Mit dem Campervan unterwegs beim Work und Travel Aufenthalt

Work and Travel?  Klar, das ist Arbeiten auf der Tierauffangstation im kargen Outback Australiens, dann Surfen in Byron Bay, Schafe scheren auf der Farm in Neuseeland oder das Barista-Handwerk im Coffee Shop in Vancouver erlernen!

Seit mehr als 10 Jahren sind Programme, die das Reisen und Arbeiten im Ausland miteinander verbinden, in Deutschland ein Begriff. Fragt man im Bekanntenkreis, decken sich die Vorstellungen vom reisenden Arbeiter, der vor allem Abenteurer ist. Und so schön die klassischen Work and Travel-Ziele Australien, Neuseeland oder Kanada auch sind, das Spektrum der Möglichkeiten im Ausland Urlaub und Arbeit zu verknüpfen ist heute wesentlich größer: Mittlerweile könnt ihr auf allen 5 Kontinenten einen Work and Travel-Aufenthalt verbringen. Wir haben mit Jane Jordan, Redaktionsleiterin & Pressebeauftragte der Initiative Auslandszeit, über die verschiedenen Möglichkeiten von Work and Travel gesprochen!

Cape le Grand Nationalpark

Frau Jordan, wann machen die meisten Menschen ihre Work & Travel-Erfahrung?

Die meisten gehen ganz klar in der Orientierungsphase nach dem Abitur, andere nach dem Studium und einige sogar für einen Zeitraum von 1 bis 3 Monaten in den Semesterferien. Wer die Semesterferien sinnvoll nutzen möchte, kann zum Beispiel im Rahmen von Working Holidays ein Auslandspraktikum machen, das man sich oft auch an der Uni anrechnen kann. In einer Umfrage auf unserem Fachportal nach-dem-abitur.de gaben knapp ein Viertel an, nach dem Abitur ins Ausland gehen zu wollen. Wiederum ein Viertel möchten Work andTravel machen und für viele wird es dann spätestens eine gute Option, wenn es Wartesemester beim Wunschstudium zu überbrücken gilt.

Beliebte Klassiker unter den Work and Travel-Zielen scheinen weiterhin Australien und Neuseeland zu sein? Welche Ziele haben interessierte Abenteurer vielleicht weniger auf dem Schirm?

In der Tat ist Work and Travel in Australien und Neuseeland weiterhin an der Spitze der Beliebtheitsskala, auch Kanada liegt weit vorne. Diese Länder sind sicher und einfach in der Eingewöhnung: Die Kultur ist westlich und unterscheidet sich nicht wesentlich von unserer, die Infrastruktur ist sehr gut und nach spätestens 2 Wochen haben sich die meisten bereits ans Englisch sprechen gewöhnt. Auch die Löhne sind sehr gut. Viele arbeiten in Australien in der Gastronomie, wo der Mindestlohn bei mindestens 15-16 Dollar liegt, oftmals sogar bei 17,50. In diesen Ländern gibt es außerdem viele Jobangebote – man ist auf die Work&Traveller eingestellt. In der Regel suchen sich die meisten Work and Traveller zu Beginn ihres Abenteuers lukrative Jobs um im Anschluss vom verdienten Geld möglichst viel Reisen zu können.

Alternative Ziele mit einer ganz anderen Ausrichtung sind da Japan, Chile oder Israel. Ganz neu dabei ist jetzt auch Argentinien, wobei diese Destination noch nicht stark nachgefragt wird.

Diese Ziele klingen um einiges exotischer und mit Englisch komme ich im Zweifel auch nicht allzu weit..

Genau, da wird der Fokus auf das Sprachliche natürlich ungleich größer und wichtiger. In Japan etwa wird meist mit einem einmonatigen Intensivsprachkurs gestartet und der Aufenthalt ist insgesamt durchorganisierter. Damit die grundlegende Verständigung funktioniert. Viele der Work&Traveller haben bereits eine Affinität zum Land und studieren zum Beispiel Japanologie oder haben schon früher Sprachkurse belegt. Die Stellenauswahl ist nicht so groß, oftmals übernehmen Work&Traveller Aushilfsjobs oder arbeiten in Cafes und viele sprechen dann doch auch Englisch – weil sie als Englischlehrer eingesetzt werden!

In Israel liegt der Fokus eher auf Praktika im landwirtschaftlichen Bereich und Farmarbeit. Ebenso in Chile – dort wird die Arbeit oft nicht oder nur sehr gering vergütet. Die Arbeitslosenquote in Chile ist sehr hoch, da sollen die Work&Traveller nicht zu Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt werden.

