Irgendwie ist Flugangst doch der nervigste Flugbegleiter der Welt, stimmt’s? Was für viele Menschen das reinste Vergnügen, Entspannung pur oder Erholung ist, ist für andere eine lästige und nervenzerreißende Mutprobe. Laut einer Umfrage haben 10-15% der Deutschen sehr große Angst vor dem Fliegen, weitere 15% fühlen sich zumindest sehr unwohl. Da helfen oft auch keine gut gemeinten Ratschläge oder Sprüche wie „Es ist noch nie einfach so ein Flugzeug vom Himmel gefallen!“ oder „Statistisch gesehen sind Flugzeuge die sichersten Verkehrsmittel der Welt!“

Und dann kommt der Tag der Tage. Man wacht schon am Morgen mit einem komischen Gefühl im Bauch auf, man wird nervös, unruhig und zappelig. Und sitzt man erst einmal im Flieger, dann fangen die „Probleme“ erst richtig an. Ungewohnte Geräusche, enge Sitze, laute Triebwerke, weiche Knie, Herzrasen, Anspannung und dieses Gefühl von Machtlosigkeit.Flughafen-Tafel

Doch wo kommen diese Gefühle und Gedanken eigentlich her? Einige haben vielleicht mal schlechte Erfahrungen gemacht und setzten sich nur deswegen ungern in ein Flugzeug. Hier und da liest man mal Horror-Nachrichten, das Wetter spielt nicht mit oder man hat Angst vor der Höhe. Man misstraut der Technik und hat einfach keine Kontrolle, sondern gibt diese in andere Hände ab. Bei den meisten ist es aber „nur“ reinstes Kopfkino. Hat man doch so viele Blockbuster gesehen, wo ein Triebwerk Feuer fängt, ein Flügel abbricht oder so heftige Turbulenzen kommen, dass der Flieger einfach vom Himmel fällt.

Ich kenne all diese Gefühle und Gedanken zu gut. Ich hatte lange mit meiner Flugangst zu kämpfen, wollte es mir aber nicht nehmen lassen, die Welt zu entdecken. Und wie sollte ich anders schon nach Asien oder Australien kommen? Mit einem selbstgebauten Floß? Und so setzte ich mich also immer und immer wieder in ein Flugzeug und ließ es einfach über mich ergehen.

Mit der Zeit habe ich mich aber selbst therapiert. Zumal ich gestehen muss, dass ich anfangs schon einen Therapeuten aufsuchen wollte, weil ich einfach nicht mehr weiter wusste. Heute würde ich meinen, dass ich meine Angst sehr gut im Griff habe und so langsam sogar anfange, das Fliegen zu genießen. Ich kann daher nur aus Erfahrungen sprechen und möchte versuchen, anderen die Angst ein wenig zu nehmen.


Tipp 1: Vergiss den Katastrophen-Film!

Wie schon am Anfang erwähnt, haben viele Menschen Kopfkino beim Fliegen. Immer wieder erinnert man sich an Szenen aus Filmen, wo der Flieger auf die Erde stürzt. Hier ein brennender Flügel, da ein ausgefallenes Triebwerk oder die Geschichte vom Hudson-River. Aber mal im Ernst! Wie oft passiert so etwas? Selbst Piloten müssen schon „Glück“ haben, während ihrer Laufbahn in richtig heftige Turbulenzen zu geraten. Flugzeuge halten mehr aus als ein Passagier. Und nur weil links und rechts mal der Wind gegen den Flieger peitscht, fällt noch lange kein Flugzeug vom Himmel.

Turbulenzen werden so oft es geht umflogen und außerdem sind sie keine Gefahr für ein Flugzeug. Vergesst also die Filme und Horror-Szenarien. Sobald etwas komisch erscheint und man Angst bekommt, sollte man sich direkt hinterfragen. „Was macht mir eigentlich gerade Angst?“ Immer wieder sollte man ganz bewusst seine negativen Gedanken während dem Flug unterbrechen. Verzichte auf pessimistische Gedanken, wie „Was wäre wenn?“. Und übrigens: Bei Airlines wie Qantas, Finnair, Cathay Pacific, Et Al, ANA, LTU und Austrian Airlines ist selbst in 31 Jahren noch nie etwas passiert.Regen am Flughafen, Flugangst

Tipp 2: Der richtige Platz!

Ich muss sagen, dass dieser Tipp vermutlich nicht allen gefallen wird. Viele wollen ja gar nichts vom Fliegen mitbekommen. Ich aber werde recht nervös, wenn ich im Gang sitze und nichts sehen kann. Ein Platz am Fenster beruhigt mich irgendwie. So kann ich jederzeit sehen, was draußen passiert. Außerdem beruhigt mich der Anblick der Landschaften und ich genieße es, die verschiedensten Länder zu überqueren. Am Ende bin ich immer selbst überrascht: „Jetzt sind wir 12 Stunden geflogen und haben dabei fast 10 Länder überquert – Wahnsinn!“. Man muss wirklich lernen, sich selbst zu beruhigen. Immer wieder ganz tief einatmen, seine Hände lockern und ausatmen. Diese Tipps klingen so simple, dennoch kann es helfen, seine Anspannung zu besiegen. Solltest du aber Platzangst haben, so ist es besser, einen Platz im Gang zu buchen. So fühlst du dich nicht ganz so eingeengt und hast etwas mehr Beinfreiheit.flug-schwarzes-meer, Blick aus dem Fenster

