LGBT-Reiseführer Berlin

Berlin blickt auf eine lange Geschichte als LGBT-Hotspot zurück. Bereits in den extravaganten Zwanzigerjahren, das Zeitalter des wahren Kabaretts, zog die Stadt eine vielfältige und internationale Gruppe von LGBT-Individuen an. Viele von ihnen sind in den Berlin Stories von Christopher Isherwood ruhmreich dokumentiert. Trotz der turbulenten globalen Ereignisse des 20. Jahrhunderts hat Berlin sich wieder zu einem der weltweit führenden Hotspots für LGBT-Reisende entfaltet. Dank seiner langen Nächte und seines freundlichen und bunten Mix der Kulturen ist die Stadt heutzutage ein spannendes Reiseziel, voller Überraschungen und reich an Geschichte. Zudem erfahren einige Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten, die insbesondere LGBT-Reisende interessieren, eine Art Wiederbelebung.

Gay Tag auf East Side Gallery Mauer

Insider-Tipps

Als Schauplatz einiger der wichtigsten historischen Momente des 20. Jahrhunderts ist die Geschichte Berlins so umfangreich, dass man ein Leben lang braucht, sie zu ergründen. Hauptsehenswürdigkeiten im Herzen der Stadt wie das Brandenburger Tor, das Holocaust-Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Reichstag sind einfach zu besichtigen und sollten wegen ihrer Bedeutung auf keiner Tour fehlen –  sie können übrigens alle auf einem kurzen Spaziergang miteinander verknüpft werden. Versäume es aber nicht, einige weniger bekannte, jedoch nicht weniger bedeutende (vor allem für LGBT-Besucher) Sehenswürdigkeiten anzuschauen, wie zum Beispiel das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten. Ein besonderes Element des Denkmals ist das Video, das in der großen grauen Stele in Endlosschleife abgespielt wird und Kuss-Szenen eines gleichgeschlechtlichen Paares zeigt. Es ist eines von drei ähnlichen Mahnmalen in Deutschland; die anderen zwei sind in Köln und Frankfurt vorzufinden.

 

Fernsehturm mit KondomUm mehr über die Berliner LGBT-Geschichte zu erfahren, gibt es kaum einen besseren Ort als das Schwule Museum.  Es war eines der ersten Museen der Welt, das sich der Erfassung der LGBT-Geschichte widmete. Das Musuem beherbergt eine Dauerausstellung von LGBT-Kunst sowie besondere Ausstellungen, deren Schwerpunkt auf Persönlichkeiten der LGBT-Szene und historischen Momenten liegt.

 

Das Berliner Stadtgebiet ist großflächig – dies trägt dazu bei, dass es viele unterschiedliche Viertel gibt, die alle ihren eigenen Charakter und ihr eigenes Angebot an Aktivitäten haben. Schöneberg ist das historische LGBT-Viertel Berlins: Bereits seit den Zwanzigerjahren leben hier viele Mitglieder der LGBT-Szene, auch wenn heutzutage die LGBT-Kultur in ganz Berlin anzutreffen ist. In Schöneberg, um den Nollendorfplatz herum, stößt Du auf viele Firmen, Restaurants und Geschäfte von Inhabern aus der LGBT-Gemeinschaft. Hier findet übrigens jeden Sommer das jährliche Lesbisch-schwule Stadtfest statt.

 

Essen, Trinken und Feiern

 

Schöneberg ist und bleibt zwar das Viertel mit langer LGBT-Geschichte, doch die meisten Partys, Cafés und Events mit LGBT-Motto sind inzwischen in den angesagten Hipster-Vierteln Kreuzberg und Neukölln vorzufinden. Die von einer lesbischen Feinschmeckerin betriebene Weinbar Facciola verwöhnt Gäste mit hervorragenden italienischen Gerichten, Snacks und Weinen. Kombiniert mit einer lebhaften Atmosphäre an Wochenenden verbringst Du hier mit Sicherheit tolle Abende. Der Südblock in Kreuzberg ist nicht nur Anlaufstelle für alle, er kann auch alles: LGBT-freundliches Café, Club, veganer Brunch am Wochenende und Indie-Club bei Nacht mit Drag-Shows, besonderen Events und Themenpartys.