Für Volunteer Work – also die Freiwilligenarbeit im Ausland – ist Südafrika das Top-Land für Volunteering in Sozialprojekten. Es ist vergleichsweise sicher, wenn man an andere afrikanische Länder denkt.

Jane Jordan von der Alternative Auslandzeit berichtet ueber Work & Travel
Jane Jordan Foto: Initiative Auslandszeit

Welche Voraussetzungen muss ich überhaupt mitbringen, wenn ich mit Work and Travel ins Ausland gehen will?

Für Work&Travel Visa gibt es zum einen eine Altersbeschränkung, die je nach Land variiert. In der Regel liegt die Grenze bei 30 Jahren, in Kanada liegt sie bei 35. Australien plant jetzt auch, die Altersgrenze nach oben auf 35 zu verschieben.

Darüber hinaus muss man finanzielle Rücklagen vorweisen, die das Rückreisen in das Heimatland jederzeit erlaubt. Auch hier variiert die Höhe: In Kanada etwa liegt das finanzielle Polster bei 2500 kanadischen Dollar (1800 Euro), in Australien sind es mit 5000 australischen Dollar (3500 Euro) fast doppelt so viel. In Chile oder Japan etwa sind keine konkreten Summen festgelegt. Manchmal reicht es auch aus, wenn man vor Antritt des Visums ein bereits das Rückflugticket vorweisen kann. Das machen recht viele – sie buchen ein flexibles Ticket, das man im Zweifel einfach umbuchen kann.

Und natürlich gibt es auch charakterliche Voraussetzungen, die man mitbringen sollte: Soft Skills wie Flexibilität, Offenheit, Toleranz und Belastbarkeit.

Gibt es unbegrenzt viele Work and Travel Visa?

Einige Länder haben ein begrenztes Kontingent: Das sind Hongkong, Singapur und Kanada. Kanada ist so beliebt, dass es mittlerweile ein Losverfahren gibt – ein bisschen so wie bei der amerikanischen Green Card. 2016 gab es 5200 Visa, der Prozess dauert insgesamt gut ein halbes Jahr. Wer schneller Planungssicherheit haben möchte oder muss, dem raten wir auf Australien oder Neuseeland umzuschwenken. Aber grundsätzlich ermutigen wir natürlich jeden, der unbedingt nach Kanada möchte, auch mitzumachen. Im Laufe des Jahres werden auch immer wieder Plätze frei, weil am Ende doch immer einige wieder abspringen.

Kann ich unbegrenzt lange für einen Arbeitgeber arbeiten?

In Australien darf man mittlerweile 12 Monate am Stück für den gleichen Arbeitgeber tätig sein. In vielen anderen Ländern ist die Dauer beschränkt (siehe Tabelle unten). Australien bietet allerdings auch als einziges Land die Möglichkeit sein Work&Travel Visum um ein weiteres Jahr zu verlängern – gesetzt den Fall der Work&Traveller leistet 3 Monate Farmarbeit am Stück. Die Verlängerung muss man auch nicht gleich im Anschluss in Anspruch nehmen, sondern kann das erst später machen – bevor man die Altergrenze von 30, bald 35, erreicht hat natürlich.

Erntehelfer und Work und Traveller bei der Arbeit

Und zum Beispiel zwischenzeitig in einem anderen Land Work&Travel machen?

Genau – Work& Travel in verschiedenen Ländern lässt sich auch kombinieren! Manche machen eine regelrechte Work&Travel-Weltreise. Allerdings lassen sich alle Visa, bis auf die Verlängerungsmöglichkeit in Australien, nur einmal in Leben beantragen.

Wobei 5 Jahre Farmarbeit für das spätere Arbeitsleben vielleicht auch nicht so sinnvoll sind..außer man will selbst in der Landwirtschaft arbeiten.

Man kann ja auch sehr fachbezogen in qualifizierten Jobs arbeiten. Das machen zum Beispiel viele, die erst nach dem Studium im Ausland arbeiten und Urlaub machen. Eine Freundin von mir hat ein halbes Jahr in der Tourismusbranche in Australien gearbeitet und hatte vorab bereits eine fachbezogene Ausbildung absolviert– ihrem Lebenslauf hat das alles andere als geschadet. Sie kennt das Land und seine Eigenheiten und ihre Englisch-Kenntnisse sind jetzt natürlich sehr gut. Die Erfahrungen aus Australien kann sie heute super im Job einbringen und hat sogar einige spannende Geschäftskontakte vor Ort geknüpft.

Alle Bilder sowie die unten stehende Grafik wurden von der Initiative Auslandszeit zur Verfügung gestellt.

 

Tabelle Länder Work & Travel

 

 

 

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