Portland, Oregon

Portland eilt sein Ruf voraus: liberal, antikapitalistisch, anders – vor allem gemessen an den gängigen amerikanischen Maßstäben. Keep Portland weird ist das Motto der Stadt am Willamette River und tatsächlich trifft man hier noch Aussteiger auf der Straße, Alt-Hippies, Hipster, jugendliche Kiffer mit dem obligatorischen VW-Bus. Letzterer ist in den Vierteln östlich des Flusses fast schon überpräsent. Ganz so, dass man meinen mag, VW hätte die Produktion des Kultfahrzeugs wiederaufgenommen (In diesen Zeilen schwingt auch ein wenig Neid der Autorin mit, die ebenso gerne Besitzerin besagten Busses wäre).

Portland ist sehr gut zu Fuß erkundbar, zumindest für den lauffreudigen Mitteleuropäer. Eine in Portland beliebte Alternative zum Laufen sind die kleinen Smart Flitzer vom Carsharing-Unternehmen Car2Go: 1 Minute Autofahrt kostet Euch 0,35 Dollar – Versicherung inklusive. Die supermodernen Kleinwagen findet Ihr in der dazugehörigen App via GPS.

Drei meiner Lieblingsviertel der 640.000 Einwohner Stadt – im Großraum sind es rund 2,3 Millionen – grenzen passenderweise alle aneinander und liegen östlich des Willamette Rivers: Hawthorne, Belmont und Division. Westlich empfehle ich Euch besonders einen Besuch im Cultural District und Pearl District.

VW Bully in Portland

Pearl District – Vom Sumpfland zum Szeneviertel

Pearl District Portland

Das Pearl District liegt nördlich von Portland Downtown und westlich des Willamette Rivers. Das einst heruntergekommene Bahnhofsviertel ist heute Standort von Luxusunternehmen, Werbeagenturen und zu Wohnhäusern umgebauten ehemaligen Fabrikhallen. Neben gehobener Gastronomie und etlichen Kunstgalerien mit Werken regionaler Künstler, gibt es hier einige Lieblingsorte, die ich Euch unbedingt ans Herz legen möchte:

Powell’s Books

Powell’s Books (1005 W Burnside St) schimpft sich selbst der größte unabhängige Buchladen der Welt. Hier findet Ihr eine schier nie aufhören wollende Auswahl an seltenen Schätzen und Neuerscheinungen aus aller Welt. Achtung: Zwischen unzähligen Regalen auf verschiedenen Ebenen kann man sich ganz wunderbar verlaufen. Im Erdgeschoss gibt es eine Fülle an Devotionalien zu kaufen, von Tassen über Aufnäher bis zu Radiergummis – allerdings vehement überteuert, deshalb bleibt besser bei den Büchern. Mein Tipp: Wildwood, ein Abenteuerbuch vom lokalen Autor Colin Meloy, das den Leser in die ‚impassable wilderness‘ (zu Deutsch: unwegsame Wildnis) am Rande Portlands entführt.

Fields Park in Portland

The Fields Park

Der Fields Park (1099 NW Overton St) liegt im nordöstlichen Teil des Pearl District. Der Park ist eine recht neu angelegte Grünfläche, die an ein altes Getreidesilo grenzt. Alleine dieser Ausblick gibt einem tatsächlich für einen Moment das Gefühl in ländlicher Einöde zu sein. Toller Platz für ein Picknick!

Tanner Springs Park in Portland

Tanner Springs Park

Der Tanner Springs Park (NW 10th Ave) ist eine Biotopanlage mitten im Pearl District, die sich über die Größe eines Blocks erstreckt. Der Park erinnert daran, dass das Pearl District einst Sumpfgebiet war, das zum Bau eines Güterbahnhofs und zur Ansiedlung von Industrie trockengelegt wurde. Zeugnis davon gibt die Art Wall. Das Kunstobjekt besteht aus beweglichen historischen Schienen, die auf der Innenseite mit Fusionsglasobjekten mit eingeschmolzenen früheren Tier- und Pflanzenarten ausgelegt sind. Im Park gibt es eine Vielzahl an Bänken und Treppen, die zum Hinsetzen und Entspannen einladen. Eine echte Schilfoase inmitten moderner Häuserblocks.

