Moskau in 24 Stunden? Ein Wahnsinnsvorhaben! Doch nichts ist unmöglich – auch wenn es fast schon eine Sünde ist, die Erkundung der Stadt auf so wenige Stunden zu begrenzen. Nehmt Euch bloß nicht zu viel vor und konzentriert Euch auf die wichtigsten Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten, die als „Visitenkarten“ der Stadt gelten. Für den Fall, dass Ihr nur einen kurzen Halt in Moskau macht, möchte ich Euch eine spannende und gleichzeitig relativ entspannte Reiseroute vorstellen, bei der Ihr die Stadt am besten kennenlernen könnt. Auf geht’s!

10:00 Uhr
Start U-Bahn-Station „Platz der Revolution“

Moskau ist keine Stadt der Frühaufsteher. Daher starten wir erst um 10 Uhr an der U-Bahn-Station „Platz der Revolution“. Keine Stadtführung kommt ohne einen Besuch dieser U-Bahn-Station aus. Generell sind die Moskowiter stolz darauf, dass die Moskauer „Metro“ als eines der schönsten U-Bahn-Systeme weltweit gilt. In der Tat ist die Architektur der meisten U-Bahn -Stationen sehr anspruchsvoll und sind als „unterirdische Paläste“ bekannt.

Die U-Bahn-Station „Platz der Revolution“ ist keine Ausnahme: Die 1938 eröffnete Station erinnert dank der entlang der gesamten Eingangshalle platzierten Skulpturen an ein Museum. Diese Skulpturen zeigen die typischen Vertreter des sowjetischen Volkes: Revolutionäre, Soldaten, Helden der Arbeit, aber auch Leistungssportler, Kolchosbauer, Studenten, Pioniere und sogar Mütter und Väter mit Kleinkindern auf dem Arm. Die Skulpturen einer Fallschirmspringerin, einer Frau mit Gewehr und einer Diskuswerferin gelten außerdem als inoffizielle Symbole des sowjetischen Feminismus.

Die U-Bahn-Station hat auch ihre eigene urbane Legende: Angeblich bringt die Skulptur eines Wachhundes Glück, wenn man sie an der Nase reibt. Abergläubische Studenten machen davon vor Prüfungen gern Gebrauch – was man an der glänzenden Nase des Hundes deutlich erkennen kann.

Von dieser U-Bahn-Station kommen wir sehr bequem zum Roten Platz – dem Machtsymbol und einem der wichtigsten Wahrzeichen von Moskau und ganz Russland.

Der Rote Platz in Moskau

Der rote Platz

10.20 – 11:20 Uhr
Roter Platz

Ganz klar: Ein Muss bei jeder Moskau-Reise. Der Rote Platz ist der zentrale Platz in Moskau und der wichtigste politische, militärische, soziale und kulturelle Schauplatz des Landes. Das ist ein Ort, an dem sich fast rund um die Uhr Touristen tummeln. „Rot“ hat übrigens nichts mit der sowjetischen Vergangenheit des Landes zu tun, sondern bedeutet im Altrussischen „schön“. Übersetzt heißt der Platz also „Schöner Platz“.

Die gegenwärtige Architektur des Platzes ist ein einzigartiger Mix der unterschiedlichen Zeitepochen und Stile. Im Zentrum des westlichen Teils des Roten Platzes befindet sich das 1924 erbaute „Mausoleum“ – die Gruft des Führers des Proletariats Lenin. An der östlichen Grenze des Roten Platzes erstreckt sich das monumentale Gebäude des legendären Warenhauses „GUM“. Heute ist es ein edles Einkaufszentrum und ein Konsum-Tempel. Auch die am südlichen Ende des Roten Platzes stehende Basilius-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen gilt als eines der Wahrzeichen Moskaus. Einer Legende nach ließ der Zar Iwan der Schreckliche dem Architekten die Augen ausstechen lassen, damit er keine andere Kathedrale errichten konnte, die von vergleichbarer Schönheit wäre.

Im Warenhaus GUM

11:30 – 13:00 Uhr
Alexandrowski Sad und der Kreml

Der Garten Alexandrowski Sad direkt vor den Mauern des Kremls ist in den letzten Jahren zu einem Lieblingsort der Moskowiter avanciert. Kein Wunder: Hier gibt es schöne Fontäne zu bestaunen, die mit Skulpturen aus den russischen Märchen geschmückt sind. Im Frühling blühen hier Fliederbäume und Kastanien, und man darf sogar auf dem Rasen liegen – keine Selbstverständlichkeit für Russland, in dem ansonsten eher strenge Regel in der Öffentlichkeit gelten.

Der Kreml gilt als die größte Festung in Europa und kann sowohl individuell als auch im Rahmen einer Gruppenführung besucht werden. Es gibt übrigens Führungen für jeden Geschmack: die klassischen, die historischen, die künstlerischen, die mystischen, Führungen für Kinder und Krimi-Führungen… Hat man aber, wie in unserem Fall, nur wenig Zeit, sollte man sich darauf beschränken, einen ausgiebigen Spaziergang mit obligatorischen Fotos vor der Zarenglocke und der Zarenkanone zu machen.

Zehn Minuten zu Fuß – und Ihr seid am Theaterplatz.

Moskauer Kreml

Der Kreml von der Moskwa aus gesehen

13:10 – 13:40 Uhr
Bolschoi Theater und der Theaterplatz

Das Bolschoi Theater ist das bekannteste und wichtigste Schauspielhaus für Oper und Ballett in Russland. Das Gebäude des legendären Theaters wurde 2011 komplett saniert und restauriert. Vier Mal in seiner Geschichte brannte das Gebäude ab. Während des 2. Weltkriegs wurde das Gebäude von einer Bombe getroffen. Heute empfängt das Bolschoi Theater erneut Besucher – und es ist gar nicht so einfach, an die Tickets zu kommen. Das macht aber nichts: Vor dem Theater gibt es einen kleinen Park mit einer Fontäne, in dem man schöne Erinnerungsfotos machen kann.

Das Bolschoi Theater

Das imposante Bolschoi Theater

13:20 – 15:00 Uhr
Mittagessen im Café „Moloko“, Bolshaya Dmitrovka 7/5

Bevor Ihr weiterzieht, macht eine kleine Mittagspause. Dafür eignen sich kleine Sträßchen direkt hinter dem Bolschoi Theater. Auch wenn das eigentlich ein elitäres und teures Pflaster ist, gibt es hier eine Menge Locations für jeden Geschmack und Geldbeutel – vom einfachen, aber guten Imbiss „Prime Star“ auf der Brücke Kuznetskiy Most bis hin zu den erlesenen Restaurants an der Kamergersky oder der Stoleshnikov Straße.

Mein Favorit: Das stylische Café „Moloko“ auf der Bolshaya Dmitrovka. Zwar sind die Preise hier etwas höher als in anderen vergleichbaren Cafés, aber es gibt oft besondere Aktionen, sodass man auch hier gut zu Mittag essen kann, ohne dass der Geldbeutel darunter leidet. Hier gibt es z.B. den traditionellen russischen Salat „Olivje“ mit Kalbsfleisch, russische Erbsensuppe mit geräucherten Rippchen, traditionelles georgisches Gericht „Chinkali“ mit Lamm und als Nachtisch einen leckeren Kuchen mit Waldnüssen und Karamel. Dafür zahlt Ihr insgesamt ca. 25 Euro.

Jetzt steigen wir wieder in die U-Bahn ein, fahren eine Station weiter – und sind in 5 Minuten an der weltbekannten „Tretjakovka“ – der Tretjakow-Galerie.

Tretjakow-Galerie in Moskau

Die Tretjakow-Galerie

15:10 – 16:40 Uhr
Tretjakow-Galerie, Lavruschinskij Pereulok 10

Die Galerie ist eins der bekanntesten und beliebtesten Kunstmuseen in Russland. Hier befindet sich eine der größten Sammlungen der russischen Malerei weltweit. Man kann nicht nur Gemälde der bekanntesten russischen Maler, sondern auch Skulpturen und Edelsteinschmuck bewundern. Eine Exkursion dauert ca. drei Stunden. Ihr könnt Euch aber auch innerhalb von einer Stunde die wichtigsten Werke ansehen – z.B. die „Unbekannte Dame“von Kramskoj, „Christus erscheint dem Volke“ von Iwanow oder „Das rote Pferd badend“ Petrow-Wodkin.

Von der U-Bahn-Station „Tretjakovskaja“ kann man in 15 Minuten mit 2 Mal umsteigen bis zur U-Bahn-Station „Kropotkinskaja“ fahren, an der unser nächstes Ziel befindet: Die Christ-Erlöser-Kathedrale.

Keine Lust auf Kunst oder Museen? Ich habe auch eine Alternative für Euch:

Falls Ihr Museen nicht ausstehen könnt oder lieber stattdessen einen Spaziergang durch die Stadt genießen möchtet, kann ich Euch eine schöne malerische Route durch die Stadt empfehlen. Ihr gelangt durch den Vodootvodnyj Kanal zur Luschkow-Brücke, an der frisch verheiratetete Paare Schlösser als Symbol ihrer ewigen Liebe aufhängen. Geht dann über die Sofijskaja naberezhnaja über den Bolotnaja Platz. Gegenüber liegt das sagenumwobene Haus „Dom na naberezhnoj“ – das Meisterwerk der Ära des stalinistischen Konstruktivismus, das gebaut wurde, um die sowjetische wissenschaftliche, politische und kulturelle Elite unterzubringen, nachdem die Hauptstadt von  Sankt-Petersburg nach Moskau verlegt wurde. Über die Brücke Kammennyj Most geht Ihr dann über den Fluß Moskwa und bewundert ein Panorama des Kremls und die Christ-Erlöser-Kathedrale. Alles in allem dauert dieser Spaziergang ca. eine Stunde.

 

17:00 – 18:00 Uhr
Christ-Erlöser-Kathedrale, Volchonka 15

Die Kathedrale ist die größte in Russland und kann insgesamt bis zu 10.000 Menschen beherbergen. Das moderne Gebäude wurde 2000 errichtet. Die Bauarbeiten haben insgesamt sechs Jahre gedauert. Das ursprüngliche Gebäude wurde von Stalin gesprengt, um hier ein Schwimmbad zu errichten.  Auf dem Dach gibt es Ausblickplätzte, von denen man Moskau aus Vogelperspektive sehen kann. Von hier aus seht Ihr die Skulptur „Peter der Große“, die von den meisten Moskau-Bewohnern gehasst wird. Jetzt könnt Ihr Euch selbst eine Meinung darüber bilden. Diesen Ausblick könnt Ihr allerdings nur dann genießen, wenn Ihr ein Ticket für eine Führung kauft. Ansonsten gibt es vor der Kathedrale einen Park mit Fontänen, in dem Ihr Fotos machen könnt.

Neben der Christ-Erlöser-Kathedrale befindet sich die U-Bahn-Station „Kropotkinskaja“. Von hier aus seid Ihr in 10 Minuten an der Station „Vorobjevy gory“.

 

18:10 – 19:00 Uhr
Vorobjevy gory

„Vorobjevy gory“ ist die erste U-Bahn-Station weltweit, die auf einer Brücke über einem Fluss gebaut wurde. Das ist die längste U-Bahn-Station in Moskau. Ein 30-minütiger Spaziergang an der Promenade – und Ihr seid auf der Aussichtsplattform, die sich auf einem der sieben Stadt-Hügel befindet. Beim guten Wetter habt Ihr von hier aus wohl den besten Panoramablick auf Moskau: Ihr seht den Kremlstern, die Kuppel der Christ-Erlöser- und der Basilius-Kathedrale , das „Weiße Haus“ und die „Sieben Schwestern“ – die sieben im Auftrag Stalins im stalinistischen Zuckerbäckerstil erbauten Hochhäuser.

Stalins Sieben Schwestern in Moskau

Die ‚Sieben Schwestern‘

19:30 – 21:00 Uhr
Bolschoi Planetarium, Sadowo-Kudrinskaja, 5,1

So bleibt Moskau in Eurer Erinnerung mit Sicherheit als die Stadt der Superlative: Besucht als effektvolles Highlight das erste Planetarium im Land, das den größten Monitor (mit ca. 9.000 Sternen) in Europa hat. Hier könnt Ihr einen Film über unser Universum schauen und beim guten Wetter im großen Observatorium auf dem Dach echte Sterne durch die Teleskope sehen.

 

21:00 – 22:00 Uhr
Abendessen

„Prostye veschi“ („Einfache Sachen“) bietet eine Auswahl an europäischen und russischen Gerichten – je nach Geschmack. Die durchschnittliche Rechnung beträgt ca. 2.500 Rubel.

Und auch hier habe ich eine Alternative:

Restaurant Pavil’jon, Bolschoj Patriarschij Pereulok 7

Falls Ihr immer noch nicht genug von Moskau hattet, dann besucht die Patriarschie Prudy. Dieser See ist durch das Buch von Michail Bulgalkov „Meister und Margarita“ berühmt geworden. Hier gibt es das Restaurant „Pavil’jon“, das in den besten sowjetischen Traditionen daherkommt: Hier kommt  man sich vor, als wäre man zu Besuch auf einer Datscha eines Partei-Funktionärs. Der einzige Unterschied: Für die aufgetischten Gerichte werdet Ihr zahlen müssen – und das nicht zu knapp. Der Ausblick auf die friedliche Fläche des Sees aus den riesigen Panorama-Fenstern ist es jedoch wert.

 

23:00 Uhr
Clubbing in „Solyanka“, Solyanka 11

Und wenn Ihr immer noch nicht müde seid und das legendäre Moskauer Nachtleben kennenlernen wollt, dann seid Ihr herzlich willkommen im Szeneclub „Solynka“. Das Besondere an diesem Club: Die moderne Loungeatmosphäre, die mit dem Flair eines Jahrhundertwendesalons gemischt ist.

Lust auf einen Städtetrip nach Moskau? Die besten Hotels findet ihr hier.

Mehr zu Moskau lest ihr hier.

 

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