Weltreise

Ich bekam vor fünf Jahren die Diagnose Multiple Sklerose. Und natürlich hatte ich keinen blassen Schimmer, was das nun für mich heißen würde. Wie wohl jede Person, hatte ich den Begriff schon mal gehört. Unweigerlich tauchten die klassischen (und, wie du wissen solltest, meistens gar nicht zutreffenden) Vorurteile in meinem Kopf auf: Rollstuhl, schwere Behinderung. Dass MS mittlerweile sehr gut therapierbar ist, dass sie weder zu Muskelschwund führt noch ansteckend oder eine psychische Erkrankung ist, das wusste ich nicht.

Die Jahre gingen ins Land, und bei mir passierte nichts weiter. Es schien, als wirkten die Medikamente, und als wäre ich eine der 75% der MS-Kranken, die bis ins hohe Alter ohne schwere Beeinträchtigung leben können (und von denen man irgendwie nie etwas in den Medien liest).

Dieser Erkenntnis folgend, gründete ich nicht nur einen positiven Blog zur Krankheit – ich beschloss auch, das Leben zu leben, von dem ich immer geträumt hatte.

Samira von Chronisch fabelhaftDer Wunsch, lange zu Reisen, und das Bedürfnis nach einer Auszeit kennt wohl jeder. Wie es wohl wäre, morgens ohne Wecker aufzustehen? Endlich Zeit für Sport, Hobbies und vor allem auch fürs Dolce Far Niente zu haben? Ich wollte nicht mehr nur mutmaßen. Ich wollte endlich selbst erleben, schmecken, riechen und fühlen.

Mein innerstes schrie förmlich nach einer Überdosis an Sinneseindrücken, wie sie meine Reiseziele wie Thailand, Bali, Mexiko und Kolumbien für mich bereithalten sollten.

Doch so gut man mittlerweile mit vielen chronischen Erkrankungen leben kann: Natürlich müssen wir auf Reisen, und vor allem solchen, die uns für längere Zeit an den Rand unserer Komfortzone und über die Grenzen des Europäischen Gesundheitssystem hinaus locken, ein paar besondere Vorkehrungen treffen.

Was müssen chronisch kranke Menschen bei einer Reise beachten?

Sieh das Einbinden dieser Tipps in deine Planung, wenn du chronisch krank bist, als genauso wichtig wie das Buchen der Flüge und Hotels, sowie das Lesen von Reiseführern und Packlisten an. Es gehört einfach dazu.

Mir ist diese Art der Reisevorbereitung bereits in Fleisch und Blut übergegangen, und du schaffst das auch – denn eine chronische Krankheit ist kein Grund, auf deinen Reisetraum zu verzichten!Copyright Eddy Kruse

Foto Credit: @Eddy Kruse

1. Kümmere dich um eine Auslandreisekrankenversicherung!

Du solltest, und das gilt nicht nur für chronisch Kranke, eine Auslandsreisekrankenversicherung abschließen, die am Tag der Abreise beginnt und erst wieder mit der Einreise nach Deutschland endet – zumindest sofern du planst, außerhalb der EU zu reisen. Günstige Angebote gibt es schon ab 80 Cent pro Tag, daran solltest du also auf keinen Fall sparen!

2. Plane deine Reiseroute mit Bedacht

Auch bei der Planung deiner Reiseziele sollte deine Krankheit als Faktor nicht ignoriert werden. Manche Menschen reagieren mit einer Symptomverstärkung auf hohe Temperaturen, manchen setzen lange Flüge zu, andere haben Schwierigkeiten in Umgebungen mit einem sehr niedrigen Hygienestandard. Generell gilt: Es muss sich für dich gut anfühlen, und dein*e Ärzt*in sollte deinen Plan absegnen. So kannst du entspannt in die Ferne starten.

3. Nimm deutlich mehr Medikamentenvorrat mit, als du eigentlich brauchst

Reisen, das heißt auch, dass man seinen Safe-Space verlässt. Man überlässt sich manchmal einfach dem Lauf der Dinge und schaut zu, was passiert. Manchmal können das tolle Begegnungen sein – manchmal aber auch unvorhersehbare Ereignisse. Deswegen solltest du immer mindestens 1/3 mehr Medikamente als benötigt mitführen. Flugverspätungen oder -ausfälle, Wetterumschwünge… alles Mögliche kann dafür sorgen, dass du länger als geplant unterwegs bist. Also: Lieber Vorsorgen und die Notration aufstocken!

