Schloss Moritzburg

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ bleibt ein sagenhafter Märchenfilm mit bildhübschen Drehorten in Tschechien und Deutschland. Ein rascher Rundtrip entlang der Original-Locations lohnt unbedingt, nicht nur für Filmfreunde.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gilt als klassischer Weihnachtsfilm und typische Märchenverfilmung in einer Kooperation von ČSSR und DDR. Grimms und Němcovás literarische Vorlagen standen dabei im Hintergrund.

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Im Winter 1972/73 fanden die kalten Dreharbeiten unter Regisseur Václav Vorlíček statt. Der daraus entstandene heutige Kultstreifen lässt sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit in TV-Programmen entdecken – zum ersten oder x-ten Mal.

Als Studio- wie On-Location-Film entstand „Haselnüsse“ in den Filmstudios Barrandov, Prag, und den Babelsberger Filmstudios, Potsdam, dem größten Studiokomplex Europas.

Außenaufnahmen fing das Team zum Teil am famosen Dresdner Schloss Moritzburg und in seiner Umgebung ein. Weitere schöne Natur- und Gebäudeszenen entstanden an diversen tschechischen Orten, speziell im zauberhaften Böhmerwald und am betörenden Wasserschloss Švihov.

Eigentlich sollte die Filmhandlung im Sommer liegen, klimatisch günstig für das prinzliche Techtelmechtel mit dem nicht abgeneigten Aschenbrödel. Zum Glück passten da die Termine der Filmstudios Barrandov und der DEFA (Deutsche Film AG) weniger gut zusammen wie jene schöne Frau und ihr adeliger Verehrer – denn so entstand einfach der noch heute populäre Winter- und Weihnachtsfilm (Braut und Prinz (Pavel Trávníček) wurden natürlich dennoch ein Paar).

Mehr als nur noble Kulisse: Schloss Moritzburg

Insgesamt benötigte der Schloss-Dreh etwa 15 Tage – die Zeiten effizienter elektronischer Dreharbeiten lagen damals halt noch etliche Jahrzehnte in der Zukunft. Heute besuchen viele Touristen das grandiose Schloss Moritzburg schon allein wegen des winterlichen Films, der ihre Kindheit verzauberte. Diese Magie vermittelt sich durchaus auch im Hochsommer sofort: Einmal die berühmte Treppe hinauf steigen, auf der Aschenbrödel (Libuše Šafránková) ihren linken Schuh zurück ließ? Kein Problem!

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Wer auf dieser märchenhaften Schlosstreppe seine Hochzeitsbilder nach der Trauung schießen möchte, befindet sich in bester Gesellschaft mit unzähligen Freunden des fabelhaften Films. Auch der obligate Heiratsantrag lässt sich dort sehr passend an den geliebten Menschen richten. Die begehrte Treppe finden Interessierte leicht an der östlichen Schlossflanke, die an den Garten grenzt. Eine sanft geneigte Rampe am Schlossgarten eignete sich prächtig für das filmische Reiten in den Burghof.

Als noble Kulisse der prinzlichen Burg eignete sich Schloss Moritzburg, nur 15 Kilometer vom südöstlich gelegenen Dresden entfernt, auch wegen seiner direkten Umgebung: Auf seinem künstlichen Eiland in einem hübschen See diente das ehemalige Jagdschloss von August dem Starkem etlichen sächsischen Fürsten – und was wäre eine stattliche Filmburg ohne Wassergraben?

Wenn Aschenbrödel das große Burgtor passiert, läuft sie zugleich durch den realen Haupteingang des Schlosses. Die bekannten Schlagläden fehlen heute, dafür grüßt ein recht neues Wappenschild in seiner vertrauten Originalfarbe den Filmkenner.

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Schloss Moritzburg wurde 1945 per Bodenreform staatliches Besitztum. Heute finden Film- bzw. Schlösserfreunde ein informatives Museum in den alten Mauern. Auch 2017 fand in dieser ehrwürdigen Architektur wieder die traditionelle Winterausstellung zum Film statt.

Warmes Studioatelier statt kalter Außenaufnahmen: Babelsberg

Die berühmte Ballnacht mit ihren Innenaufnahmen entstand in den ebenso bekannten Filmstudios nahe Berlin. Das schmiedeeisern wirkende Tor im Film bestand aus simplem Sperrholz und funktionierte optisch großartig. Ebenfalls edel aussehendes Fußbodenparkett ließ die Produktion eigens für ihren Märchenstreifen herstellen.
Die fleißigen Balustraden-Musiker waren ebenso echt wie der Tanzboden, mimten ihr Musizieren aber nur: Tonsynchrone Bewegung der Tänzer über etliche Szenen hinweg profitiert halt mächtig von stets identischer Tonwiedergabe vom Band. Nahezu alle jener schwofenden Ballgäste waren Deutsche, unter ihnen etliche Ostberliner Tänzer.

Auf nach Tschechien: Wasserburg Švihov

Rundreisen entlang von Drehorten lohnen auch zu „Haselnüsse“. Dabei lassen sich viele Eindrücke der Grenzregionen von Tschechien, Sachsen und Bayern sammeln. So lebt das Film-Aschenbrödel gemeinsam mit ihrer herrschsüchtigen Stiefmutter auf deren Gutshof, den die malerische Wasserburg Švihov abgab. Dort und in der näheren Umgebung vollzogen sich entsprechende Dreharbeiten. Das Gutshof-Set erlebte dazu sehr intensive Umgestaltung, weil die anspruchsvollen Produzenten in ihrem Film unbedingt Stilelemente der Renaissance sehen wollten. Bitteschön: Mit einigen hölzernen Paletten ließen sich die eigentlichen gerundeten Tore der Burgscheune in fesche Spitzbögen verwandeln.

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Böhmerwald: ziemlich kalt

Böhmische Minustemperaturen sowie verschneite Wälder und Felder im Tiefschnee gaben perfekte Winterszenen ab – 45 Jahre vor den stets klareren Folgen globalen Klimawandels.

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Prag: Barrandov Studios

Filmkostüme lassen sich immer wieder im Schloss Moritzburg bewundern. Unabhängig von dortigen Terminen finden Freunde der „Haselnüsse“ etliche Kostüme in der Dauerausstellung der großartigen Barrandov Studios im wunderbaren Prag: An jedem Wochenende locken dort stoffliche Erinnerungen an den Film, dessen einst kindliche Fans ihn heute ihrem Nachwuchs zeigen.

 

Wer gerne in der Nähe von Schloss Moritzburg übernachten möchte, der findet hier eine Auswahl an Hotels nahe Schloss Moritzburg.

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