2013 wurde das Literaturfestival erstmalig in Gibraltar veranstaltet. Seither folgen alljährlich Schriftsteller, Historiker und Redner von internationalem Rang der Einladung zu der im Herbst stattfindenden Veranstaltung. Das Gibunco Gibraltar International Literary Festival ist eine hervorragende Gelegenheit, dieses britische Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel zu besuchen. Gibraltar ist bekannt für seine Lage zwischen Europa und Afrika und die Mischung kultureller Einflüsse aus Großbritannien, Spanien und Marokko.Gibralter, Stadt, Literaturfestival

Das Literaturfestival in Gibraltar ist vergleichsweise überschaubar. Alle Veranstaltungen finden auf vier Tage verteilt in verschiedenen Gebäuden im Stadtzentrum statt: in der herrlichen Garrison Library an einem schattigen, erhöht liegenden Platz; im historischen Convent in der King’s Chapel und im Sunborn Gibraltar, einem schwimmenden Fünf-Sterne-Jachthotel im Jachthafen.

An jedem Tag des Festivals konnte ich von meinem Zimmer im O’Callaghan Eliott Hotel (das sich gleich gegenüber der Garrison Library befindet) zu Fuß zu den verschiedenen Veranstaltungsorten gehen. Da Gibraltar nur eine Fläche von 6,5 km2 aufweist, ist alles schnell erreichbar und auf der Main Street konnte ich bei der Gelegenheit noch etwas Sightseeing betreiben.

Der einzigartige kulturelle Mix in Gibraltar macht den besonderen Reiz des Literaturfestivals aus: Hier kommen viele Fachleute zusammen, die in entspannter Atmosphäre über die Geschichte, die Dichtung, berühmte Persönlichkeiten und die Politik der Region sprechen. Die Redner und Besucher erörtern zusammen, welchen Einfluss andere Länder und globale Faktoren auf Gibraltar haben. An einem Morgen saß ich zwischen reich bestickten Militärfahnen und überdimensionalen Portraits der Queen, während ein Historiker einen Vortrag über den Arabischen Frühling hielt. Und am Nachmittag hörte ich einer Frau zu, die von ihren Kurzgeschichten über das Leben mit einer marokkanischen Familie und ihrer daraus resultierenden Konversion zum Islam erzählte.Gibraltar

Auch Kinder werden eng in die Veranstaltung eingebunden. Für sie gibt es neben dem Hauptprogramm das Schools Festival. Viele der Hauptredner des Festivals halten für die Schulkinder von Gibraltar (manchmal sind auch erwachsene Hörer geduldet) spezielle kindgerechte Vorträge. Dank des Festivals können die Einheimischen ihren künstlerischen Horizont bei Themen rund um das Überseegebiet erweitern und sich Literatur näher bringen lassen. Und Besucher haben Gelegenheit, eine etwas andere Attraktion Gibraltars zu erleben.

Gibraltar besichtigen

Gibraltar ist ein beliebtes Ziel für Kreuzfahrtschiffe (nicht nur britische Touristen schätzen, dass in Gibraltar Englisch gesprochen wird). Doch Besucher können hier so viel mehr kulturelle Besonderheiten entdecken. Überall in Gibraltar wird unterschwellig die britische Militärgeschichte herausgestellt: vom Trafalgar-Friedhof und den Belagerungstunneln bis zu Statuen und Denkmälern für Militärhelden. Auch wird immer wieder darauf hingewiesen, wie unbritisch dieser Ort eigentlich ist. Die Eindrücke sind sehr vielfältig: Überall hört man ältere Männer Arabisch sprechen.

