„Innsbruck selbst ist eine ungewöhnliche, blöde Stadt“ hat Heinrich Heine in seinen Reisebildern im Jahr 1830 nach einem Besuch in Tirols Alpenmetropole geschrieben. Schade, dass er sie heute nicht nochmal erleben kann. Mit einem hat er allerdings selbst heute noch recht: Innsbruck ist ungewöhnlich. Und einzigartig mit ihrer Lage zwischen den Bergen direkt am Ufer des Inns und seinem Standort zwischen Deutschland und Italien. Aber nicht nur Dank seiner Lage ist Innsbruck eben ungewöhnlich schön.

Über 130.000 Einwohner, rund 30.000 Studenten und dutzende neue Restaurants, Bars und Shops, die in den letzten Jahren das Stadtbild verändert haben. Wer davon ausgeht, dass in der kleinen alpinen Stadt außer Skifahren und Wandern nichts geht, liegt weit daneben. Auch wer nicht gerne am Berg unterwegs ist, findet ein umfassendes Kulturprogramm und Events.

Goldenes Dach Innbruck
Foto: Christof Lackner/Innbrucker TVB

Für heute lassen wir die Sehenswürdigkeiten wie das Goldene Dachl, die bunte Anpruggen Häuserzeile am Inn und den Stadt-nahen Gipfel, das Hafelekar mal links liegen. Auch die Klassiker, wie den Stiftskeller, die Buzihütte oder den Shop der Tirol Werbung, sowie die schönen Traditionsbetriebe in der Altstadt, interessieren uns nicht. Über die könnt ihr bei Bedarf in jedem Reiseführer nachlesen. Stattdessen möchte ich euch ein paar Läden vorstellen, die wohl in (noch) keinem Reiseführer zu finden sind.

Wilten

Wir fangen den Tag am Wiltener Platzl an, im gleichnamigen Hipster Bezirk Wilten. Hier ist das vegetarische (und vegane) Restaurant Olive zuhause, wo Jakob bunte Köstlichkeiten anbietet, die einen glatt vergessen lassen, dass es Fleisch auch noch gibt. Gleich gegenüber befindet sich das Immerland. Ein kleines Café mit französisch angehauchter Deko und guten Frühstücks-Happen. Samstag, Sonntag und Feiertags gibt es das sogenannte „Immerbrunch“ für Genießer von 9:00 bis 14:00. Von hausgemachten Marmeladen und Aufstrichen über glückliche Hühnereier bis hin zu Cupcakes, gibt es alles was das Herz am Morgen begehrt.

Weiter gehen wir in Richtung Altstadt, wobei es ganz einfach ist in Innsbruck sich zu orientieren. Denn hinter jeder Häusermauer schaut mindestens ein Berg hervor. Hat man sich mal gemerkt, dass die gewaltige Gebirgskette (die Nordkette im Karwendel Naturpark) im Norden liegt und der Patscherkofel mit dem Sendermasten am Gipfel im Süden – braucht man nur mehr Westen und Osten zu unterscheiden.

Am Weg passieren wir die Triumphpforte und kurz davor die neue Bar mit dem surrenden Namen Kater Noster. Ein zentraler Treffpunkt für alle quer durch die Bank – Touristen, Bergsteiger, Hipster oder auch After-Work-Leute.

Kater Noster Bar Innsbruck
Foto: Charly Schwarz

Wir ziehen weiter in Richtung Norden auf die Nordkette zu. Den schönsten Klischee-Blick gibt es übrigens ein paar Meter vor dem Goldenen Dachl mit Blick auf die Berge dahinter. Wer die Augen zukneift sieht oben am Berg ein weißes Haus – die Seegrube auf knapp 2000m Seehöhe. Von hier bis dorthin sind es mit der Hungerburgbahn und der Seilbahn nur in etwa 30 Minuten. Somit ist eine Runde Skifahren oder Downhillen oder in der Sonne sitzen und Kaffeetrinken in der Mittagspause durchaus für manche eine Option. Heinrich Heine würde Augen machen, gar nicht so blöd, diese Innsbrucker!

Die Hungerburgbahn Innsbruck
Foto: Christof Lackner/Innbrucker TVB

Altstadt

Wir machen einen weiteren Halt und kehren im Café Max Standard ein. Das kleine Cafe am Anfang der Anichstrasse, direkt gegenüber vom Kaufhaus Tyrol (übrigens ein David Chipperfield Entwurf), ist ganz in grau gehalten. Mal abgesehen von den frischen Blumen, die die Betontische zieren. Hier gibt es köstlichen Cafe, Tee oder auch ein Glasl Wein – je nach Uhrzeit. Schick und frisch, hier kann man Freunde treffen oder auch mit der Mutter beim Shoppen einen kurzen Erholungsstopp einlegen.

Gestärkt geht es weiter in die Geschäfte. Wir schauen in den Nowhere Store (bekannt geworden mit seinen „Es keat oanfach viel mehr gschmust“ T-Shirts) und schütteln gegenüber im Nowhere Vintage verwundert die Köpfe. Hier gibt es Oma’s Blusen zu Bestpreisen. Wer zu faul ist selbst am Flohmarkt zu suchen, ist hier bestens aufgehoben.

Im hübschen Feinheiten bei Marianne kaufen wir ein paar Kleinigkeiten für die nächsten Geburtstag und ein paar Karten, weil sie so schön sind. In Therese Figls Tiroler Edles Shop finden wir Souvenirs für alle, und die sind auch noch hochwertig produziert. Sei es die Tiroler Reine Seifenserie von Walde Seifen, oder ein paar handgepflückte Wildkräuter Tees aus Tirol. Oder auch die schön verpackte Schokolade, die ebenfalls Tiroler Edle heißt. Die Produkt-Visionärin hat hier wirklich nur die schönsten und besten Dinge zusammengesucht.

Unweit entfernt im Warehouse schauen wir nochmal die Kleiderstücke durch, wenn sich hier nichts findet dann sicherlich ein paar Häuser weiter im Calamita. Beide liegen direkt auf der Museumsstrasse. Die Straße lohnt es sich übrigens auf und ab zu gehen. Dabei entdeckt man den neuen Sonnentor Shop, den Burgerladen Ludwig und den neuen Leberkäsespezialisten Jedermanns.

Skibauwerkstatt Innsbruck
Foto: SPURart

Gegen Abend kehren wir auf einen „Weiß Sauer“ oder einen „Moscow Mule“ im Lokal in der Höttingergasse ein, das sich längere Zeit nicht entscheiden könnte wie es nun heißen soll. John Montague ist es geworden, nach dem Erfinder der Sandwiches, die es hier eben auch gibt im coole Upcyling-Ambiente und bei wechselnden Ausstellungen. Die Straße ein paar Meter weiter bergauf ist die SPURart Skibauwerkstatt seit einiger Zeit neu beheimatet in einer alten Metzgerei. Hier werden Ski von Hand gebaut und Skibau-Workshops für Laien angeboten. Jeder der nicht drei linke Hände hat (und selbst die) können sich Ski, ein Snowboard oder Splitboard im Zuge eines Wochenendworkshops selbst bauen. Ein schöner Grund für einen Innsbruck-Besuch.

Zu späterer Stunde zieht es uns dann in die Bögen zB zur Tante Emma, oder in den neu eröffneten Dachsbau. Hier spielt es oft HipHop und bei den 5€ Eintritt ist immer auch die Garderobe dabei.

Ich hoffe die Runde durch Innsbrucks alte und neue Locations hat euch gefallen. Mich jedenfalls hat die Stadt seit fünf Jahren in ihren Bann gezogen…

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