Brixton

London, du architektonische Schönheit. London, du Kulturhochburg mit all deinen Musicals, Theaterstücken und Museen. London, du Schmelztiegel. Letzteres lässt sich besonders gut in Londons Gefilden südlich der Themse nachvollziehen: Jamaikanische Einflüsse in Brixton, Klein-Portugal in Stockwell, afrikanisches Flair in Peckham und internationale Studenten der University of the Arts in Camberwell und der Goldsmith University in New Cross prägen das Gesicht des Südens. Was man hier immernoch sehr wenig antrifft sind Touristen. Und solange dies noch der Fall ist, sollte man den gewachsenen Stadtteilen in Londons Süden unbedingt einen Besuch abstatten.

Brixton Village London

Ähnlich wie in Kreuzberg in Berlin lässt sich zwischen Brixton und New Cross die Gentrifizierung wohl leider nicht aufhalten, allerdings schreitet sie doch so langsam voran, dass sich die Stadtteile viel ihrer Ursprünglichkeit erhalten haben: Neben Hipster-Cafés existieren weiterhin Chicken Shops (hier gibt es frittiertes Hähnchen – am besten schmeckt ’s bei Morleys), Metzgereien, in denen ganze Tiere im Fenster hängen, und Geschäfte mit Afro-Bedarf, Perücken und Co. Ebenso Kirchen aller möglicher Glaubenrichtungen, die von außen oftmals gar nicht aussehen wie Gotteshäuser. Eine bunte Mischung, die sich lohnt erkundet zu werden!

Kunst und Kultur in Londons Süden

London hat die viele der tollsten Museen und Ausstellungen der Welt, von denen fast jeder schon einmal gehört hat. Das Tate Modern, das Tate Britain, das British Museum oder die Portrait Gallery. Wer die bereits kennt oder einfach weniger Zeit aufweden möchte, der sollte unbedingt folgende Orte erkunden:

South London Gallery

Die South London Gallery liegt an der Peckham Road zwischen Peckham und Camberwell und ist eng verbunden mit dem Camberwell College of Arts, seines Zeichens ein College der University of the Arts  London (UAL). Das College existiert bereits seit 1898 und spezialisiert sich auf Bildende Kunst und Design. Zu den Künstlern, deren Werke in der South London Gallery gezeigt wurden, gehören unter anderem Anselm Kiefer, Damien Hirst und Matt Collishaw.

South London Gallery

Die Galerie ist sehr übersichtlich und erstreckt sich über drei Etagen. In einer bis anderthalb Stunden lässt sich die Ausstellung wunderbar erschließen – je nachdem, wie lange Ihr anschließend noch im Museumsladen stöbern wollt.

Bis einschließlich 3. Dezember 2017 könnt ihr hier die Ausstellung This drove my mother up the wall der Berliner Künstlerin Katharina Grosse sehen. Das zentrale Stück bildet der Hauptraum im Erdgeschoss – ein beeindruckendes Kunstwerk, am Ort produziert. Der Eintritt ist frei.

Black Cultural Archives

Die Geschichte Brixtons ist stark mit der jamaikanischer und afrikanischer Einwanderer verquickt. Da verwundert es nicht, dass sich in dem unkonventionellen Stadtteil im Südwesten Londons die Black Cultural Archives angesiedelt haben. Das Archiv am Windrush Square gibt Einblick in das Leben der Einwanderer afrikanischer und jamaikanischer Herkunft in Großbritannien und verfügt über Zeitzeugenberichte und Sammlungen zu diversen Themenbereichen wie Black Women’s Movement, Afrikanische Kunst, Versklavung und Rastafari. Im Erdgeschoss gibt es wechselnde Ausstellungen, die neue und außerordentlich interessante Einblicke in die Historie Schwarzer in Großbritannien geben. Die aktuelle Ausstellung Black Sound – Die Reise schwarzer britischer Musik bis zur kreativen Unabhängigkeit ist noch bis März 2018 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Black Cultural Archives

Newport Street Gallery

Eröffnet 2015 in umgebauten ehemaligen Werkstätten, in denen einst Kulissen für Theaterstücke gefertigt wurden, beheimatet die Newport Street Gallery die private Kunstsammlung des britischen Künstlers Damien Hirst, der vor allem durch seine Totenkopfmotive bekannt ist. Kitsch mögen manche meinen. Allerdings sind die Werke, die die Besucher an der Newport Street zu sehen bekommen, eben keine Hirsts: Stattdessen gab es unter anderem Ausstellungen des britischen Malers John Hoyland, des Installationskünstlers Gavin Turk und des Amerikaners Jeff Koons, der mit seinen überdimensionalen Ballonhund-Objekten wohl der bekannteste der Riege ist. Allerdings ist in der Newport Street Gallery nicht nur die Kunst der Star, sondern auch das Gebäude. Von außen wie von innen: hell, sauber, ein Zusammenspiel aus Weiß und Naturholz ist vor allem die Treppe ein Hingucker, der etwas dem Inneren einer Muschel ähnelt. Tipp: In der ersten Etage des Museums befindet sich die Pharmacy2 – ein Café-Restaurant, das einer futuristischen  Apotheke nachempfunden ist. Ein Kunstwerk an sich.