Um die Mittagszeit sitzen sie meist in Strickjacken auf Steinmauern im Schatten der Bäume, um der Hitze zu entfliehen. Muslimische Frauen mit Kopftuch und langen, dünnen Gewändern ziehen Einkaufswagen hinter sich her. Schulkinder essen „Fish and Chips“ und unterhalten sich dabei auf Spanisch. Jemand isst an einem sonnigen Tag mitten im November auf der Straße Roastbeef. Man hat das Gefühl, drei Länder gleichzeitig zu besuchen!Gibraltar, Meer, Affe

Das Zentrum von Gibraltar zu Fuß zu erkunden, ist einfach: Die Hauptstraßen im Zentrum sind Fußgängerzonen und es gibt – neben den typisch britischen roten Briefkästen und englischen Straßennamen – zahlreiche architektonisch reizvolle Gebäude zu sehen. Zudem gibt es viele religiöse Sehenswürdigkeiten. Die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee ist die südlichste Moschee auf dem europäischen Festland und steht nur wenige Meter vom Heiligtum Unserer Lieben Frau von Europa entfernt. In dieser Wallfahrtskirche befindet sich die gekrönte Holzskulptur Marias mit dem Kind, die auf ca. 1500 datiert wird. Zusammen sind sie würdige Vertreter der kulturellen Vielfalt Gibraltars.

Der Aufstieg zur Spitze des Felsens von Gibraltar (der möglicherweise größten Besucherattraktion) ist zu Fuß recht anstrengend.  Den Aussichtspunkt erreichen Sie mit einem Minibus, Taxi oder der Seilbahn. Dort angekommen werden Sie von Gruppen von Berberaffen gegrüßt. Und die Aussicht auf die Straße von Gibraltar bis nach Afrika ist atemberaubend. Die über 200 auf dem Felsen lebenden Berberaffen sind die einzige wilde Population Europas. Bei Sonnenuntergang werden sie gefüttert, damit sie nicht in den Mülltonnen der Stadt nach Essbarem suchen.

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Spartipps

  • Gibraltar ist so klein, dass man fast überall gut zu Fuß hingehen kann, über Treppen, hinter kleinen Reihen von Häusern und in die umliegenden Hügel – überall gibt es interessante Ecken. Wenn Sie müde werden, können Sie mit den örtlichen Bussen fahren, die im gesamten Stadtgebiet verkehren und nicht viel kosten.
  • Gibraltar hat eine eigene Währung, aber es kann auch in Euro bezahlt werden. Überlegen Sie daher, ob ein Umtausch lohnt.Gibraltar, Literaturfesival, Stadt, Platz

Schon gewusst?

  • Die Gibraltarer sprechen einen eigenen Dialekt, der „llanito“ heißt und eine Mischung aus Spanisch und Englisch ist. Wenn Sie eine der Sprachen oder beide sprechen, werden Sie Spaß daran haben, bekannte Wörter rauszuhören!
  • Gibraltar ist mit dem Auto von Spanien erreichbar, aber die Straßen im Überseegebiet sind sehr eng. Wenn Sie also von Spanien aus für weniger als sechs Stunden einreisen möchten, können Sie Ihr Auto oder Ihren Mietwagen auf der spanischen Seite der Grenze parken und das letzte Stück bis zur Passkontrolle zu Fuß gehen. Das spanische Estepona ist beispielweise nur 30 Minuten Fahrt von Gibraltar entfernt.
  • Im Inneren des Felsens (genannt „The Rock“) erstreckt sich ein 55 km langes Tunnelnetz. Dies entspricht fast der doppelten Länge aller Straßen in Gibraltar. Die britische Armee hatte diese Tunnel im 18. Jh. gegraben, um Munition zu transportieren, Wasserreserven zu lagern und im Falle einer Belagerung sogar eine Unterkunft zu haben. Heute sind die Unterkünfte größtenteils nicht mehr öffentlich zugänglich.Gibraltar, Literaturfestival, Vortrag

Persönliches Highlight

Die Alameda-Gärten sind ein acht Hektar großer botanischer Garten, in dem es Landschaftsgärten und nicht einheimische Pflanzen zu sehen gibt. Außerdem steht hier die Statue von Molly Bloom, einer Figur aus dem Roman „Ulysses“ von James Joyce.

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