Fahrradfahren in Sausalito

–Wer an San Francisco denkt, hat neben der Golden Gate Bridge oftmals ein Bild im Kopf: die historischen Straßenbahnen. Und die machen das Vorankommen im hügeligen San Francisco nicht nur zu einem geschichtsträchtigen Erlebnis, sondern auch sehr angenehm. Allerdings ist es ein anderes Verkehrsmittel, das in Amerikas Sehnsuchtsort Nummer eins gerade stark im Aufwind ist: das Fahrrad.  Und weil San Francisco am Wasser gar nicht hügelig ist, bietet sich hier der Drahtesel auch für weniger fitte Urlauber an. Zumindest für einen Tag!

San Francisco mit dem Rad: Fisherman’s Wharf, Golden Gate Bridge und Sausalito

Ferry Building

Von der BART Station Embarcadero am Ende der Market Street, die pusierende Hauptstraße die diagonal durch Downtown San Francisco verläuft, ist es nur ein kurzes Stück zu Fuß zum Ferry Building, unser Start- und Zielpunkt.

Der Fährterminal aus dem Ende des 19. Jahrhunderts ist ein echtes architektonisches Schmuckstück, durch das ihr zur zentralen Fähranlegestelle San Franciscos gelangt. Innen gibt es ein kleines, aber feines Einkaufszentrum zu entdecken. Der Ferry Building Marketplace ist vor allem ein Paradies für Foodies: Hier findet Ihr Fischrestaurants, Weinbars, Cafes, Geschäfte mit Produkten aus der Region und einen Farmers Market. Mein Favorit: Das Käsefachgeschäft mit dem einprägsamen Namen Cowgirl Creamery Artisan Cheese Shop, das Käse aus allen Teilen der Welt führt und einen Fokus auf amerikanische Sorten legt. Und die müssen sich keineswegs verstecken: Versucht Mt Tamalpais (kurz: Mt Tam) aus der hauseigenen Käserei oder das Grilled Cheese der Woche im dazugehörenden Sidekick Café and Milk Bar.

Cowboy Creamery

Ferry Building Marketplace

Fahrradtour in San Francisco: Diverse Anbieter, ein Preis

Am Ferry Building könnt Ihr Euch Euer Fahrrad für den Tag mieten. Phil, mein einheimischer Reiseguide, den ich an meinem ersten Tag in San Francisco kennenlerne, empfiehlt mir das Unternehmen Blazing Saddles, welches nach einem der lustigsten Western überhaupt (deutsch: Der wilde wilde Westen) benannt ist. Ich entscheide mich trotzdem für San Francisco Bicycle Rentals, denn hier ich bekomme ich 5 Dollar Rabatt als Gast in einer Jugendherberge und eine große Gepäcktasche. Die Taschen der Konkurrenz sind alle klein und hängen am Lenkrad.

Noch ein Tipp: Online gibt es gleich 20% auf den Gesamtpreis. Der liegt regulär bei allen Anbietern um die 30 Dollar am Tag für ein Hybrid- oder Mountainbike. Kein Schnäppchen, aber wer schon einmal für 2 Stunden im Central Park in New York das gleiche bezahlt hat, weiß den Preis zu schätzen.

San Francisco Fahrradverleih

Die Route

San Francisco ist durchaus fahrradfreundlich – zumindest entlang der Küste, denn hier ist es überwiegend flach: Ausgewiesene Radwege führen Euch gen Westen entlang The Embarcadero zu den geschäftigen Piers am Fisherman’s Wharf und weiter bis zur Golden Gate Bridge. Auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke wird es dann zugegebenermaßen anstrengend: Zwischen der Golden Gate Bridge und Sausalito gibt es schöne Abfahrten, aber auch unschöne Steigungen.