Noch bis zum 21. Januar 2018 könnt Ihr hier die Ausstellung des amerikanischen Künstlers Dan Colen besuchen.

Bussey Building & Peckham Multi-Storey Car Park

In Peckham gibt es gleich zwei Kreativzentren: Das Bussey Building, das Studios diverser lokaler Künstler geherbergt, und den Multi-Storey Car Park oberhalb des Peckhamplex Kinos, eines der günstigsten Independent-Kinos in London. Die Studios im Bussey Building (133 Rye Lane) sind offen für Besucher, hier könnt Ihr Künstern beim Töpfern oder Bildhauen zugucken, eine Yoga-Stunde besuchen oder im Rye Wax das Angebot an Platten und Comics durchstöbern.

Bussey Building

Im Multi-Storey Car Park (Cerise Road) ist das Kreativunternehmen Bold Tendencies aktiv, die Ausstellungen und Performances lokaler Künstler auf die Beine stellen, Kunstaktionen für Kinder anbieten oder zu Events des Multi-Storey Orchestras einladen. Und das alles zwischen Etage 7 und 10 des ehemaligen Parkhauses. Eine wahre Perle an Gastronomie befindet sich auf dem Dach des Hauses: Zwischen Mai und September öffnet hier Frank’s Café. Bei Pimm’s und untergehender Sonne lässt sich hier der Ausblick auf das Zentrum Londons genießen – Shard, Guerkin und London Eye inklusive. Ganz großes Kino.

Murals

Murals sind Wandgemälde, die, anders als Graffiti, oft an Persönlichkeiten erinnern. Das wohl bekannteste in London findet Ihr in Brixton und es ging am 11. Januar 2016 um die Welt: Brixton ist der Geburtsort David Bowies. Nach Bekanntwerden seines Todes gab hier eine spontane Party, die Zehntausende anlockte und den Verkehr lahmlegte. Zentrum der Trauer war das 2013 vom Australier James Cochran kreierte Wandgemälde, das Ihr in der Tunstall Road gegenüber der Tube Station Brixton findet.

Carrie Fisher Mural

Star Wars Fan? Dann solltet Ihr nicht das Carrie Fisher Mural von The Artful Dodger In Peckham verpassen. Der Künstler selbst ist großer Fan und Bewunderer der Schauspielerin. Grund genug, das Wandbild nur Tage später nach Carries Tod zu kreieren. Das Carrie Fisher Mural findet Ihr an der Peckham Road, zwischen Peckham Rye Lane und der South London Gallery.

Essen und Trinken südlich der Themse

In London kann man fast überall richtig gut essen. Das bringt eine 8,5 Millionenstadt in einem Land mit einer langen Historie an Kolonialisierung und vielen neugezogenen Kontinentaleuropäern so mit sich. Der Unterschied zwischen Zentral- oder West-London und dem Süden besteht vor allem in zwei Punkten: Die Restaurants und Bars sind meistens weniger herausgeputzt und edel. Gleichzeitig sind sie meistens aber auch um einiges günstiger.

Von New Cross im Osten bis Brixton im Westen möchte ich Euch folgende Orte an Herz legen:

Brixton Village

Wer im Süden von London die multikulturelle Vielfalt der Stadtteile schmecken möchte, der sollte unbedingt im Brixton Village vorbeischauen. Das Brixton Village erstreckt sich in den Arkaden unterhalb der Bahnlinie und ist von der Tube Station Brixton innerhalb von 3 Minuten zu Fuß zu erreichen. Hier gibt es eine großartige Auswahl an Restaurants und Buden sowie kleine Galerien und Shops mit afrikanischer Mode, Kunst, Haushaltswaren und Frischfischverkauf.

Brixton Village

Geheimtipp Camberwell

Camberwell ist genau so ein Stadtteil, den der gemeine Engländer gerne ‚up and coming‘ schimpft. Eingebettet zwischen dem bekannteren und weit größeren Brixton und dem einstmals durch Straßengangs bekannte Peckham. Das Love Walk Café an Denmark Hill (81 Denmarl Hill) nutzt ein Zitat des Dichters Robert Browning, geboren In Camberwell und gestorben 1891 in Venedig, zum Stadtteil-Marketing:

Zitat von Robert Browning

Neben großartigem Frühstück, uriger Atmosphäre, günstigem Kaffee  und frisch gepressten Säften im Love Walk Café, gibt es in Camberwell eine ganze Reihe sehr guter Restaurants. Silk Road (49 Camberwell Church Street) eilt schon seit einigen Jahren sein hervoragender Ruf voraus, angepriesen von Kritikern überregionaler Zeitungen wie The Guardian als exzellenter ‚cheap eat‘. Silk Road ist ein chinesisches Restaurant, gleicht aber so gar nicht dem ‚Chinesen‘ wie man ihn aus deutschsprachigen Gefilden kennen mag. Im Silk Road werden Spezialiäten aus der Region um Xinjiang serviert, die mit viel Chilli und Knoblauch aufwarten und auf übertünchende Soßen weitestgehend verzichten. Mein Favorit, der sicher nichts für jeden ist: Tribe, auf deutsch Pansen, der hier mit Paprika-Gemüse, Zwiebeln und ordentlich Schärfe serviert wird.

