Eisberg

Bier findet man überall in der Welt – aber Bier, das mit dem Wasser weit über 10.000 Jahre alter Eisberge gebraut wurde, gibt es nur in Neufundland. Genauer gesagt in der Quidi Vidi Brauerei nahe der Hauptstadt St. John’s, im östlichsten Teil Nordamerikas. Die Nachfrage nach der köstlichen Flüssignahrung in nachhimmelblauen Flaschen ist groß, die Produktion limitiert. Am besten kostet Ihr es bei einer lustigen Kitchen Party in der Brauerei selbst.

Auf den ersten Blick erscheint es eher ein Postkartendorf als Stadtteil der Hauptstadt St. John: Quidi Vidi mit seinen kleinen bunten Häusern und Booten, die am See vor Anker liegen. Anfang der 1930er war es Schauplatz des Films „The Viking“, und seit 1966 beheimatet es auch die Quidi Vidi Brauerei, die von zwei Ingenieuren in einer ehemaligen Fischfabrik eröffnet wurde.

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Heute ist die Brauerei synonym mit Bier aus bis zu 25.000 Jahre alten Eisbergen, dem „Iceberg Beer“. Dass die tiefblauen Flaschen manchmal ausgehen, verwundert nicht, denn sie sind so schön, dass die meisten Leute sie einfach behalten, anstatt sie wie vorgesehen zurückzubringen. Doch der Produktionsort des besonderen Biers ist mehr als nur eine Brauerei – er ist dank des Pubs nebenan auch Restaurant und Bar sowie eine Stätte, wo die Einheimischen jede Woche zusammenkommen, um gemeinsam zu trinken und zu feiern. Bei einer typisch neufundländischen Küchenparty mit ganz besonderen Instrumenten.

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Der Eisberg-Cowboy

Eisberge bekommen die Neufundländer jedes Jahr reichlich, meist zwischen Frühling und Juli. Sie legen einen langen Weg aus Grönland über den Nordatlantik zurück, reisen mit der Labrador-Strömung etwa sieben Kilometer pro Monat, bis sie mit Traumblick auf die Küste Neufundlands ihr sonnenbeschienenes Ende in Kauf nehmen. Kein Wunder also, dass sie bei so viel Gemütlichkeit ein hohes Alter von 10.000 und mehr Jahren erreichen können. Und damit die Eisskulpturen nicht alle nur vor sich hin schwitzen, machen sie sich die Neufundländer zunutze. Vor allem Ed Kean.

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Ed Kean ist ein wichtiger Mann in Neufundland. Er ist der Eisberg-Cowboy, denn er hat einen ungewöhnlichen Job: „Im Sommer fährt er jeden Tag 16 Stunden lang zu den Eisbergen raus, um so viele Eisstücke wie möglich zu ernten, und die werden dann in Bonavista geschmolzen und an uns verkauft“, erzählt der Quidi Vidi Brauerei-Angestellte Les. Wusstet Ihr bisher noch nicht, dass es das Wasser ist, das die Qualität eines Bieres ausmacht, dann werdet ihr es in Quidi Vidi lernen. Das Eisberg-Bier besteht nämlich zu 98% aus Wasser – aus Eisbergwasser, dem angeblich saubersten der Welt.

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Wer nun Hoffnung hegt, das Eisbergbier auch mal in deutschen Regalen zu finden, wird schnell enttäuscht: Export Fehlanzeige. Weil die Neufundländer selbst so viel Bier trinken – etwa 20 Dutzend Liter pro Kopf jährlich, im Vergleich zu etwa 106 Litern pro Kopf in Deutschland – bleibt nichts übrig. Und wenn, dann wird es lediglich in ein paar kanadische Provinzen verschifft, vor allem nach Alberta, wo ebenfalls viele Neufundländer leben.

Die „Kitchen Party“

Am besten besucht Ihr die Brauerei an einem Freitag: Jeden Freitagabend startet im Pub bei der Brauerei nämlich die sogenannte „Kitchen Party“. Und wieso Küchenparty? Nun, weil man im atlantischen Kanada normalerweise zusammen Bier in der Küche trinkt, wenn man bei jemandem eingeladen ist.

In der Brauerei wird zwar nicht in der Küche gefeiert, aber das Ambiente ist das einer authentischen Küchenparty: Jeder plaudert mit jedem, und dazu spielt ab 18 Uhr die Band der Brauerei, treffend „The Brew Crew“ genannt. Sie besteht aus Rentnern, die jeden Freitag für Einheimische und Besucher singen und spielen. Bei der Musik kommt Ihr Euch erst einmal vor wie im irischen Pub, nur, dass statt Irland Neufundland sämtliche Texte beherrscht und geschunkelt wird wie beim Oktoberfest.

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Vielleicht habt Ihr auch Glück und ein echt neufundländisches Instrument kommt zum Zuge – der „ugly stick“, hässliche Stock. Ganz schön hässlich ist er wirklich, der Besenstil mit dem Wischmopp als Kopf, improvisiertem Gesicht, gelbem Neufundland-Regenhut sowie etwa zwölf Dutzend Kronkorken und einem Gummistiefel am unteren Ende. Außerdem braucht man einen sogenannten „beater“, ein Stöckchen, mit dem man auf den „ugly stick“ einschlägt und ihm so eine Art Musik entlockt.

Je mehr Eisberg-Bier fließt, desto ausgelassener wird die Stimmung, desto mehr Zuschauer schmettern die Heimatlieder mit. Und nach der fünften blauen Flasche sind auch die meisten ausländischen Besucher einer Meinung mit dem Refrain des Lieblingsliedes: „There is no place I’d rather be than Newfoundland.“

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Findet hier heraus, welches Craft Beer am besten zu Euch passt.

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