Die App VizEat

„Ich bin überall auf der Welt eingeladen“, sagt Camille Rumani und lacht. Eine forsche Aussage? Wohl eher eine wahre. Camille Rumani ist COO und Co-Founderin des Start-ups VizEat, das eine gleichnamige App entwickelt hat. Mit VizEat wollen die 27-Jährige und ihr Geschäftspartner und CEO Jean Michel Petit die Art zu reisen verändern: Reise in eine andere Stadt und sei mehr als nur Beobachter einer anderen Kultur. Wie? Lade die App herunter, kreiere ein Profil und lerne Leute vor Ort beim Kochen kennen!

VIZEAT: Treffe Einheimische Beim Kochen

„Ich habe eine zeitlang in Peking gelebt und viel Zeit mit meinen Kollegen verbracht. Die beste Zeit hatten wir immer beim Kochen“, erinnert sich Camille. “Es war das erste Mal, dass ich die chinesische Kultur von innen erlebt habe”. Zurück in Frankreich findet sie sich eines Tages auf einem Familientreffen wieder, bei dem sie ihre Erinnerungen vom gemeinsamen Kochen mit dem Cousin ihres Vaters teilt. Der versteht ihre Nostalgie, ist er doch selbst gerade mit seinem Sohn von einer Peru-Reise zurückgekehrt. Der Cousin ist Jean-Michel, der später Ihr Geschäftspartner werden soll.

Aus dem gemeinsamen Schwelgen wird schnell die Idee geboren, die Erfahrungen mit anderen zu teilen. “Über Essen kommt man so leicht ins Gespräch und es ist der perfekte Weg sich in eine andere Kultur reinzufühlen.“ Getestet wurde das gemeinsame Kocherlebnis über Stadt- und Ländergrenzen hinaus zunächst mit Freunden, Bekannten und der Familie. „Das war unser Testrun mit einigen wenigen Städten – unter anderem Paris und Berlin – und etwa 50 Leuten“, erklärt Camille. Eben dort, wo die Versuchskaninchen wohnten. Das war im Juni 2014.

Bei einem VizEat Event in London Foto: Hector Mora/VizEat

Mehr Als 22.000 Gastgeber Weltweit

Seitdem ist eine Menge passiert:  Im August 2014 konnte sich das Start-Up in einer Investorenrunde 1 Mio. Euro sichern – der Weg war geebnet. Aus den 50 Testpersonen sind mittlerweile mehr als 22.000 reale ‘Gastgeber’ in 110 Ländern der Welt geworden, die in der App eine Experience – also eine Erfahrung – anbieten. Im vergangenen August sicherte sich das Unternehmen noch einmal 4 Mio. Pfund. “Natürlich haben wir viele Marketing-Initiativen, aber ein Großteil der Community ist, besonders in den Anfängen, organisch gewachsen.“

Die Erfahrungen reichen vom Frühstück über Mittag- und Abendessen bis zu Kochkursen. ‘Da kocht der Gast dann aktiv mit’, erklärt Camille. Kosten tut die App nichts, jeder kann sich ein Profil anlegen. Gezahlt wird für die Zutaten, die Preise legt der Gastgeber fest. VizApp bekommt eine Kommission von 20 Prozent vom angesetzten Preis – und funktioniert damit ähnlich wie Airbnb, eine App, mit der VizEat gerne verglichen wird. Dabei hinkt der Vergleich, wie Camille findet: “Wenn ich eine Wohnung oder ein Zimmer bei Airbnb miete, ist der Gastgeber in der Regel gar nicht da. Da bleibt der soziale Kontakt, den wir vermitteln wollen, aus. Bei uns ist es sogar anders herum: Wenn unsere Gastgeber selbst im Urlaub sind, haben wir ein Problem.”

Vizeat In Berlin – Zugezogene sind in der Überzahl

Das Unternehmen ist in Großbriannien registriert, Hauptsitz von VizEat in allerdings Paris. Für Ende des Jahres ist auch ein Büro in Berlin geplant. Deutschland als Markt hat übrigens so seine Besonderheiten: “In Berlin etwa haben sich sehr, sehr viele Zugezogene angemeldet und viel weniger Deutsche. Die Kultur, dass man sich abends bei jemandem zum essen trifft, scheint nicht so ausgeprägt zu sein. Man trifft sich eher in Restaurants oder Kneipen”, konstatiert die 27-Jährige. Dabei sei das Essen doch eigentlich nur “ein Vorwand, um Leute um sich herum zu versammeln”. “Vielleicht meinten ja die Deutschen, sie könnten nicht gut genug kochen? Aber darauf kommt es eben gar nicht an, sondern auf das Teilen des Erlebten.” Die Italiener seien in puncto Selbstbewusstsein beim Kochen auf jeden Fall Spitzenreiter.

Und Camille weiß, wovon sie spricht: Immerhin hat sie sich selbst mehr als 100 Mal in aller Welt bekochen lassen – und selbst andere bekocht. “Ich versuche kein Michelin-Star Koch zu sein, sondern liebe deftiges Essen, das auf großen Tellern gereicht und dann von allen am Tisch geteilt wird. Meine Lieblingsköche sind deshalb auch Jamie Oliver und Yotam Ottolenghi”. Nach steht sie den Italienern in puncto kulinarisches Selbstbewusstsein kaum: “Meine Kochkünste liegen auf einer Skala von eins bis zehn mit Sicherheit bei sieben.”

Die App VizEat
CEO Camille (Mitte) mit anderen bei einem VizEat-Event

Nacht-Pasta in Mailand

Eine Ihrer Lieblingserinnerungen war in Mailand: Zusammen mit dem Country Manager Italy hatten sie ein Essen mit Journalisten bei einem lokalen Gastgeber organisiert. “Wir haben das in insgesamt 12 großen Städten gemacht und Journalisten mit lokalen Gastgebern zusammengebracht – Meet the local hosts”, erinnert sich Camille. Nur die Veranstaltung in Mailand ging unerwartet in die Verlängerung: “Als wir um 11 Uhr abends abräumen wollten, sagte Gastgeber Mario es sei nun Zeit für den zweiten Gang – und begann Pasta zu kochen. Eine tolle Party!”

Bei den Gastgebern wird übrigens viel wert auf Transparenz gelegt. Sobald sich jemand anmeldet und eine Veranstaltung bei sich anbieten will, beginnt ein strikter Sicherheitscheck – inklusive 1:1 Gespräch mit jedem Host. Die Veranstaltung des neuen Gastgebers wird erst dann freigeschaltet und erscheint live in der App. “In den großen Städten beauftragen wir außerdem Fotografen, die professionell Fotos von den Gastgebern zuhause machen. Fotos lügen nicht”, findet Camille.

VizEat in 5 Jahren Eigenständiger Begriff

Gibt es eine Vision für die Zukunft? “In noch mehr Ländern und Städten Gastgeber zu haben, klar”. Seit knapp einem Monat ist die App jetzt auch in China auf dem Markt. Für Camille natürlich etwas ganz besonderes, immerhin hat die Geschichte von VizEat dort seine Anfänge. “Die junge Generation in China ist sehr aufgeschlossen, reist viel und hat kaum Berührungsängste”. Im Büro in Paris gibt es seit kurzen auch einen neuen chinesischen Kollegen und die App ist mitterweile an der Spitze der App-Charts des bevölkerungsreichsten Landes der Welt.

“Es wäre toll, wenn VizEat in fünf Jahren ein eigenständiger Begriff wäre und die Leute sagen: Ich mache heute ein VizEat. So wie sie heute schon ein Uber nehmen. Dass es wie selbstverständlich zum Reisen dazugehört”.

ZUR HOMEPAGE VON VIZEAT GELANGT IHR HIER. DIE APP KöNNT IHR KOSTENLOS HERUNTERLADEN!

 

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