Eine Strecke vom Ferry Building bis nach Sausalito ist rund 10 Meilen lang. Da ihr zwischendurch anhalten, Fotos machen und essen werdet, solltet Ihr pro Strecke mindestens 3 Stunden einplanen. Wenn Ihr Euch den anstrengenden Rückweg ersparen wollt, könnt ihr Euer Rad gegen einen Aufpreis von 6 Dollar einfach in Sausalito zurückgeben und die Fähre zurücknehmen.

San Francisco Ferry

Tipp: Auch zu abendlicher Stunde lohnt es sich das Ferry Building zu besuchen. Von hier aus habt ihr einen tollen Ausblick auf die Bay Lights, eine Lichtinstallation entlang der Westseite der San Francisco-Oakland Bay Brücke.  Wenn ihr der Installation noch näherkommen wollt, nehmt die Fähre. Von der San Francisco Bay Ferry aus habt ihr gleichzeitig einen tollen Ausblick auf das nächtliche San Francisco und die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz.

Stop 1: Das Hafenviertel Fisherman’s Wharf

Fisherman's Wharf

An der Fisherman’s Wharf geht es sowohl tagsüber als auch nachts überaus geschäftig zu. Im Hafenviertel locken die besten Seafood-Buden und Fischrestaurants in San Francisco – von der günstigen (und sehr leckeren!) Clam Chowder an der The Chowder Hut Grill bis zum hochklassigen San Franciscan Crab.

San Franciscan Crab Restaurant

Das Restaurant in einem Bau der späten 50er Jahre, der ein bisschen einem alten Cadillac ähnelt, bietet einen unvergleichlichen Ausblick auf die San Francisco Bay, eine klassische Fine Dining Atmosphäre – und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Wer sich in San Francisco etwas gönnen möchte, sollte unbedingt hier essen – eines meiner besten kulinarischen Erlebnisse überhaupt.San Franciscan Crab Restaurant

Stop 2: Maritime National Historical Park and Museum

San Francisco ist nicht umsonst multikultureller Sehnsuchtsort. Die Stadt hat eine lange Geschichte als Hafen- und Handelsstadt. Diese Geschichte könnt Ihr am besten im Besucherzentrum des San Francisco Maritime National Historical Park and Museum nachvollziehen, der sich an die Fisherman’s Wharf anschließt. Im Visitor Center (499 Jefferson Street) bewahren Ausstellungsstücke das Erbe von San Franciscos Seefahrern, die aus allen Teilen der Welt kamen. Toll anzugucken ist auch eine der ersten Fresnel-Leuchtturmlinsen, die hier ausgestellt ist:

Fresnel Leuchtturmlinse

Gegenüber des Visitor Centers ist der Eingang zum Hyde Street Pier. Der Pier ist der historische Fähranleger San Franciscos und diente vor dem Bau der Golden Gate Bridge und der San Francisco – Oakland Bay Bridge als Hauptverbindung nach Sausalito im Norden und Berkely und Oakland im Osten. Noch heute könnt ihr hier eine ganze Flotte historischer Schiffe bewundern. Komplettiert wird der Maritime National Historic Park durch das Maritime Museum, das in einem Badehaus von 1939 untergebracht ist. Im Aquatic Park, der sich zwischen Museum und Wasserfront ersteckt, lässt es sich wunderbar abschalten und den vorbeifahrenden Segelschiffen zugucken.

Aquatic Park

Nach eurer kleinen Geschichtstour, schwingt Ihr Euch wieder aufs Rad und fahrt weiter entlang der Küste gen Westen. Nun müsst ihr eine kleine Anhöhe zum Black Point hochstrampeln. Von hier ist der Blick frei auf die ehemalige Militärkaserne Fort Mason, die mehr als 100 Jahre lang eine Stellung der US-Streitkräfte war, und – bei gutem Wetter – die Golden Gate Bridge.

