Dass das in Salzburg spielende beliebte US Film-Musical „The Sound of Music“ aus den 1960er Jahren seine Fans bekanntermaßen nicht in Österreich, sondern in den USA und China hat, ist ja wohl mittlerweile hinlänglich bekannt. Wir Österreicher haben unseren Film „Die Trapp Familie“ mit österreichischer Starbesetzung der 1950er – die Amerikaner eben ihre US-Version mit Julie Andrews.

Letztere wurde an einem der schönsten Plätze Salzburgs gedreht: Nahe der Stadt und der Hohenfestung am Leopoldskroner Weiher – beim Schloss Leopoldskron. Jedes Kind kennt in den USA jene Filmszene, in der die Trapp Kids mit ihrer Gouvernante mit dem Boot über den Weiher schippern, kentern und schließlich zwischen den beiden steinernen Pferdeköpfen wieder „an Land gehen“.

Schloss Leopoldskron
Vor dem Schloss am Weiher mit dem Blick zu den Berge
Vom Meierhof auf den See
Auch im Winter eine Augenweide: Vom Meierhof auf den See

Schloss Leopoldskron und die Salzburger Festspiele

Das Schloss Leopoldskron ist ein traumhaft am Wasser gelegenes Rokokoschloss in Spazierentfernung zur Salzburger Innenstadt, das mittlerweilen zu einem Hotel umgebaut wurde. Im angrenzenden Meierhof gibt es moderne Zimmer im geschichtlichen Ambiente, während sich im Schloss selbst die Suiten befinden. Diese Suiten waren in der Zwischenkriegszeit die privaten Räumlichkeiten von Max Reinhardt, einem der größten Regisseure und Theatermänner dieser Zeit, der in Berlin, Wien und den USA arbeitete. Kein deutschsprachiger Schauspieler kam damals an Reinhardt vorbei.

Er gilt als Begründer der Salzburger Festspiele im Jahre 1920 – und da er im Schloss Leopoldskron wohnte, residierte, empfing, legendäre Parties gab und dort sogar seine Schauspieler vorsprechen ließ – gilt das Schloss auch als Geburtsstätte der Salzburger Festspiele, die 2020 ihr 100jähriges Jubiläum begehen.

Salzburg verdankt das Festival, das mit einer „Jedermann“-Inszenierung am Domplatz 1920 begann und mittlerweile jedes Jahr im Sommer eine Vielzahl von Theater-, Opern und Konzervorstellungen sowie Kinderprogramm beinhaltet, einem – Flüchtling. Denn auch Theaterimpresario Reinhardt musste, so wie der Großteil der jüdischen Künstler, Intellektuellen, Denker und Regimekritiker bei Machtübernahme der Nazis in Österreich das Land verlassen, um sein nacktes Leben zu retten. Er wurde enteignet und verlor so seine eigens für ihn gebaute Bibliothek, die Kunstschätze und Antiquitäten, die er liebevoll für sein Schloss zusammengesucht hatte.

Bibliothek im Schloss Leopoldskron
Reinhardt emigrierte in die USA und kehrte nicht mehr nach Österreich zurück.
Bibliothek im Schloss Leopoldskron
Blick von der Balustrade der Bibliothek auf die Sitzecke vor dem Kamin

Schlossleopoldkron Heute

Das Schloss überstand den Krieg und wurde danach an seine Witwe restituiert. Heute frühstückt man im üppigen Marmorsaal an großen Tischen wie einst Reinhardts Gäste, das Buffet befindet sich im üppig verzierten venezianischen Zimmer und abends kann man, solange man will, sich als Hotelgast in seiner ehemaligen Bibliothek mit Geheimgang in seine Privatgemächer aufhalten. Abends weisen Kerzen im Schloss den Weg von der Eingangshalle hinauf ins obere Stockwerk, oftmals findet man sich abends allein in den geschichtsträchtigen Hallen des Schlosses, sitzt in großer Stille im chinesischen Zimmer und blickt in den riesigen Park oder auf den pittoresken Weiher bis zu den Bergen. Wer hier aller geplaudert, getrunken und geplant haben mag? Produzenten, Schauspieler, Schriftsteller und Mäzene – hier sind sie alle ein- und ausgegangen.

Venezianisches Zimmer im Schloss Leopoldskron
Frühstücksbuffet im opulent verzierten venezianischen Zimmer
Das chinesische Zimmer im Schloss Leopoldskron
Das chinesische Zimmer des Schlosses

Ein Schloss, das trotz seiner beeindruckenden Geschichte ein Wohlfühlort geblieben ist für seine Gäste von heute: Nicht nur zur sommerlichen Festspielzeit, wenn Salzburg ein Hot Pot an Touristen aus aller Welt und Kulturfreunden ist (was übrigens auch schon in den 1930ern so war) sondern auch im Winter. Auch wenn man sich beim Frühstücken unter den Kronleuchtern schon ein wenig kaiserlich wähnt.

Abends im Marmorsaal
Abends allein im Marmorsaal
Frühstück im Marmorsaal
Frühstück im Marmorsaal

Kein Wunder, dass den „Sound of Music“ Fans, die hier im Rahmen der Stadtrundfahrt Station machen, vor Begeisterung die Luft wegbleibt. War bei mir nicht anders.

Bibliothek von Max Reinhardt
Abends allein in der Bibliothek von Max Reinhardt – mit Blick auf die geheime Büchertüre.

Wer einen Besuch von Schloss Leopoldskron plant, aber nicht direkt im Schloss übernachten möchte, findet hier eine große Auswahl an Hotels in der Nähe. 

Kommentare

    Maria

    Das wäre ja auch mal etwas für das Übernachten in einem Schloss. In Sound of Music wird es ja dann auch zum Hotel, wäre sicher eine tolle Sache!

    19/04/2018 at 11:01 am

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