Fliegenfischen im „Big Sky Country“ in den USA ist eigentlich gar nicht mein Traum, sondern der meines Freundes. Aber es ist ein schöner Traum und ich freu mich ihn auf unserem Roadtrip durch die USA wahr werden zu lassen.

Montana

Foto: Ravi Pinisetti/Unsplash

Drei Wochen sind wir unterwegs durch Montana und Oregon und ein paar weitere Staaten, die wir an uns vorüberziehen sehen. Mit im Gepäck haben wir ein Zelt, zwei warme Schlafsäcke, einen kleinen Gaskocher und zwei Fliegenruten. Als Destination zum Fliegenfischen ist Montana im Nord-Westen der USA spätestens seit dem Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss(1992, Regie Robert Redford) weltweit bekannt geworden. Schuld daran ist neben der dramatischen Familiengeschichte zweier Brüder, vor allem ein unglaublich gut aussehender, junger Brad Pitt, der das Fliegenfischen im Blut hat, wie sonst kaum einer. Der Naturbursche schwingt, wie der Vater es ihnen beigebracht hat, die Angel zwischen 10 und 14h durch die Luft und befördert so die kleine Fliege durch die Luft. Bis sie schlussendlich auf die Wasseroberfläche landet, wo sie mit etwas Glück von einem hungrigen Fisch verschlungen wird. Richtig gut werden darin nur die besonders geschickten. Wie natürlich Brad Pitt in seiner Rolle als Paul Maclean, der mit der Zeit seinen eigenen Stil entwickelt.

„In unserer Familie gab es keine klare Trennungslinie
zwischen Religion und Fliegenfischen.“

Mit diesen Worten beginnt der Norman Macleans Buch und auch die Verfilmung. Für uns gibt es hingegen keine Trennungslinie zwischen Reisen und Fliegenfischen, wir machen einfach beides. In einem kleinen Tourismusbüro im Norden des Staates holen wir uns unsere Lizenzen. Zwei Tage kosten 15 USD, 10 Tage 43,50 USD und ein ganzes Jahr sogar nur 60 USD. Vergleicht man das zu Gewässer in den Alpen ist die Jahreskarte ein wahres Schnäppchen. Davon ausgenommen sind Indianer-Reservate, die teilweise eigene Lizenzen verkaufen.

In der kleinen Broschüre sind die Zufahrten zu Parkplätzen an Fischereigebieten eingezeichnet und so suchen wir uns die Orte einfach entlang der Strecke aus für kurze Abstecher. Ohne Mietauto wäre man hier übrigens aufgeschmissen. Mein Freund bereut es schon kein Boot dabei zu haben, was für einen so kurzen Trip aber natürlich nicht realistisch wäre. In Glacier Nationalpark im Norden ist das Fischen übrigens gratis, im Yellowstone Nationalpark im Süden braucht man eine eigene Lizenz.

Fischer in Montana

Von der Schnur und der Fliege

Wer als Vorbildung nur den Film mitbringt, bucht das ganze am besten bei einem Touranbieter als Aktivität. Wer bereits weiß wie man mit Angel, Schnur und Fliege umgeht, kann auf eigene Faust losstarten. Dazu braucht man in den meisten Fällen eine wasserdichte Wathose, Watschuhe mit Filz- oder Plastiksohle, eine Angel mit Wurfschnur (das Gewicht der Schnur wird geworfen, nicht die kleine Fliege am Ende) und eine Box mit Fliegen, die einen Haken haben.

Fliegen sind nachgebaute Insekten, die je nach Zielobjekt eingesetzt werden. Nachgeahmt werden kleine Nymphen (also Fliegenlarven), die im Wasser sinken oder kleine Trockenfliegen die auf der Oberfläche treiben. In Montana werden manchmal sogar große Plastik-Grashüpfer eingesetzt um die ganz großen Fische zu fangen. Wichtig ist, dass die kleinen Fliegen authentisch aussehen (aus Augen eines Fisches) und sich ebenso bewegen. Je realistischer und je besser man den Hunger des Fisches und dessen Standort im Fluss vermutet, umso höher die Chance einen Fisch zu fangen. Hängt dieser mal am Haken muss er übrigens nicht gleich getötet werden. Die Verletzung durch den Haken (ohne Widerhaken) ist klein genug um ihn gut überleben zu lassen.

Fisch in Montana

Ein paar gute Tipps für Hotspots bekommen wir auch vom Marketingleiter bei Simms in Bozeman, einer der bekanntesten Produktionsfirmen für Fischer-Kleidung aus den USA. Hier werden Schuhe, Wathosen, Jacken mit vielen kleinen Taschen usw. produziert. An einer großen Wand in der Kantine werden Fischerei-Erlebnisse fotografisch festgehalten und geteilt. Ob es hier auch Nicht-Fischer gibt, will ich wissen? Er lacht. Klar gibt es die. „Aber nicht viele“ fügt er zwinkernd hinzu.

Eine seiner Empfehlungen war auch Drehort für den Film, der Gallatin River südlich von Bozeman. Wunderschön rinnt der breite Fluss zwischen hohen Nadelbäumen und saftigen Wiesen durch die Landschaft. Zum ersten Mal spaziere ich hier alleine in eine andere Richtung los und stolpere fast über eine Schlange, die seelenruhig am Uferrand liegt. Puh, so ein Schreck muss erst einmal verdaut werden. Da sind mir die Fische am Haken doch lieber als die Schlangen zu Füßen.

Ein anderer Fisch-Hotspot, der ein paar Stunden Autofahrt entfernt ist (in den USA ein Katzensprung) ist der Madison River, der wilder und ungestümer fließt. Direkt bei der Three Dollar Bridge parken wir und ziehen los. Nur nicht zu weit vom Uferrand sollen wir uns entfernen hat uns der Mann im Fliegenfisch-Shop gewarnt. Das Farmland ist privat und die Farmer haben Schrottflinten. Eine eindrückliche Warnung, wir bleiben lieber in Flussnähe. Es ist einer dieser Tage an denen kein Fisch beißen will, egal wie sehr ich mich darauf konzentriere wie ein Fisch zu denken. Hinter den schönsten Steinen würde ich mich verstecken, aber da steht kein Fisch. Und dann nach ein paar Stunden passiert es doch: eine Bachforelle hängt am Haken und ich kann mein triumphierendes Strahlen nicht verstecken.

Bachforelle in Montana

Foto: Sticker Mule/Unsplash

Dieses Fischen hat mich auch ganz schön eingewickelt. Wie man es stundenlange und tagelang machen kann wird mir aber wohl für immer ein Rätsel bleiben. Was mir am besten daran in Montana gefällt ist die Nähe zur Natur und wie gut man lernt sie zu beobachten. Es ist ein neuer Blickwinkel, der „durchreisenden“ Touristen verwehrt bleibt. Ein ganz besonderer Einblick in den Lauf der Natur und den Rhythmus des Lebens. Und irgendwo in der Ferne steht vielleicht Brad Pitt und schwingt seine Angel, wer weiß.

 

 

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