Auf der nordholländischen Watteninsel Texel könnte man eigentlich – wie in den ganzen Niederlanden –  von Strand zu Strand und von Ost nach West sehen – so flach ist die Insel. Wäre da nicht leider der einzige „Berg“ der Insel dazwischen: Er nennt sich großspurig auch gleich der „Hoge Berg“ und platzt fast vor Stolz über seine 15 Meter über dem Meeresspiegel. Dennoch sollte man sich über ihn nicht lustig machen und ihn am besten per Fahrrad erklimmen. Denn der hohe Berg ist ein Überbleibsel aus der Eiszeit, schon aufgrund seiner Abstammung aus unserer Urzeit ist er spannend zu, äh, besteigen… Allein dabei ist man aber nicht, denn Schafe, Rinder und Ziegen bevölkern Texel höchst pittoresk.

Das Texel-Schaf, genauso berühmt wie die ganze Insel.
Die Hütehunde haben die Schafe voll unter Kontrolle.

Noch mehr Superlativen gefällig? Texel hat zeitweise mehr Schafe als Menschen – außer natürlich in der touristischen Hochsaison. Aber im Frühling bekommen bis zu 14.000 Mutterschafe innerhalb weniger Wochen ihren Lämmernachwuchs: Da gib´s Arbeit für die Schafbauern, denn die Texel Schafmütter können ihre kleinen nicht so recht ohne Hilfe auf die Welt bringen. Wenn die Bauern dann nicht gerade Tag und Nacht Schichtdienst für ihre Nachwuchsschafe leisten, dann kann man sie besuchen und mit den Lämmern ein wenig knuddeln. Ganz offiziell kann man das tun bei Lennart und seiner Familie auf der Schapenboerderj Texel bei Den Burg. Womit ich gleich bei einem meiner tierischen Höhepunkte auf Texel wäre: Die australischen Kelpies und Bauer Lennart zeigen, wie hier der Hase läuft und danach darf man nach Herzenslust mit den neugeborenen Lämmern schmusen.

Schafe streicheln – das ist Texel im Frühling.
Nationalpark mit Leuchtturm im Norden der Insel
Glückliche Hunde auf Texel.

Tierisch auch die Hundefreundlichkeit auf Texel: Wer hierher ohne Hundebegleitung reist, ist wahrlich selbst schuld. Noch nirgends auf der Welt wurden wir Hundebesitzer offiziell so begrüßt: „Ihr Hund darf überall hin, wo Sie auch hin dürfen – Leinenpflicht herrscht auf Texel nicht.“ Natürlich heißt es Rücksicht auf Schafe, Lämmer, Hasen, Fasane, Rinder und anderes Getier auf den reichlich bevölkerten Feldern nehmen, aber das ist ja wohl klar. Wenn wir uns da nicht willkommen fühlen!
Womit wir gleich bei der nächsten Superlative Texels wären: Die Strände. Nur in Ausnahmefällen herrscht an manchen Strandabschnitten Hundeverbot und diese entspannte Ansicht dürfte sich auf die Besucher-Hunde übertragen haben: Kein Gebelle, keine Hundekämpfe – nur viel Platz für alle und zum Spielen – auf den Stränden rund um den Leuchtturm im Norden der Insel. Der ist natürlich auch ein Muss – der Vierbeiner muss hier mal ausnahmsweise unten bleiben – aber das ist hier am Strand mit dieser Aussicht auf die Dünen und die Nordsee wahrlich keine Strafe, will ich meinen. Das Naturschutzgebiet rund um De Slufter ist aufgrund seines traumhaft weißen Strands besonders beliebt.

Der Blick vom Leuchtturm aus – Strand, soweit das Auge reicht.
Vom Strandpavillon aus hat man den besten Blick auf den Kitesurfer.

Auf Texel werden die „Geheimplätze“ je nach Strandabschnitt weitergeflüstert. 30 Kilometer feinsten weißen Sandstrands hat Texel zu bieten – die Strandabschnitte werden „Paal“ genannt und die Insider wissen genau, an welchem Paal es sich am besten mit dem Hund laufen lässt, wo der tollste Strandpavillon zum Schmausen steht und wo das romantischste Strandhäuschen in den Dünen vermietet wird.

Die begehrten Strandhäuschen.

Natürlich ist auch die Kulinarik auf Texel wichtig: Zum Aufwärmen gibt´s heiße Schokolade mit viel Schlag oder einen frischen Minztee – denn der Wind ist allgegenwärtig. Auf´s Brot kommen gebackene Gemüseröllchen oder aber wir knabbern uns durch den gebackenen Fisch namens Kibbeling mit Fritten und reichlich Erdnuss-Sauce und Mayo (nennt sich „friet oorlog“ – Pommes „Krieg“) nebst einem hierselbst gebrauten Texel-Bierchen. Den Schnaps danach nennt man Juttertje Kruidenbitter. Diese ganzen Kulinarik Highlights genießt der Texel-Wiederkehrer übrigens teilweise bereits auf der Fähre, spätestens dann aber sofort nach Ankunft in Oudeschild beim Oude Vismarkt – selbstredend. Da gibt es keinen Grund, es den erfahrenen Texel-Urlaubern nicht gleich zu tun, oder?

Überhaupt sollte man sich durch alle hausgemachten Spezialitäten Texels auf den Bauernhöfen durchkosten: Das Lammfleisch, das knusprige Texelbrot, der vorort fabrizierte Käse von Schaf, Ziege oder Kuh, die Schokolade, der Gin (!) und das Eis vom Bauernhof: Jede einzelne Station ist auf Texel ein Highlight für sich und das Beste daran: Alles ist einfach und komfortabel mit Rad zu erreichen. Mit oder ohne Motor, als MTB oder mit Hundeanhänger – auf Texel braucht man nur zu radeln und zu schauen – alles andere findet sich von selbst. Ganz sicher.

Ohne Deiche – keine Niederlanden – kein Texel. Dafür ein perfekter Radweg.
Hollands Mühlen. Immer noch in Betrieb.

Jeder der wenigen kleinen Orte wie De Koog, De Waal oder De Cocksdorp ist übersichtlich und gemütlich zu erfahren. Als das schönste Örtchen gilt Oosterend. Die Wassermühlen und Getreidemühlen sind von weither sichtbar – die in Oudeschild kann auch von innen erklettert und besichtigt werden. Übrigens: Wer das Untergeschoß im Museum Kaap Skill nicht gesehen hat, der hat keine Ahnung von Texel. Die Reede von Texel aus dem 17. Jahrhundert ist dort im Kleinbahn-Maßstab perfekt nachgebaut – Texel war damals der wichtigste Ankerplatz der Welt.

Und heute? Eine flache Insel voller Slow Food Geheimtipps und Schafe – im Wattenmeer.

Die Reede von Texel im 17. Jahrhundert
Unterwegs mit dem Fahrrad: Auch der Sattel wird hier von einem Schaf geschützt – auf dem Weg zur Brauerei.

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