Wer auch immer für die dünn besiedelten Landesteile der USA die Begrifflichkeit „Flyover States“ erfand, hatte dabei ganz sicher auch Wyoming im Sinn: Da hier auf einer Fläche von der Größe Großbritanniens kaum mehr als eine halbe Million Einwohner leben, haftet dem bevölkerungsärmsten Bundesstaat tatsächlich etwas Hinterwäldlerisches an. Zu diesem Image trägt nicht zuletzt der Umstand bei, dass hier die Zeit des Wilden Westens noch immer lebendig ist. So wird im Cowboy State nicht nur das Erbe des legendären Bufallo Bill in Ehren gehalten, auch die weitläufigen Prärielandschaften im Osten scheinen unmittelbar einem Indianerfilm entsprungen zu sein.

Neben Naturliebhabern wissen es jedoch längst auch Skifahrer und Snowboarder zu schätzen, dass die Uhren in dem weitgehend unbesiedelten Landstrich zuweilen ziemlich langsam ticken – schließlich üben die Rocky Mountains eine magische Anziehungskraft auf Wintersportler aus.

In Jackson wird Quartier bezogen

Im knapp 9.000 Einwohner zählenden Jackson kommt somit gewissermaßen alles Gute zusammen, was der Cowboy State an Attraktionen zu bieten hat: Neben dem berühmten Yellowstone-Nationalpark liegen auch einige der populärsten Skigebiete der Vereinigten Staaten praktisch um die Ecke. Aufgrund des regen Zustroms an Besuchern wird von dem einstigen Cowboy-Städtchen zunehmend ein touristisches Flair verströmt. Dennoch erinnern beliebte Abwechslungen wie Rodeo und Schlittenhunderennen freilich stets daran, dass man eben doch noch immer in Wyoming ist.

All jene, die die Sehnsucht nach dem Wintersport in den kleinen Ort versprengt, schlagen hier zunächst einmal aber ohnehin nur zum Übernachten ihre Zelte auf. Von diesem strategisch günstigen Ausgangspunkt ist dann selbst das rund eine Autostunde entfernte Grand Targhee Resort in vergleichsweise kurzer Zeit erreicht.

Jackson Hole und Snow King Resort

Soll es hingegen besonders schnell auf die Bretter gehen, ist das lediglich einen Steinwurf weit entfernte Jackson Hole die erste Wahl. Angesichts steil abfallender Hänge ist in diesem Skigebiet klassisches Rocky-Mountains-Feeling garantiert: Da folglich rund die Hälfte der Pisten der schwarzen Kategorie zuzuschlagen sind, hält das Skifahren hier auch für absolute Könner echte Herausforderungen bereit.

Dabei schießt vor allem der legendäre Corbet’s Couloir den Vogel ab: Auf der steilsten offiziellen Skipassage der USA wird Freeridern gleich einmal ein Sprung in 5 Meter Tiefe abverlangt, bevor es dann in einem 50 Grad geneigten Trichter ebenso halsbrecherisch weitergeht.

Unmittelbar schließt sich das Snow King Resort an, das zugleich zu den traditionsreichsten Skigebieten der Vereinigten Staaten zu zählen ist. Bei der Eröffnung im Jahr 1939 hatte der Wintersport jenseits des Atlantiks noch in den Kinderschuhen gesteckt. Auch im Snow King Resort warten etliche der 32 Pisten mit Schwierigkeitsgraden auf, die zweifelsohne nichts für schwache Nerven sind. Exakt aus diesem Grund reißen hier gelegentlich auch professionelle Abfahrer aus dem In- und Ausland ihre Trainingseinheiten ab.

Klassischen Urlaubern bietet hingegen die Eislaufhalle Gelegenheit, sich auch einmal in einer anderen winterlichen Sportart zu erproben; ein absolutes Muss ist zudem der Cowboy Coaster – eine Rodelbahn, auf der es im Stile einer Achterbahn gen Talstation geht.

Sonne tanken im GRAND TARGHEE RESORT

Für die etwas weitere Anreise kann das Grand Targhee Resort oft genug mit strahlendem Sonnenschein entschädigen: Dank der günstigen Lage auf der Westseite der Grand Teton Gebirgskette hat dieses Skigebiet regelmäßig Kaiserwette zu bieten.

Da sich das Skifahren hier folglich mit einer gesunden Bräune kombinieren lässt, wurde das Grand Targhee Resort seit der Eröffnung im Jahre 1969 sukzessive ausgebaut – 92 Pisten und fünf Aufzugsanlagen können mittlerweile auch größere Besucherströme verlässlich schlucken.

Dessen ungeachtet laden einige unpräparierten Pisten nach wie vor zu einsamen Abfahrten durch den Wald im Tiefschnee ein. Ein ganz besonderes Wintersport-Erlebnis, welches natürlich auch die im Grand Targhee Resort gern gesehenen Snowboarder zu schätzen wissen.

Skifahren für Minimalisten

Der für die Rocky Mountains so typische trockene Pulverschnee lockt passionierte Skifahrer auch in etwas ausgedehnteren Urlauben tagtäglich auf die Piste. Wer die Bretter dennoch partout einmal zur Seite legen möchte, bekommt im National Museum of Wildlife Art eine leicht verdauliche Portion Kultur verpasst.

Schon allein aufgrund der zentralen Lage kehrt zudem fast jeder Besucher von Jackson früher oder später im Mangy Moose ein. Deftige Gerichte und Country Live Bands lassen hier erahnen, was der Cowboy State unter Après-Ski versteht.

Neben dem namensgebenden Elch laufen Wintersportlern am Rande der Skipisten im Übrigen auch Hirsche und Bären über den Weg. Die weitgehend unberührte Natur liefert somit sicherlich den besten aller Gründe, sich auf ein Abenteuer in den Rocky Mountains einzulassen.

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