Für den kleineren Hunger empfehle ich einen Besuch im Maloko. Die dort aufgetischten Crepes und herzhaften Galettes (Buchweizenpfannkuchen) sind alle vegetarisch oder vegan und außerordenlich frisch. Alkohol gibt es keinen, aber man darf ihn für einen Korkenpfand selbst mitbringen.

Das Bussey Building und Persepolis

Das Bussey Building ist nicht nur Künstlertreffpunkt, sondern beherbergt auch eine Reihe an kleinen Cafés, Essenswagen und ständigen Restaurants. Das Rye Wax ist eine ganz besonders interessante Mischung: Im Keller des CLF Art Cafés im Bussey Building bietet Rye Wax Vinyl & Comics zum Verkauf, ein Café und eine Bar sowie Essen und Musik. Die Küche wird von JD unterhalten, der warme Baguettes, Platten und Tapas anbietet. Dazu gibt’s Cocktails. Am besten schmecken die zwischen 18 und 20 Uhr. In der Happy Hour gibt es 2 für 10 Pfund.

Persepolis Peckham

Das Persepolis –  ein Eckladen und Café an der Peckham Road zwischen Rye Lane und dem Best Western Peckham – bietet ein umfangreiches Angebot an persischen Produkten inklusive einer Theke mit frischem Baklava und herzhaften vegetarischen und veganen Wraps zum mitnehmen. Wer mehr Hunger mitbringt, sollte sich Zeit für einen Tee und die Mezze Platte vor Ort nehmen.

Bars und Clubs

In Brixton gibt es etliche Clubs, Bars und Tanzlokale: Das Effra Social – ein Pub an der Effra Road mit Tanzfläche, die zu später Stunde Clubatmosphäre in den Keller zaubert – hat sich seit den 60er Jahren praktisch nicht verändert. Das Effra Social war bis 2012 Treffpunkt des lokalen Conservative Clubs, zu dem lediglich Mitglieder Zutritt hatten. Heute tanzen Londoner Hipster vor Lametta-behangener Bühne und das hinten liegende Restaurant wartet mit fast schon sozialistischer Atmosphäre auf. Eine Seltenheit, weil nicht nachträglich auf retro gemacht, sondern tatsächlich retro.

Einige Häuser weiter liegt das Hootananny – in Brixton eine Institution. Der Pub mit Pooltischen ist vor allem Treffpunkt der jamaikanischen Community. Mittwoch bis Sonntag gibt es hier auf großer Bühne Live-Musik, die ihresgleichen sucht. Von Balkan Beats, Jazz, Funk, Blues, Soul, Dub und Rap bis zu Jamaican Reggae. Ach, und ein Hostel gibt es auch im Haus.

Peckham Springs & Bar Story

In den Arkaden unterhalb der Peckham Rye Station liegen das Peckham Springs und gegenüber das Bar Story, wo es tolle Cocktails für wenig Geld gibt. Im Sommer lässt es hier wunderbar zwischen benachbarten Autowerkstätten und Foodstalls mit Blick auf den Bahnhof im Hinterhof feiern. Fast wie in Berlin.

Peckham Rye Station

Montague Arms & Amersham Arms

Zwischen den Stationen Queen Road Peckham und New Cross gibt es zwei studentische Pubs, die Ihr besuchen solltet: Das Montague Arms zur Party am Wochenende und das Amersham Arms für eine Comedy-Vorführung oder ein DJ Set Eurer liebsten Indie-Bands: Carl Barat, Tim Burgess, Alt-J und the Vaccines haben alle schon dort aufgelegt.

Übernachten

Solltet Ihr Euch dazu entscheiden, Londons Süden zu erkunden, dann könnt Ihr am besten auch gleich in der Gegend unterkommen. Die ehemalige Peckham Lodge an der Peckham Road ist mittlerweile ein Best Western. Und das Best Western London Peckham liegt tatsächlich in bester Lage: Fußläufig sind es 7 Minuten bis zu Peckhams Haupteinkaufsstraße Rye Lane und  5 Minuten bis zur South London Gallery. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind es von der Station Peckham Rye bis London Bridge in die City rund 30 Minuten.

Best Western Peckham

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