Wie muss man sich den Beruf als künstlerischer Leiter einer Pyronale vorstellen?

Gerhard Kämpfe: Ich bin u.a. dafür verantwortlich, die Teams für die Pyronale auszusuchen. Das ist nicht ganz einfach, denn es bewerben sich bis zu 70 Pyrotechniker aus der ganzen Welt, aber nur sechs dürfen teilnehmen. Nur derjenige kommt bei mir in die engere Auswahl, der im Jahr zuvor spektakuläre Inszenierungen abgeliefert hat. Dazu produziere ich noch die Musik, zu der die Teams eine Feuerwerk-Show entwerfen müssen. Diese muss der Pyro-Designer in Farben umsetzen und wie ein Choreograph zum richtigen Timing technisch umsetzen.

 

Wie sind Sie dazu gekommen?

Gerhard Kämpfe: Auf der Eröffnungsfeier des Classik Open Airs auf dem Berliner Gendarmenmarkt, habe ich mich in Feuerwerk verliebt. Und als der damalige Geschäftsführer des Berliner Olympiastadions mich und meinen Partner Mario Hempel gefragt hat, was man in diesem riesigen Stadion noch alles veranstalten könnte, habe ich ihm ein Feuerwerksfestival vorgeschlagen. Somit war die Idee 2006 geboren.

Hat sich das Feuerwerk seither weiterentwickelt?

Gerhard Kämpfe: Heute geht es nicht mehr nur darum, dass es besonders laut sein muss. Es gibt immer wieder neue Formen und technische Zündpulttechniken. Zum Beispiel verhallt das Feuerwerk langsam am Himmel, wenn die Musik leiser wird. Das sieht dann so aus, als ob kleine Vögel davonfliegen und am Ende leicht verglühen.

Pyronale 1

Wie fühlt sich Feuerwerk an?

Gerhard Kämpfe: Besucher sagen häufig, dass ihnen Tränen in den Augen standen. Selbst Männer geben das zu. Mir selbst geht es ja genauso. Pyrotechnik ist eben sehr emotional.

Jährlich treten andere Länder auf der Pyronale gegeneinander an – wie unterscheiden sie sich?

Gerhard Kämpfe: Bei den Spaniern und den Finnen ist es sehr akzentuiert, da kommt es nicht so auf die Größe an. Die Europäer arbeiten differenzierter, mal romantisch sanft, mal rockig. Bei den Asiaten muss es oftmals laut und besonders viel Feuerwerk sein.

Pyronale 2

Wo gibt es die schönsten Feuerwerke an Silvester?
Gerhard Kämpfe: Am Brandenburger Tor gibt es ein sehr schönes Feuerwerk. Auch das in Sydney auf der Sydney Harbour Bridge am Hafen kann ich empfehlen. Ich erinnere mich auch an ein traumhaftes Feuerwerk in Montreal, genauso wie in Cannes. Auch die Spanier lieben Feuerwerk, daher sollte man sich das in San Sebastian unbedingt anschauen.

Silvester ohne Feuerwerk, können Sie sich das vorstellen?

Gerhard Kämpfe: Ich muss zugeben, dass ich selbst feuere. Es gibt Batterien mit 20 verschiedenen Effekten. Da muss man nicht ständig hin und her rennen. Auch Feuerregen, Römertöpfe und Fontänen sind sehr schön. Ein Feuerwerk sollte dabei immer gefühlt länger dauern, als es ist.

Kommentare

  • Guy FromBenelux

    Wow…sau geil geschrieben….

    13/11/2013 at 12:25 pm
  • Babbsel

    Absoluter Stuss,ich kann mit ruhigen Gewissen sagen, dass ich noch keine Geld dafür in 55 Jahren ausgegeben habe und es auch nicht tun werde. Es ist aber trotzdem immer faszinierend an zu sehen.
    Ein totales Verbot von privatem Feuerwerk wäre anzustreben, wenn zu öffentlichen Anlässen das staatlich geregelt wird, siehe Sidney und andere Städte.
    Babbsel

    07/11/2013 at 2:33 pm
  • Der Blogger König

    London ist aber auch ein absolutes Muss was das Feuerwerk an Neujahr angeht!

    04/11/2013 at 12:39 pm

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht