Canal Du Midi

Er gilt als eine der schönsten Wasserstraßen Europas: der Canal du Midi. Auf über 240 Kilometern kann man ihn vom südfranzösischen Toulouse bis zum Mittelmeer ganz oder etappenweise erradeln. Dabei gibt es einiges zu erleben, zum Beispiel verträumte Dörfer, französische Cuisine und ein Unesco-Weltkulturerbe. Hier erfährst du, was die absoluten Highlights sind.

Als „technische Meisterleistung“ beschreibt man sie, eine der idyllischsten Fahrrad- oder Wanderstrecken Südfrankreichs. Es war 1667, als der Salzsteuereinnehmer Pierre-Paul Riquet den Bau des Canal du Midi in Auftrag gab, der in 15 Jahren fertiggestellt wurde. Dabei verbindet der Hauptkanal Toulouse mit dem Mittelmeer bei Sète, ein Seitenkanal führt gut 190 Kilometer weiter in Richtung Bordeaux und zum Atlantik. Dies erleichterte den Handelsverkehr zwischen beiden Meeren, und 1996 wurde der Kanal zum UNESCO-Weltkulturerbe gekrönt.Canal Du Midi in Toulouse

Wer den ganzen Kanal abfahren möchte und im Urlaub statt auf der Flucht ist, lässt sich für die 240 Kilometer mehrere Tage Zeit, idealerweise eine Woche. Kleine Hotels, Gasthäuser oder sogenannte Chambres d’hôtes, Zimmer in meist ländlichen Häusern, gibt es überall und außerhalb der Hauptsaison auch spontan.

Abfahrt in der rosaroten Stadt

Bevor es losgeht, lohnt sich ein Besuch von Frankreichs viertgrößter Stadt mit dem Beinamen ‚rosarote Stadt‘. Diese Bezeichnung für Toulouse erklärt sich in den Gassen der Altstadt von selbst: überall alte Backsteinhäuser, die kurz vor Sonnenuntergang in voller Pracht rosa-rot erstrahlen, an den Fassaden bunte Fensterläden und Balkone mit verschnörkelten Gittern. Auf dem imposanten Place du Capitole, dem Rathausplatz, lässt sich wunderbar ein etwas überteuerter Kaffee genießen, dafür aber mit Traumblick auf das Gebäude des Neoklassizismus.Pont Saint Pierre in Toulouse

Los geht es hinter den Allées Jean Jaures auf dem Fahrradweg am rechten Kanalufer bis zum gut 30 Kilometer entfernten Dorf Avignonet-Lauragais, wo es einiges über den Canal du Midi zu lernen gibt – im Centre d’Expo Pierre-Paul Riquet in Port Lauragais, einer Ausstellung zum Leben des Visionärs und Bau des Kanals.

Thomas Jefferson und Frankreichs deftigster Eintopf

An der Schleuse mit dem schönen Namen „Océan“ tritt man in die Fußstapfen Thomas Jeffersons. Der dritte Präsident der USA reiste nämlich nach Frankreich und machte sich über den Kanal schlau, um in seiner Heimat etwas Ähnliches zu errichten. Sicher bewunderte er auch die technisch interessanteste Stelle – die Wasserscheide an der „Stufe von Naurouze“. Dort steht man auf 190 Metern über dem Meeresspiegel nicht nur auf dem höchsten Punkt, sondern sieht auch, wie sich der Kanal in zwei Arme teilt – den, der zum Mittelmeer verläuft und den anderen, der in Richtung Atlantik strebt.Cassoulet

Foto Credit: Wilhelm Lappe via Flickr

Wer 15 Kilometer später das Ortsschild „Castelnaudary“ erblickt, sollte spätestens jetzt viele Kalorien verbrannt haben – das 11.000-Einwohner-Städtchen bezeichnet sich nämlich als „Hauptstadt des Cassoulet“. Der mächtige Eintopf aus Wurst, Fleisch, Gänseschmalz und weißen Bohnen ist kein leichter Imbiss für heiße Sommertage, doch niemand ist wirklich in Südfrankreich gewesen, ohne ihn gekostet zu haben!