 

LGBT Club in BerlinMöbel Olfe am Kotti ist eine von Berlins beliebtesten LGBT-Bars: Donnerstags treffen sich hier vor allem alternativ eingestellte Hipster-Männer, während der Dienstag den Frauen gehört. Den Rest der Woche tummelt sich hier gemischtes Publikum. In der legendären Bar Roses in der Oranienstraße feiert das bunte Publikum die ganze Nacht; die Stimmung des winzigen Lokals, geschmückt mit pinken Plüschwänden – der Höhepunkt an Kitsch – ist bombig.

 

Während es in Schöneberg zwar auch eine Reihe an Fetischclubs gibt, sind Hafen, Heile Welt und Tom’s Bar „zahmere“ Bars, denen Du einen Besuch abstatten solltest: lange Clubnächte, cooles Publikum und der gelegentliche Darkroom im Keller sorgen dabei für den gewünschten Spaß.

 

Das Berliner Nachtleben bietet aber noch mehr als Bars und die Berliner Nachtclubs sind in der Regel das ganze Wochenende über geöffnet. Große Techno-Clubs wie Berghain sind seit ihrer Eröffnung LGBT-Hotspots, aber im letzten Jahrzehnt kamen immer neue Techno-Partys für das LGBT-Publikum hinzu. Halt Ausschau nach der Gegen-Party im KitKatClub, einer zweimal im Monat stattfindenden Queer-Party, wo sich Männer und Frauen, in diverse Lagen an Kleidung gehüllt, zusammenkommen. Cocktail d’Amore gehört zu den neueren Sternen am Partyhimmel des queeren Berliner Nachtlebens; hier beanspruchen überwiegend Männer den Garten an der Griessmühle. Und dann wäre da noch SchwuZ, einer von Berlins alteingesessenen LGBT-Clubs, der Gäste jeder sexuellen Orientierung willkommen heißt. Im SchwuZ finden jedes Wochenende Themenpartys statt, neben den regulären Drag-Shows und Gigs von lokalen und internationalen LGBT-Bands.

Schwuz in Berlin

Tasty Drag-Show

Unterkünfte

Viele der besten Berliner Hotels befinden sich in Mitte, in zentraler Lage, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und dank dieser auch bestens an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins angebunden. Das Circus Hotel am Rosenthaler Platz ist eine Unterkunft ohne viel Schnickschnack, ideal für diejenigen, die auf ihr Budget achten. Die beliebten Läden – einige der besten Shopping-Möglichkeiten Berlins – rund um den Hackeschen Markt sind zu Fuß erreichbar.

 

Hast Du etwas mehr Budget zur Verfügung, bietet das Michelberger Hotel wunderschön gestaltete Zimmer zu einem dennoch erschwinglichen Preis. Im Restaurant genießt Du ausschließlich Produkte aus biologischer Landwirtschaft und wirst gelegentlich von den Klängen der Gigs von reisenden Künstlern überrascht. Und wenn Du schon da bist, probier mal ihr vor Ort gebrautes Bier oder ihr hauseigenes Kokosnusswasser. Die Lobby, mit aus Büchern gefertigten Möbeln und Lampen geziert, ist ein beliebter Treff für Einheimische und Reisende der LGBT-Szene.

 

Das COSMO Hotel Berlin, ebenfalls in Mitte, überzeugt mit seinen stylishen Zimmern mit Balkon, die die ikonenhafte Skyline Berlins (Fernsehturm und Berliner Dom) überblicken. Das Hotel liegt zentral und ist nur wenige Gehminuten von der Museumsinsel entfernt  – die besten Berliner Museen können somit bequem entdeckt werden. Die unvergleichliche Museuminsel gehört bereits seit Jahrzehnten zum UNESCO-Weltkulturerbe und bietet mit Museen wie dem Pergamonmuseum oder dem angrenzenden Deutschen Historischen Museum einzigartige Schätze. Letzteres hat in der Vergangenheit Sonderschauen zum Thema der Homosexualität in Deutschland zur Schau gestellt. In der Nähe befindet sich das Maxim Gorki Theater, ein kleines, unabhängiges Theater, in dem zeitgenössische Stücke aufgeführt werden. Viele haben soziale Thematiken wie Feminismus und LGBT-Rechte zum Thema –  Stücke mit Anspruch, die eine erfrischende Abwechslung bieten.

Unseren LGBT-Reiseführer für Phoenix, Arizona findet Ihr hier.

Zur LGBT-Reisekampagne geht es hier.

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