Blog.Expedia: Sie bieten eine „Designsprechstunde“ an. Was genau ist das?

Jutta Werner: Ich habe gemerkt, dass ich geschmacklich sehr entscheidungsstark bin. Daraus entstand die Idee: ein Kurzprojekt für Leute, die zu Hause etwas verändern wollen. Ein Wohnproblem lösen, das dann auch nicht gleich so viel kostet. Heißt, der Kunde stellt mir eine konkrete Frage, zum Beispiel den Wunsch nach einer neue Wandfarbe.

Blog.Expedia: Wie lösen Sie das Problem?

Jutta Werner: Zu der Frage bekomme ich vorab Fotos und einen Grundriss der Wohnung. Dann kommen die Leute für zwei Stunden in mein Büro – und ich frage sie ganz viel und versuche, den Grund der Veränderung herauszufinden. So ein bisschen wie eine Psychologin (lacht). Sobald sie raus sind, startet mein Motor und ich kombiniere meine Erfahrung mit Dingen, die mich gerade interessieren. Heraus kommt ein Ringbuch mit konkreter Lösung. In dem Fall: welche Wand in welcher Farbe und wo diese zu kaufen ist. Solche Aufgabenstellungen zu knacken, macht mir sehr viel Spaß!

Blog.Expedia: Junge Leute leben oft in winzigen Wohnungen. Ein Geheimtipp, wie man viel bewegen könnte?

Jutta Werner: Die Wunderwaffe lautet, ein Konzept zu haben. Sobald ein Raum einer Idee folgt, wird er schön – auch wenn er sehr voll ist. Trotzdem sollte man bei wenig Lebensraum versuchen, mit so wenig wie möglich klar zu kommen, denn Luft macht frei. Schwierig wird es nämlich dann, wenn sich unterschiedliche Geschmacksphasen aus der Vergangenheit in einem Raum vermischen. Hauptstilmittel sind natürlich auch Farbe und Licht, die viel verändern können, in dem man Akzente setzt. Zum Beispiel Lichtquellen nur an der Wand oder nur am Boden.

Blog.Expedia: Welche Läden in Hamburg würden Sie dann empfehlen?

Jutta Werner: Hamburg teilt sich in zwei Lager: Alteingesessene Design Stores von Leuten, die ein sehr fundiertes Wissen haben und langjährige Erfahrung. Bei Scala Wohnen oder Clic im Stilwerk bekommt man richtige Wohnkonzepte und internationale Marken. Oder Kuball & Kempe mit einem sehr speziellen Mix aus dem eleganten Paris und Deutschland. Und dann gibt’s eine Reihe von jüngeren Läden, darunter Luv oder Minimarkt, die sich mehr auf Accessoires konzentrieren. Die Mischung aus beidem finde ich interessant.

Blog.Expedia: Ein internationaler Tipp für ausgewähltes Design?

Jutta Werner: Ich bin gerade im Amsterdam-Fieber. Droog Design ist ein tolles, holländisches Label und der Design Store The Frozen Fountain ist ebenfalls sehr inspirierend. In Paris sind natürlich Colette, Merci und Spree ein Muss. Ab und zu besuche ich dort den Flohmarkt Porte de Clignancourt, auch wenn ich sonst kein passionierter Flohmarktgänger bin. Was ich nicht vermeiden kann: Sachen vom Sperrmüll retten. Wenn etwas auf der Straße steht, bremse ich. Der weiße Schaukelstuhl in meinem Büro ist so ein Fall.

Blog.Expedia: Privatkunden sind nur ein Teil Ihrer Arbeit. Welche Projekte betreuen Sie noch?

Jutta Werner: Für Firmen mache ich sehr viel Development, das bedeutet, Produkte mitentwickeln und sie in Szene setzen. Das kann ein Showroom, ein Messestand oder ein Brand Book sein, so wie ich es gerade für ein indisches Unternehmen als Art Direktorin mache. Eine Firma ganzheitlich zu betreuen, macht am meisten Spaß. Für DEDON habe ich nicht nur die Textil-Kollektion mitentwickelt, sondern auch gerade das Fotoshooting auf Ibiza für den neuen Katalog begleitet.

Blog.Expedia: Sie sind also häufig unterwegs. Ihre liebsten Design-Hotels?

Jutta Werner: In Amsterdam kann ich als Design-Fan zwei wirklich tolle Boutiquehotels empfehlen: das College Hotel und Andaz, das Neue des niederländischen Designers Marcel Wanders. In Paris ist es das Mama Shelter, das von Philippe Starck gestaltet wurde. Dort fühlt man sich wie zu Hause, denn in der Lobby ist immer etwas los – also auch perfekt, wenn man allein reist. Toll und preisgünstig sind die 25hours Themen-Hotels, zum Beispiel in Zürich oder das im Hamburger Hafen.

Blog.Expedia: Welche Wohn-Trends können wir erwarten?

Jutta Werner: Ich bin kein großer Freund von Trends, denn ein Trend ist immer auch ein Lebensgefühl. Das hat mit sozialem Miteinander und wirtschaftlichen Situationen zu tun. Läuft es nicht so gut, fangen Leute an, es sich zu Hause gemütlich zu machen. In guten wirtschaftlichen Situationen ist das Design häufiger etwas aggressiver und profilierter. Für den Herbst habe ich jedoch gemerkt, dass Holz und Farbe wieder angesagt sind. Der große Trend momentan ist ein Mix aus skandinavischem, purem Wohnen mit individuellen, sehr farbigen i-Tüpfelchen in Form von gemütlichen Textilprodukten. Mein persönlicher Farbtrend ist übrigens gerade Cognac.

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