Zum UNESCO-Weltkulturerbe und weiter

Das echte Highlight am Canal du Midi ist die Perle des Mittelalters: Carcassonne mit seiner beeindruckenden Festung, mit 52 Türmen eine märchenhafte Erscheinung. In der Cité kuscheln Souvenirläden, Snackbars und Restaurants genauso wie Touristen aus aller Welt, doch die mittelalterlichen Gemäuer erzählen noch von Zeiten, als die Festungsstadt Verwaltungssitz der Inquisition Südfrankreichs war oder Mittelpunkt der Katharerbewegung.Carcassonne

Nach dem Dorf Trèbes prägen Weinstöcke die Landschaft. In der Capitainerie von Homps gibt es die Weine der Minervois-Region sogar gratis zu verkosten – oder man lässt sie sich am Abend zu einem Dreigängemenü in Le Somail schmecken, dem schönsten Dorf am Kanal. Die Brücke in Form eines Eselsrückens mit Steinhäuschen zu beiden Seiten ziert viele Postkarten und gilt als Sinnbild der gemütlichen Atmosphäre am Kanal. Ein Muss für Leseratten: Mme Gourges Buchladen mit über 30.000 alten Büchern.

Mehr als nur Augenschmaus

Zwischen Capestang und Béziers stößt man auf den Tunnel du Malpas, der einen Hügel auf ganzen 173 Metern Länge durchbricht. Wer etwas ganz Kurioses sehen möchte, macht einen Abstecher zum Oppidum d’Ensérune. Von dort erhascht man einen Blick auf den sternförmig angelegten und mittlerweile trockenen See von Montady, der angeblich sogar aus dem Weltall sichtbar ist. Danach geht es schnurstracks zu den neun Schleusen von Foncérannes, die sich treppenförmig aneinanderreihen. Sieben sind noch in Betrieb, befördern Schiffe ruckzuck auf 13,60 Meter Höhe.Malpas-Tunnel

Foto Credit: Paul Wilkinson via Flickr

Weit hinter den Schleusen thront die Kathedrale Saint-Nazaire von Béziers, doch um in die Stadt zu gelangen, überquert selbst der Kanal eine Brücke – ein weiterer Geniestreich Riquets. Ein bisschen sonderbar ist es, Hausbooten zuzuschauen, die über die Brücke schippern. Béziers, Riquets Geburtsstadt, ehrt ihren berühmtesten Bürger mit einer großen Statue.

Auf der Zielgeraden zum Meer

Oft bläst der starke Wind Radlern bereits Meeresluft um die Ohren, doch noch ist das Meer nicht erreicht – die große Lagune Etang de Thau versperrt den direkten Zugang. Dort liegt der kleine Ort Agde am Fuß des Berges Saint-Loup, einem ehemaligen Meeresvulkan – was erklärt, warum die meisten Bauten aus schwarzem Stein bestehen. Man muss an der gesamten Lagune vorbei, um ans Mittelmeer zu gelangen. Dabei schummeln die Franzosen eigentlich mit der Behauptung, der Canal du Midi ende am Mittelmeer – technisch gesehen endet er bereits hinter Marseillan Plage, einem kleinen Strand an der Lagune, am Pointe des Onglous, markiert durch einen weißen Leuchtturm.Blick von Marseillan nach SeteFoto Credit: Rongorongo via Flickr

Es lohnt sich jedoch, weitere 50 Kilometer bis zum Seebad Sète durchzuhalten. Der Etang de Thau steht für Austernbänke, und die Köstlichkeit wird in vielen Restaurants serviert, unter anderem in dem malerischen Dorf Marseillan oder in Bouzigues, das sich mit Austern- und Muschelproduktion einen Namen gemacht hat. Dann, endlich, ist es soweit: Kleine bunte Häuser begrüßen den müden Radler in Sète, gemeinsam mit unzähligen Booten, Kuttern und Yachten. In den Quai Cafés und Restaurants locken die Speisekarten mit kühlen Drinks, Eis und allem, was auch Gott an seinem Leben in Frankreich liebt. Und dann, hinter einer Mauer, liegt es ruhig da: das offene Meer.

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