Außerdem sind die Plätze über den Tragflächen empfehlenswert. Hier sind die Bewegungen des Flugzeugs am geringsten zu spüren. Sind dieses Plätze schon belegt, dann kann man noch in den ruhigeren vorderen Teil des Flugzeugs ausweichen. Und keine Sorge: Flügel brauchen Spielraum nach oben und unten, damit sie nicht abbrechen. Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung, wenn die Tragflächen wackeln. Sie können bis zu 10 Meter nach oben und 5 Meter nach unten schwingen. Das ist aber eher ein Zeichen, dass alles in Ordnung ist.Gang im Flugzeug

Tipp 3: Dokumentationen anschauen!

Die meisten Menschen mit Flugangst haben Angst vor dem Fliegen, weil sie zu wenig darüber informiert sind. Wer aber weiß, dass ein Flieger selbst ohne Triebwerke noch etwas 200 Kilometer im Gleitflug gemeistert bekommt, der wird in Zukunft etwas entspannter reisen.

Es klingt banal aber es hat mir wirklich geholfen. Ich habe über Hundert Dokumentationen rund um das Thema Flugzeuge und Fliegen geschaut. Damals dachte ich mir immer wieder „Wie kann dieses große Flugzeug abheben und wie bleibt es da oben in der Luft?“. Heute weiß ich mehr. Mit großem Interesse verfolge ich spannende Dokumentationen. Wie wird ein Flugzeug gebaut? Aus welchen Komponenten wird es zusammengesetzt? Wie funktioniert der ganze Ablauf in einem Flughafen? Wie werden Piloten geschult und wo kommt eigentlich die Angst vor dem Fliegen her? In einer dieser Dokumentarfilme sagte mal ein Pilot in einem Interview: „Wir Piloten üben weitaus schlimmere Horror-Szenarien, die meist nie passieren. Außerdem halten Flugzeuge weit mehr aus als ein Passagier!“Geparktes Flugzeug, Vorderreifen von vorne

Tipp 4. Hol die Kamera raus!

Vor allem beim Start hole ich immer meine Kamera heraus. Es lenkt mich enorm ab und ich bin so die ganze Zeit damit beschäftigt, dass ich alles auf Band habe. Schon wenige Minuten später ist man oben in der Luft – meist bei blauem Himmel und Sonnenschein. Bevor ich auf diese Idee kam, krallte ich mich immer in den Sitz, betete zu Gott und schloss die Augen.

Aber heute filme ich jeden Start – es entspannt mich. Ich kralle mich nirgends mehr fest, kann tief durchatmen und merke, dass doch alles gar nicht so schlimm ist. Und was glaubt ihr, wie viele schöne Fotos ich schon da oben geschossen habe. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit die trockenen Wüsten von Afghanistan zu fotografieren, das Schwarze Meer oder die vielen kleinen Inseln in der asiatischen Andamanensee? Vermutlich müsste ich schon mehrere Hundert Euro für einen kurzen Helikopter-Rundflug über Kapstadt oder Hongkong bezahlen.Blick aus dem Flugzeug von oben

Tipp 5. Erkunde die Welt mit Flightradar

Ich liebe Flightradar24. Auf dieser Seite kann man fast alle Flieger sehen, die gerade in der Luft sind. Klickt man ein Flugzeug an, so bekommt man alle Informationen zur Destination, Flughöhe, Airline und Flugzeit. „Schau mal, das ist bestimmt ein Airbus A380 – wo der wohl gerade hinfliegt“? Und alleine diese Seite zeigt doch nur zu gut, dass Fliegen wirklich sicher ist. Jährlich sind mehr als 3,7 Mrd. Menschen mit dem Flieger in der Luft und nur äußerst selten hört man mal etwas von einem Absturz oder gar von einer Entführung. 2013 waren es 388 Tote, 2014 knapp 900. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis, so werden Flugzeugen immer die sichersten Verkehrsmittel sein. Und im Vergleich dazu sind an einem Tag vermutlich Tausende Autos in einen Unfall geraten mit Verletzten und Toten. Wozu also dieser unnötige Flugbegleiter „Flugangst“?Flight Radar

Tipp 6: Ablenkung Gegen Flugangst

Ob mit der Kamera, dem Smartphone, einem spannenden Buch, einem Hörspiel oder einem Film – Ablenkung hilft. So ist man mit ganz anderen Dingen beschäftigt und vergisst oft die Zeit und das Geschehen um sich herum. Ich nutze die Zeit meistens dazu, um Fotos oder Videos zu bearbeiten, lese hin und wieder ein Buch und schreibe neue Reiseberichte. Ab und zu gerate ich aber auch in Gespräche mit anderen Passagieren. Und schwups ertönt die Durchsage: „Meine Damen und Herren, wir landen in Kürze!“.Laptop, Ablenken im Flugzeug bei Flugangst