Tanner Springs Park Portland

Belmont District – Keep Portland weird

Belmont District Portland

Das Belmont District hat neben einer Reihe von richtig guten lokalen Brauereien (Tipp: The Commons Brewery, 630 SE Belmont St) einige ungewöhnliche Überbleibsel vergangener Jahrzehnte zu bieten: Das Avalon Theatre, Movie Madness und das Belmont Historic Firehouse.

Das Avalon Theatre in Sunnyside (3451 SE Belmont St) ist das älteste Kino in Portland und berühmt für seine Nickel Arcade. Die Nickel Arcade ist eine Aneinanderreihung von Spielautomaten und Konsolen, deren Anblick die 80er Jahre zurückholt! Filmvorführungen kosten dienstags nicht mehr als 2,25 Dollar – auch wenn die Auswahl der Filme stark begrenzt ist. Hier geht es um den Retro-Aspekt, nicht um perfekte Soundqualität und neueste Kinotechnologien.

Das Belmont Historic Firehouse ist ein kleines Museum an der gegenüberliegenden Straßenseite des Avalon Theatre. Hier gibt es eine ganze Reihe an Artefakten und Maschinen aus der Geschichte der hiesigen Feuerwehr – die Größe und Auslagen erinnern ein bisschen an ein Heimatmuseum auf dem Lande. Liebevoll gemacht und auch ein bisschen kauzig!

Belmont Firehouse Portland

Rund sechs Blocks weiter östlich ist Movie Madness (4320 SE Belmont St), eine Videothek wie Ihr sie in Deutschland so wahrscheinlich nur noch im Ruhrgebiet findet. Allerdings ist Movie Madness mehr als nur ein ordinärer Videoverleih, Movie Madness ist tatsächlich ein kleines Museum: Hinter ordentlichen Glasvitrinen könnt Ihr Originalkostüme und Accessoires aus einigen der größten Hollywoodfilme bewundern, darunter Judy Garlands Kleid aus der Zauberer von Oz und Modelle aus Blade Runner. Ganz großes Kino!

Southeast Division – Das Mekka für Foodies

Ihr seid hungrig und wollt so richtig gut essen? Division lautet die Antwort in Portland. Am südöstlichen Ende der Division Street zwischen gibt es kaum eine kulinarische Spezialität, die es nicht gibt: Indisch im Bollywood Theater (3010 SE Division St), Thai Food im Pok Pok (3226 SE Division St) und dem Ableger Whiskey Soda Lounge, traditionell Amerikanisches im Hedge House (3412 SE Division St) und mehr oder weniger deutsche Küche im OP Wurst (3384 SE Division St), wo Ihr Würste in allen möglichen Variationen findet.

Bollywood theatre Portland

Das Pok Pok ist hier besonders hervorzuheben: Im Holzhaus mit einfachem American Diner Style Dekor und mehreren halboffenen Anbauten, die bei Regen zeltartig mit Planen abgedeckt werden können, serviert der preisgekrönte Koch Andy Ricker authentische Spezialitäten, vornehmlich aus dem Nordosten Thailands. Das Schweinebauch und- schulter-Curry (Kaeng Hang Leh) war eine komplett neue Geschmackserfahrung, ebenso das gegrillte Wildschwein (Muu Paa Kham Waa). Dazu gab es geräucherten Catfish-Salat und einen lauwarmen Auberginen-Salat. Absolut empfehlenswert.

Southeast Division Portland

Portland ist nicht nur für tolle Bars und Restaurants bekannt, sondern auch für seine mobile Food-Szene. Outdoor Eating Spots mit Food Carts –  Imbisswagen – findet ihr über ganz Portland verteilt. Insbesondere entlang Divison Street und der Parallelstraße Clinton Street. Neben klassischen Burgern, Tacos und Sushi, findet Ihr hier auch abgefahrene Kreationen. Etwa von Smaaken Waffles Sandwiches (2880 SE Division St): Das Monte Cristo Sandwich kommt mit Schinken, Schweizer Käse, Erdbeermarmelade und Puderzucker – und schmeckt tatsächlich. Am besten unter Alkoholeinfluss wohlgemerkt.

