Den Rucksack packen, in den Flieger steigen und auf ins Ungewisse. Für viele Menschen ist die erste große Fernreise auf eigene Faust ein Lebenstraum. Oft mischen sich aber auch Bedenken in die Vorfreude, je näher der Abflugtermin rückt. Ist es dort auch sicher? Werde ich alleine zurechtkommen? Und was passiert, wenn ich etwas Wichtiges vergesse?

Damit die erste Individualreise ein Erfolg wird und Lust auf mehr macht, gibt es bei der Wahl des Reiseziels ein paar Dinge zu beachten: Das Land sollte in jedem Fall sicher sein und eine gute medizinische Versorgung bieten. Ein großer Vorteil ist auch ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz oder alternativ die Möglichkeit, das Land gefahrlos mit dem Auto zu bereisen. Last but not least wünschen sich die meisten Backpacking-Einsteiger auch die Möglichkeit, mit anderen Reisenden in Kontakt zu kommen. Klingt ziemlich anspruchsvoll? Zum Glück gibt es trotzdem ein paar Länder, die all das und noch viel mehr zu bieten haben.

Känguruh in Australien
Franzi & Känguru in Australien

Australien – die Mutter aller Backpacking-Reiseziele

Es gibt wohl kaum ein anderes Land auf der Welt, das für Individualreisende so viel zu bieten hat wie Australien. Traumstrände entlang der Küsten, absolute Einsamkeit im Outback, tropischer Regenwald im Norden und beeindruckende Städte an der Ostküste – eigentlich gibt es in Australien nichts, was es nicht gibt. Australiens Straßennetz ist gut ausgebaut und mit dem Mietwagen oder einem eigenen Auto kommt man problemlos überall hin. Wer nicht selbst fahren möchte, kann auch einen der vielen Busanbieter nutzen, die Backpacker im ganzen Land von A nach B bringen. Auch Inlandsflüge sind in Australien relativ günstig.

Der größte Nachteil an Australien sind definitiv die hohen Preise. Dafür eignet sich das Land aber perfekt für alle, die einen längeren Aufenthalt planen. Denn bis zum 30. Lebensjahr können Individualreisende ein Working Holiday Visum beantragen und somit unterwegs die Reisekasse aufstocken. Auch WWOOFing (World-Wide Opportunities on Organic Farms) ist in Australien weit verbreitet. Bei diesem Modell können sich Backpacker gegen rund vier Stunden Arbeit pro Tag Unterkunft und Verpflegung auf einer Farm verdienen. Eine Arbeitserlaubnis ist dafür nicht nötig.

Whitehaven Beach auf den Whitsundays, Australien

Neuseeland – die ganze Welt auf einer kleinen Insel

Neuseeland erinnert an eine Miniaturversion der ganzen Welt. Wer möchte, kann hier an nur einem Tag bei 30 Grad am Strand liegen, das ewige Eis der Gletscher erkunden, durch eine Fjordlandschaft wandern und auf verschneite Berggipfel klettern. Für die Neuseeländer ist es nicht ungewöhnlich, vier Jahreszeiten an einem Tag zu erleben. Und genauso vielseitig ist das ganze Land: Der Inselstaat im südlichen Pazifik gehört definitiv zu den schönsten Orten der Welt. Ähnlich wie in Australien gibt es hier eine große Backpacker-Community, entsprechend viele Hostels und eine sehr gute Busanbindung.

Obwohl Neuseeland etwas günstiger ist als das Nachbarland Australien, müssen Reisende ebenfalls ziemlich tief in die Tasche greifen. Dafür sind die Distanzen wesentlich geringer und es genügen schon einige Wochen, um das ganze Land intensiv zu bereisen. Auch in Neuseeland ist es bis zum 30. Lebensjahr möglich, mit einem Working Holiday Visum einzureisen und legal zu arbeiten. Viele Farmer sind ebenfalls Mitglied bei WWOOF und unterwegs ergibt sich häufig die Gelegenheit, in Hostels für freie Unterkunft mitzuarbeiten.

Abel Tasman Nationalpark in Australien
Im Abel Tasman Nationalpark, Australien
International Balloon Festival in Chiang Rai

Thailand – Inselträume und kulturelle Schätze

Thailand ist ein Mekka für Individualreisende. Denn hier findet eigentlich jeder genau das, wonach er sucht. Der Norden bietet beeindruckende kulturelle Schätze, Teeplantagen in den Bergen und einige der schönsten Tempel im ganzen Land. Im Süden laden die Inseln zum Sonnenbaden, Tauchen und Strandpartys ein. Obwohl nur wenige Thailänder Englisch sprechen, finden sich auch unerfahrene Backpacker gut im Land zurecht. Mit Bus, Flugzeug und Taxi kommt man außerdem günstig von A nach B.

