhaft sakralen Erlebnis!

Einziger Wermutstropfen – zumindest für manche Musikfans: In der Kirche ist Alkohol nicht erlaubt. Konzerte müssen also bei Tee oder Kaffee genossen werden. Und es gibt nur Sitzplätze – insgesamt 800 Stück. Die Atmosphäre ist aber durchaus auch im nüchternen Zustand berauschend. Für Trinkfreudige Gäste gibt es zudem an der Rückseite der Kirche eine Bar, die Alkohol verkauft. Und direkt gegenüber der Kirche befindet sich mit dem The Library ein nettes Pub zum Vor- oder Nachglühen.

Sonntags finden in der Union Church nach wie vor Gottesdienste statt und sie dient auch als Einrichtung für Bedürftige. Der Charity-Gedanke wird zwar groß geschrieben, die Preise sind  aber nicht ganz so niedrig – zwischen 12 und 30 Pfund, je nach Künstler. Einige Konzerte kosten jedoch  auch  gar keinen Eintritt. Wer etwas für sein Seelenheil tun und für den guten Zweck spenden möchte, kann ein paar Euros in die Spendenkassen vor Ort werfen.

Das Publikum ist so gemischt, wie das Programm – von etwas betagteren Jazz-Anhängern bis hin zu verrückten Rock-Freaks ist alles dabei. Und auch wenn man sitzender und teetrinkender Weise nicht völlig ausrasten kann, sind alle Besucher von der großartigen Stimmung bei Live-Gigs ergriffen. Wer noch Pogo braucht, kann nach dem Kirchgang auch noch weiterziehen, denn ab halb elf ist Schluss im Gotteshaus.

Die Union Chapel liegt im beschaulichen Viertel Islington, einer beliebten Wohngegend für die wohlhabendere Mittelschicht. Eine pulsierende Clubszene wird man dort nicht finden, nett ist es trotzdem. Zur Kirche gelangt man am besten mit der U-Bahn-Linie Victoria Line. Einfach bei der Station Highbury & Islington aussteigen. Von dort aus sind es nur noch etwa 300 Meter zu laufen.

The Corsica Studios – wer hier nicht tanzt, ist tot

Die The Corsica Studios bieten einen aufregenden Mix aus verschiedenen Genres – wobei hier besonders Liebhaber von House, Techno

und Elektro auf ihre Kosten kommen. Eingerichtet in alten Bahnhofsgewölben versprüht dieser Club eine ganz besondere Atmosphäre. Die The Corsica Studios unterteilen sich in eine gemütliche Bar, die auch als Galerie dient, eine kleine Chillout-Area, einen großzügigen Außenbereich mit Bar und natürlich den Stage-Room, wo DJs auflegen oder Livebands spielen. Bei der Auswahl der Musiker ist auch hier der künstlerische Anspruch hoch und Nullachtfünzehn-Unterhaltung kommt hier nicht in die Tüte.

Das tanzbegeisterte Publikum ist bekannt dafür, extrem gute Stimmung zu verbreiten– wer hier ist, der lässt es ordentlich krachen. Nur rumstehen geht nicht! Tanzlaune ist ein Muss! Zumal der Club für sein exzellentes Soundsystem berühmt ist. Am Wochenende kann es ziemlich voll werden, durch den weitläufigen Außenbereich kommt aber keine beängstigende Enge auf. Außer Partystimmung sollte man auch etwas extra Kleingeld für die Getränke einplanen. Extrem teuer ist es nicht, aber es geht auch billiger. Die Ticketpreise sind dagegen mit Preisen zwischen sechs und 15 Pfund in Ordnung, einige Live-Events und Club-Nights kosten auch gar keinen Eintritt.

Die Anfahrt ist ein kleiner Nachteil, denn die The Corsica Studios liegen ein Stückchen außerhalb in Kennington – nicht gerade das schönste Viertel Londons. Der Club ist nur etwa 50 Meter weit von der U-Bahn Haltestelle Elephant & Castle entfernt. Dorthin gelangt man sowohl mit der Northern Line als auch mit der Bakerloo U-Bahn Linie. Da die eher abgeschiedene Gegend nachts etwas unheimlich sein kann, sollte man – zumindest für den Rückweg zur U-Bahn – besser in Gruppen unterwegs sein oder eben doch das Geld in ein Taxi investieren – eine großartige, durchtanzte Nacht entlohnt sicherlich dafür.

The Windmill – klein, dreckig, eben Rock’n’Roll

The Windmill zählt in fast jedem Ranking zu den besten Geheimtipps, wenn es um großartige Underground-Livemusik geht. Die Betreiber – selbst wahre Musikliebhaber – achten darauf, jungen und noch unbekannten Bands eine Bühne zu geben. Jeder bekommt eine Chance, einzige Bedingung: Man muss es musikalisch drauf haben und rocken können, bis der Arzt kommt.

Von außen wirkt The Windmill unscheinbar: klein, eher hässlich. Auf Äußerlichkeiten kommt es hier aber auch nicht an. Die Stimmung ist dafür umso besser. Das Publikum ist eher jünger, aber im vergleich zum The Old Blue Last wird hier kein Wert auf coole Attitüde gelegt und Hipster wird man hier auch vergeblich suchen. Es ist laut, klein, dreckig und wenn die – meist Punk- oder Rock lastigen Bands – den Fans einheizen, hat man das Gefühl, der Schweiß tropft von der niedrigen Decke.

An Gig-Abenden – etwa drei mal pro Woche – spielen bis zu fünf Bands. Da nur 150 Leute Platz haben, fängt hier nur der frühe Vogel den Wurm. Eintritt liegt bei fairen drei bis neun Pfund. Besonders beliebt sind die Wochenenden. Wer weniger Gedränge will, muss sich die aufregenden Bands an Wochentagen anschauen – es lohnt sich garantiert.

The Windmill liegt im Süden Londons, genauer, in Brixton, einem früher als gefährlich, heute aber eher für Künstler als für Gangster bekannten Stadtteil. Um dort anzukommen, am besten mit der U-Bahnlinie Victoria Line bis zur Haltestelle Brixton fahren. Wer fit ist, kann den etwa zehnminütigen Spaziergang zu The Windmill auf sich nehmen. Andernfalls fahren auch mehrere Buslinien von Brixton (Bus-Haltestelle direkt vor dem KFC) ab. Den Bus dann nach etwa zwei Minuten an der dritten Haltestelle namens Blenheim Gardens verlassen und schon ist man da.

Kommentare

    Christopher

    Witziger Artikel! Das Old Blue Last ist wirklich gut beschrieben… *lach*

    05/07/2013 at 4:10 pm
    Christian Frank

    Sehr ausführlicher Artikel und extrem gut recherchiert!
    Wo ich meinen nächsten Wochenend-Trip verbringen werde,
    ist ja wohl klar. Daumen hoch!
    Weiter so & und mehr davon…

    04/07/2013 at 5:59 pm

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