4. Verteile deine Medikamente auf dein Hand- und Aufgabegepäck

Der klassische Urlaubs-GAU: Du kommst am Reiseziel an – dein Gepäck leider nicht. Dieses ist irgendwo beim Umsteigen in den Weiten des chaotischen Flughafens, dessen Namen du nicht mal aussprechen kannst, verschollen. In dieser Situation rettet es dich, wenn du sowohl im Handgepäck, als auch im Aufgabegepäck eine Medikamentenration aufbewahrst! Diese empfehlenswerte Angewohnheit sorgt für genug Medikamente über die Zeit, die es braucht, deinen armen verschwundenen Rucksack ausfindig zu machen.

5. Organisiere dir einen Medikamentenpass

Es kann nie schaden, einen offiziellen Bescheid deines Arztes über die bunten Tabletten, Spritzen und Pülverchen zur Hand zu haben, die du mit dir führst. Gerade wenn du fliegst (und keine Lust auf die exotische Version eines „Tatorts“ hast), solltest du dir vorher bei deinem Arzt einen Medikamentenpass ausstellen lassen. Das geht fix, kostet nichts und erspart dir jede Menge Ärger. Auch kannst du am Flughafen beim Security Check direkt darauf hinweisen, dass du z.B. Spritzen in deinem Gepäck mitführst – und warum. Der Medikamentenpass sollte natürlich in englischer Sprache ausgestellt sein.

6. Habe einen Notfallplan im Hinterkopf

Natürlich wünscht man es niemanden – aber es kann, sowohl bei Menschen mit als auch ohne einer chronischen Erkrankung, immer mal etwas passieren, dass die Gesundheit beeinträchtigt.

Gerade wenn auch du so ein „extra Gepäckstück“ wie ich mit dir herumträgst, solltest du vorher einmal durchspielen, was passiert, wenn dieses sich unschön bemerkbar macht und es zum Ernstfall kommt. Ich reise zum Beispiel nur in Gegenden, in denen ich innerhalb von 24 Stunden in einem (guten) Krankenhaus sein könnte. Einfach, weil es sich sicherer anfühlt. Wisse, wie deine Krankheit in der Landessprache heißt. Drucke dir Notfalls zu Hause all diese Informationen aus. Eine tolle App, die ich für die Verwaltung meiner Krankenakte, Blutbilder und Befunden auf Reisen nutze, ist LifeTime – diese kann ich sehr empfehlen.

7. Informiere dich, welche Impfungen nötig sind, und ob diese für dich infrage kommen

Manche chronisch kranke Menschen sollten gewissen Impfstoffen, wie zum Beispiel Lebendimpfstoffen bei MS, mit Vorsicht begegnen. Deswegen rate ich dir, dich vorher über die bei der Einreise geforderten Impfungen deines Reiseziels zu informieren (zum Beispiel auf der jeweiligen Seite des Auswertigen Amtes). Besprich diese Informationen mit deine*r behandelnden Mediziner*in und plane entsprechend. Er oder sie kann dir auch einen Bescheid darüber ausstellen, dass man dich gegen gewisse Krankheiten nicht impfen darf – das kann die Einreise trotz fehlender Impfung ermöglichen.

Und zu guter Letzt:

8. Lass dich von deiner Krankheit nicht aufhalten.

Wie jede andere Person, hast auch du das Recht darauf, so zu leben, zu Reisen und die Welt zu erkunden, wie du es magst. Natürlich müssen wir ab und an Abstriche machen. Doch wenn du lernst, diese eher als Herausforderung, die es zu überwinden gilt, zu sehen, und dich davon nicht unterkriegen lässt, dann wird auch deine Krankheit in dir einen Kämpfergeist wecken. Denn er schlummert ja bereits tief in dir drin!

Mach, was dir guttut, hör auf das was dein Arzt sagt, plane geschickt – und dann ab mit dir in die Ferne!Samira schaukel

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