Für viele Individualreisende sind auch die niedrigen Lebenshaltungskosten ein Grund, nach Thailand zu reisen. Denn obwohl das Preisniveau auch hier immer weiter steigt, sind Unterkünfte, Transport, Touren und Essen nach wie vor günstig zu haben. Die Möglichkeiten, die Reisekasse durch etwas Arbeit aufzufüllen, sind allerdings sehr beschränkt. Denn Thailand verschärft die Visaregularien kontinuierlich und sorgt dafür, dass sich Reisende nicht länger als gewünscht im Land aufhalten dürfen.

Weisser Tempel in Chiang Rai, Thailand
Franzi im Elephant Retirement Park in Chiang Mai

Kanada – im Einklang mit der Natur

Kanada ist das perfekte Reiseziel für outdooraffine Individualreisende, die unberührte Natur statt Partys und überfüllte Hostels suchen. Kanada bietet atemberaubende Landschaften, weite Seen, eine faszinierende Tierwelt und darüber hinaus auch einige multikulturelle Städte wie Vancouver, Toronto oder Montreal. Die Kanadier gehören zu den aufgeschlossensten und freundlichsten Menschen der Welt und helfen Backpackern immer gerne weiter. Das Land lässt sich problemlos mit dem Auto oder dem Camper erkunden. Größere Distanzen können auch mit Inlandsflügen überwunden werden, die allerdings leider oft nicht ganz günstig sind.

Generell gehört auch Kanada zu den relativ teuren Individualreisezielen. Dafür können Erwachsene sogar bis 35 Jahre mit dem Working Holiday Visum einreisen. WWOOFing ist hier ebenso verbreitet wie in Australien und Neuseeland. Für Langstrecken steht Reisenden in Kanada ein gut ausgebautes und relativ günstiges Busnetz zur Verfügung. Bahnreisen sind leider relativ teuer – angesichts der spektakulären Landschaften allerdings auch ein einmaliges Erlebnis.

Niagarafälle Kanada
Die Niagarafälle in Toronto, Kanada
Reisterrassen in Ubud auf Bali

Bali – Reisterrassen und Surferträume

Bali gehört zum Inselstaat Indonesien in Südostasien. Die Insel zählt zu den beliebtesten Reisezielen von Backpackern, und das hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist Bali relativ klein, so dass die Insel in relativ kurzer Zeit bereist werden kann. Auch die landschaftliche Schönheit zieht Individualreisende aus aller Welt an: Grüne Reisterrassen, Vulkane und Strände so weit das Auge reicht. Ein echtes Highlight sind auch die vielen vorgelagerten Inseln – wie beispielsweise Gili Air, Gili Meno und Gili Trawangan – die zu Erkundungstouren einladen. Auch Surfen, Yoga und gesundes Essen haben auf Bali einen sehr hohen Stellenwert.

Ähnlich wie Thailand gehört auch Bali zu den günstigen Reisezielen. Wer keine allzu hohen Ansprüche an die Unterkunft hat und typisch balinesische Restaurants bevorzugt, kommt mit relativ kleinem Budget zurecht. Das wichtigste Fortbewegungsmittel auf Bali ist der Roller – hier sind Individualreisende mit Rucksack deutlich im Vorteil. Ein Mietwagen ist eher nicht zu empfehlen, da das Verkehrsaufkommen in den Städten extrem ist und Europäer mit dem Fahrstil der Balinesen meist überfordert sind. Wer keinen Roller mieten möchte, kann das gut ausgebaute und auch (mit etwas Verhandlungsgeschick) günstige Netz von Taxiunternehmen nutzen. Für Tagestouren mit mehreren Personen lohnt es sich, ein Auto mit Fahrer zu mieten, der gleichzeitig Tourguide und Parkwächter spielen kann.

Ticket kaufen, Rucksack packen und los geht’s!

Auch wenn der Gedanke an die erste große Individualreise ein bisschen beängstigend sein kann – es lohnt sich. Denn vor Ort lösen sich die Bedenken schnell in Luft auf und es eröffnet sich eine ganz neue Welt, jenseits von Resortmauern und organisierten Touren. Spannende Begegnungen, das Eintauchen in eine neue Kultur und die vielen Bilder, die für immer im Gedächtnis bleiben – wer einmal auf den Geschmack kommt, möchte mehr und mehr von der Welt sehen. Und am Ende bleibt nur noch die Frage: Warum habe ich das eigentlich nicht früher gemacht?

 

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