Tiefwinterlich präsentiert sich die Region der Wiener Alpen in Niederösterreich (Ja, Wien hat nicht nur Wein, sondern auch einen Anteil an den Voralpen), als ich einen Wochenendausflug in die beliebte Skiausflugsregion unternehme. Ganz ohne sportliche Absichten bin ich per Auto unterwegs, wiewohl es an Pisten und Loipen zwischen den Hausbergen Rax und Semmering – trotz der Nähe zur Großstadt – nicht fehlt. Ich begebe mich auf die Spuren der legendären Semmeringbahn, die mit ihren meisterlichen Viadukten eine Teilstrecke der einst so berühmten Südbahnstrecke von Wien nach Triest ist.

Die Zauberberge in Niederösterreich – in den Wiener Voralpen
Mitten in Payerbach Richtung Kreuzkogel

Die Viadukte zwischen Rax und Semmering: Vom Auto aus gesehen

Die Strecke selbst gilt als ein Meilenstein der Bahnbaugeschichte und sogar von der winterlichen Straße aus kann man sich der Faszination dieser abenteuerlichen Viadukte kaum entziehen. Jahrzehnte lang war bezweifelt worden, ob man in dieser gebirgigen Region überhaupt Schienen legen könne – ich parke heute fast direkt unter einem doppelgeschoßigen Viadukt in der so genannten “Kalten Rinne“  und weiß: Ja, es ging – und zwar schon 1841.

Das Viadukt in der berühmten „Kalten Rinne“
Das über 200 Meter hohe Schwarza Viadukt frühmorgens in Payerbach/Rax

Meine Tour startet in Payerbach an der Rax und die Schnellstraße lasse ich jetzt mal getrost links liegen und nehme die kleinen „Bergstraßerln“, die allesamt Schneefahrbahnen sind – bis ich im Kurort Semmering und quasi mitten auf der Piste wieder auf Zivilisation, sprich Skifahrer treffe. Der Weg dorthin ist einsam, aber geschichtsträchtig, sowohl bau- als auch literaturtechnisch. Als die Bahn 1854 eröffnet wurde, gab es nämlich für die intellektuelle Elite Wiens kein Halten mehr und das Rax/Semmering Gebiet wurde aufgrund der guten Erreichbarkeit zur ersten Sommerfrische (neben dem Salzkammergut und Südtirol) der „Kaffeehausliteraten“ erklärt. Ich bewege mich also auf den Wegen  von Schnitzler, Altenberg, Werfel, Josef Roth, Gustav Mahler und Stefan Zweig, die hier alle ihre Spuren hinterlassen haben.

Wildromantisch zwischen Rax und Semmering unterwegs

Die legendäre Südbahnstrecke mit ihren Viadukten 

Immer wieder ergeben sich wunderschöne Ausblicke Richtung Rax und Schneeberg, als ich die engen Kurven berganfahre und das bekannte Loos-Haus am Kreuzberg, das heute noch ein beliebtes Einkehr-Ziel ist,  hinter mir lasse. Ich stapfe unter doppelten Viadukten im tiefen Schnee herum, über mir hoch droben braust alle paar Minuten ein Zug auf dem Weg in den Süden hinweg.

Blick auf die Rax – nahe dem Looshaus am Kreuzberg

In Breitenstein suche ich die Villa von Alma Mahler-Werfel mit den Fresken von Oskar Kokoschka und muss die Suche wegen Schneekettenpflicht abbrechen – wie sind die Menschen bloß vor 150 Jahren hier in ihre Villen gelangt?

Unterwegs Richtung Semmering
Ingenieurskunst von Carl Ritter von Ghega

Ich passiere das legendäre, atemberaubende Südbahnhotel – das momentan leider leer steht und einen Investor sucht, aber dem man die Mondänität immer noch abnimmt und fahre den Promenadenweg der Kurgäste bis zum Hotel Panhans weiter, ebenfalls ein architektonisches Relikt, das allerdings noch in Betrieb ist. Von hier spaziert es sich bis auf die belebte Piste, nicht ohne vorher ein Stück der berühmten Panhanstorte mit einer „Melange“ (österreichische Kaffeespezialität mit Milchschaum“ – oder doch lieber ein „Verlängerter“ – genossen zu haben.

Eines der legendären Südbahnhotels – ähnliche gibt es in Südtirol.
Das Panhans

Die Geschichte ist mir hier in den Wiener Voralpen so nah und präsent wie selten, kein Wunder, dass die Wiener Hausberge auch „Zauberberge“ genannt werden – in Anlehnung an Thomas Mann´s Zauberberg? Letzterer allerdings ist in der Schweiz zu finden.

Panhanstorte und ein „Verlängerter“.

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