Flying Cat Cafe Portland

 

Hawthorne District – Vintage Shops und Second Hand

Hawthorne District

Während das Epizentrum des Essens in Portland sicherlich Division Street ist, kann man im Hawthorne District auch verdammt gut speisen. Besonders zur Frühstückszeit und zum Brunch. Eine ausgiebige Stärkung am Morgen ist auch absolut notwendig, bevor Ihr Euch auf die Vielzahl an Vintage Shops und Secondhandläden zwischen SE 20th und SE 37th Avenue stürzt.

Vintage Portland

Meine Frühstücksempfehlung: Jam on Hawthorne. Die Gerichte kommen in riesigen Portionen und auch die alkoholischen Begleitgetränke sind überdimensional groß (Achtung!).  Die Besonderheit: Auf jedem Tisch findet sich ein Glas Marmelade (Jam), die ihr in das bestellte Gericht einbinden könnt. So lecker, dass man gleich mehrmals hingehen kann und sollte!

Empfehlung Nummer 2: Harlow (3632 SE Hawthorne Blvd). Das Harlow ist ein wirklich günstiges, glutenfreies Restaurant mit veganen und vegetarischen Spezialitäten, das weit über die Grenzen Hawthornes bekannt ist. Gleichzeitig auch die erste Empfehlung meiner Freundin Chloe, die hier seit einem Jahr ein ‚Local‘ ist. Und – last but not least – das Lardo. Das Lardo (1212 SE Hawthorne Blvd) ist eine wahre Schweinerei und nichts für fleischfreie Esser. Eine hübsche Auswahl an Burgern und Salaten (mit Fleisch!) plus Biere lokaler Brauereien machen das Angebot perfekt. Mein Tipp: Die frittierten Schweineohren mit Thymian, deren Zubereitungszeit satte 12 Stunden beträgt, sind ein Gedicht!

Harlow Portland

Was Division für Foodies ist, ist der Hawthorne Boulevard für Designliebhaber: In unzähligen Vintage Shops findet Ihr tolle Möbel, Mode, Schmuck und Accessoires aus allen möglichen Jahrzehnten. Die hohe Dichte an Secondhand-Shops wird nur gelegentlich durch Pet Shops und Hundeliebhaberläden unterbrochen. Der Amerikaner liebt seinen Vierbeiner – vor allem in Portland, so scheint es.

Meine Favoriten für gebrauchte Schätze: Vintage Pink (2500 SE Hawthorne Blvd) und Magpie (1960 SE Hawthorne Blvd). In letzterem Laden findet Ihr sehr gut erhaltene Mode zu sehr guten Preisen: Petticoats, 60er Jahre-Kleider, Schuhe und mehr. An jedem Teil hängt eine ausgiebige Hintergrundinfo zur Herkunft der Klamotte – Land, Marke, manchmal eine kleine geschichtliche Einordnung. Absolut liebevoll gemacht.

Cultural District – Geschichte erleben

The Schnitz Portland

Das Cultural District erstreckt sich über Downtown Portland und beherbergt eine Reihe kultureller Anlaufpunkte wie das Portland Art Museum, die Arlene Schnitzler Concert Hall (The Schnitz) und das Oregon Historical Society Museum. Sie liegen entlang der South Park Blocks (SW Park Ave) – ein Park, der sich über zwölf Blocks erstreckt und selbst einige Kunstwerke vorweisen kann: Etwa die eindrucksvolle Statur von Theodore Roosevelt auf einem Pferderücken, die von Alexander Phimister Proctor im Jahre 1922 kreiert wurde. Ein architektonisches Schmuckstück ist auch die gothische First Congregational United Church of Christ, die sich offen mit einer LGBT-Flagge schmückt.

First Congregational United Church of Christ

Unbestrittenes Highlight des Viertels ist wohl das Portland Art Museum: Leider hatte die Autorin des Beitrages zu wenig Zeit und der Besuch fiel etwas kurz aus. Zeit genug jedoch, Van Goghs Oxenwagen (Cart with black ox), das wohl bekannteste Bild des Museums, zu sehen. Besonders interessant – weil so ungewöhnlich für Europäer – sind die Räume mit Kunst der Ureinwohner, aufgeteilt nach verschiedenen Gruppen und Regionen. Tickets kosten 19,99 Dollar (16,99 Dollar für Studenten und Senioren).

Kleiner Tipp: Von Portland bis nach Seattle ist es nur ein Katzensprung. Entdeckt hier 8 alternative Tipps für Seattle.

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