Fort Mason

Stop 3: Chrissy Fields

Chrissy Fields

Am Strand entlang fahrt ihr weiter durch den Marine District und auf die Old Mason Street, die Euch entlang der Chrissy Fields zur Südseite der Brücke führt. Den besten Blick und Fotopunkt auf die Goldene Brücke, die eigentlich rostrot ist, bietet Euch die Torpedo Wharf, die gegenüber des Warming Hut Bookstore & Café in die Bucht ragt. Der Buchladen ist übrigens meine Empfehlung für den Souvenir-Kauf: Hier gibt es eine tolle Auswahl an Büchern und San Francisco-Devotionalien von lokalen Künstlern. Sie sind nicht so plastik-kitschig wie das, was ihr in Fisherman’s Wharf findet.

Torpedo Wharf

Von hier aus wird die Strecke jetzt anstrengender, schließlich liegt die Brücke mit 277 Metern weit über Wasserhöhe. Aber wer einigermaßen sportlich ist – und ich bin das nur in Maßen – wird hier kein Problem haben. Wie entlang der Chrissy Fields, gibt es hier an der gekennzeichneten Radstrecke etliche Aussichtspunkte, die zum Fotos machen einladen.

Golden Gate Bridge

Stop 4: Auf der Golden Gate Bridge

Auf der Golden Gate Bridge

Für viele Radfahrer endet hier die Tour. Ich aber möchte Euch dazu ermutigen, noch 3 Meilen weiter bis nach Sausalito zu fahren. Das pittoreske Hafenstädtchen ist es das nämlich wert:

Stop 5: Sausalito

Sausalito Scoma

Sausalito ist heute eine Künstlerenklave und Rückzugsort betuchterer Amerikaner. Das erste Anzeichen dafür sind bei der Reinfahrt die Filiale des deutschen Edel-Immobilienmaklers Engel & Völkers und das gegenüberliegende, hochpreisige Traditionsfischrestaurant Scoma. Am Bridgeway, der Hauptstraße entlang der Bucht, findet Ihr Designshops, Ateliers und eine Fülle kleiner Cafes, von den viele ausnahmsweise einmal zu keiner Kette gehören.

Politessen sorgen in Sausalito dafür, dass Fahrräder auch ordnungsgemäß geparkt werden. Und zwar auf dem dafür vorgesehenen Fahrrad-Parkplatz neben dem Vina del Mar Park. Kostenpunkt: 3 Dollar. Das Abstellen auf den Bürgersteigen wird mit einer Strafe von bis zu 25 Dollar geahndet. Nicht allzu bekannt zu sein scheint: Lediglich eine Stichstraße weiter finden sich die öffentlichen Toiletten des Örtchens (768 Bridgeway) und dahinter ein kleiner kostenfreier Stellplatz.

Fahrradparkuhr

Da Ihr nun 3 Dollar und im Zweifel sogar 25 gespart habt, solltet ihr Euch belohnen: Etwa mit einem Besuch im Scoma. Das Scoma, das mit seiner hellblauen Holzfassade auf Holzstützen in der Bucht steht, ist in Sausalito so etwas wie eine kleine Institution. Das Fischrestaurant kommt etwas verstaubt daher, die Qualität des Essens und die Aussicht in die Bucht machen das aber wieder wett. Die Hobbs Bacon Shrimps sind sehr zu empfehlen!

Scoma

Wer einen entspannten Ausgang für den Tag vorzieht, der sollte sich einen Platz auf der Fähre von Sausalito zum Ferry Building sichern und das Rad hierlassen. Die Autorin des Beitrags hat sich für den beschwerlichen Rückweg auf dem Fahrrad entschieden und den Drahtesel in der letzten Minute zurückgebracht. Nur um dann schnell auf die historische Straßenbahn zu springen und den Abend entspannt in einer der Bars in San Frans Castro-Viertel ausklingen zu lassen…

Infos zu The Castro und anderen Ausgehvierteln in San Francisco findet Ihr im LGBT-Reiseführer für San Francisco.

Einen Beitrag zu Radfahren in LA findet Ihr hier.

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