Tipp 7: Entspannungsübungen Gegen Flugangst

Mir hilft vor allem eine ganz bestimmte Atemtechnik. Man atmen tief durch die Nase ein, zählt dabei bis drei und atmet ruhig durch den Mund wieder aus. Das senkt nämlich den Adrenalinspiegel. Auch eine gerade Sitzhaltung ist beruhigend. Dabei sollten die Beine fest auf den Boden gestellt sein. Ziehe deine Schultern zu den Ohren, verharre in dieser Position ein paar Sekunden und lass dann wieder locker. Wer unter sehr starker Flugangst leidet, kann sich auch spezielle Techniken zur progressive Muskelentspannungen aneignen. Hier spannt man im Wechsel verschiedenen Musikgruppen an und lässt sie dann wieder locker, was schnell zu einer Entspannung führen kann.

Passend zum Thema: Yoga im Himmel – Fit bleiben und entspannen über den Wolken.

Tipp 8: Reisetabletten können helfen!

Reisetabletten bekommt man in der Apotheke zu kaufen und sie machen sooooo schön müde. Dennoch sollte man zu diesen erst greifen, wenn wirklich gar nichts mehr gegen die Flugangst hilft. Oft beruhigt es einen schon, wenn man weiß, dass man diese im Handgepäck dabei hat. Gute Erfahrungen habe ich mit dem pflanzlichen Arzneimittel Pascoflair (auch Baldriantropfen) gemacht. Das ist ein hochdosierter Passionsblumenextrakt, welcher schon nach knapp 30 Minuten wirkt. Diese Medikamente sollte man aber bereits schon beim Check-In einnehmen und nicht erst im Flieger.Reisemedizin

Tipp 9: Viel Wasser und Süßigkeiten!

Bei Menschen mit Flugangst ist oft auch der Kreislauf ziemlich in Wallung. Der Adrenalinspiegel schießt in die Höhe, der Mund wird trocken und das Herz fängt an zu rasen. Kaufe dir vor dem Flug noch eine Flasche Wasser und versuche viel zu trinken (mindestens 1 Glas pro Stunde).

Zwischendurch können auch Süßigkeiten die Anspannung etwas lösen. Aber bitte auf Alkohol und Koffein verzichten. Man ist so noch schwerer zu beruhigen! Schokoriegel, Obst oder die Lieblingspralinen helfen dabei, seinen Blutzuckerspiegel wieder etwas anzukurbeln. Außerdem signalisiert man seinem Körper damit, dass alles in Ordnung ist. Denn wer denkt schon bei Todesgefahr ans Essen oder Trinken? Gar nichts Essen hingegen ist aber nicht gut, denn dann macht der Kreislauf irgendwann schlapp.Flugzeug, Essen

Tipp 10: Gönn’ dir etwas nach dem Flug!

Yeah! Du hast den Flug super überstanden. Und? War es so schlimm wie vermutet? Nun ist es an der Zeit, dass du dich selbst belohnst. Beende dein Flugerlebnis mit etwas Positivem. Sei es ein Einkauf, ein leckerer Kaffee, eine Unternehmung, die eigentlich nicht geplant war, oder ein entspanntes Essen in einem Restaurant. So hält man einen gut überstanden Flug doch gerne in Erinnerung.Kaffee

Tipp 11: Lass dir nicht die Lust am Reisen nehmen!

Viele Menschen verzichten wegen ihrer Flugangst auf Langstreckenflüge und machen lieber in der näheren Umgebung Urlaub. Dabei könnte man so viele unglaublich schöne Flecken der Erde entdecken. Man träumt von der Karibik, von einer Tauchsafari in Thailand, von einer Expedition in Südamerika oder einem Road Trip durch das Outback von Australien. Heutzutage kommen wir an die abgelegensten Orte dieser Erde. Wir haben die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und können selbst entscheiden, wo wir den nächsten Urlaub machen.

Nur 3 Stunden Flug und man ist in Portugal, an der schroffen und einzigartigen Küste. 4 Stunden sind es meist bis an die Türkische Riviera oder 12 Stunden bis ins wunderschöne Thailand. Auch New York ist mit knapp 9-10 Stunden doch gleich um die Ecke. Andere fahren 12 Stunden mit dem Fernbus von Stuttgart nach Berlin. In dieser Zeit kann man mit dem Flieger schon die halbe Welt umrunden. Lass dir das nicht nehmen und genieße den Luxus des Reisens. Ohne den Flieger wäre ich an viele Orte dieser Welt gar nicht gekommen. Und ich bereue nicht einen Flug und hatte auch bei mehr als 60 Flügen noch nie schlechte Erfahrungen machen müssen.weltreise-javasee-indonesien, schwimmen

Kommentare

    Linda

    Vielen Dank für die vielen Tipp. Ich selbst gebe auch seit einigen Jahren Flugangst-Seminare und finde es immer mal wieder spannend die Tipps von anderen Menschen zu hören und was bei ihnen am besten funktioniert.

    Grüße Linda

    10/12/2017 at 10:08 pm

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