Alle meine Freunde wissen: Ich liebe Weihnachten. Keine Weihnachtsdeko ist mir zu kitschig, kein Weihnachtslied zu schmalzig und kein Tannenbaum zu voll geschmückt. Aber fast noch mehr als Weihnachten liebe ich die Adventszeit. Diese kindliche Vorfreude auf das Fest, Schokis aus dem Adventskalender und – ja, natürlich, die Weihnachtsmärkte! Sie gehören für mich einfach dazu. Ich liebe es, von einer Bude zur nächsten zu flanieren, den Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln einzusaugen und diese besondere vorfestliche Atmosphäre zu genießen.

Vor ein paar Jahren bin ich nach Hamburg gezogen und war von der riesigen Auswahl an Weihnachtsmärkten zunächst überwältigt. Denn hier in Hamburg findet sich fast für jeden Geschmack ein passender Weihnachtsmarkt. Einige davon möchte ich Euch heute vorstellen. Auf geht’s zu meinem persönlichen Weihnachtsmarkt-Marathon – kommt einfach mit!

Foto: www.hamburg.de

Der bunte: Winterliches Weihnachtsdorf in Ottensen

Los geht’s bei mir um die Ecke in Ottensen. Ottensen ist ein bunt gemischter, fröhlicher und offener Stadtteil, der sehr beliebt von Familien mit kleinen Kindern ist. Vielen gilt Ottensen als der coolste und der hippste Stadtteil in Hamburg. Und so geht es auch auf dem Weihnachtsmarkt zu. Ich komme an und spüre sofort diese unverwechselbare Mischung aus Trubel, Vielfalt und Gemütlichkeit.

Ich sehe hier viele junge Familien, Studenten und auch einige ältere Menschen. Der Weihnachtsmarkt ist voll, aber bei Weitem nicht so überlaufen, wie der Weihnachtsmarkt am Rathausmarkt in der Innenstadt. Viele Stände sind großzügig überdacht. Das finde ich im Winter besonders praktisch, da der Wettergott es nicht immer gut mit Hamburg meint.

So wie der Stadtteil, so verbreitet auch dieser Weihnachtsmarkt Multikulti-Flair. Ich entdecke viele tolle Stände mit außergewöhnlichen Klamotten und Kunststücken aus aller Welt. Generell gibt es hier viel Alternatives, Esoterisches und Handgemachtes. Natürlich fehlen hier auch nicht die üblichen Stände mit Schmalzgebäck, Wurst und Crêpe. Doch auch als Vegetarier finde ich hier eine Menge leckere Sachen. Heute probiere ich zum ersten Mal Piadina – ein hauchdünnes Fladenbrot, das mit herzhaften Zutaten gefüllt wird. Ich finde, es schmeckt richtig gut.

Auch der Glühwein hat hier eine gute Qualität. Es gibt gleich mehrere Glühweinstände in der Ottensener Hauptstraße.  Ich persönlich bevorzuge den Glühweinstand in der Mitte, der direkt vor dem Mercado-Eingang liegt. Für meinen Geschmack ist der Glühwein hier nicht zu süß und immer angenehm heiß. Beliebt ist ansonsten auch der Tallin-Stand am Ende des Markts an der Kreuzung Bahrenfelder Straße. Besonders abends  bilden sich hier regelrechte Menschenansammlungen um die Bude.

Doch ganz besonders punktet der Weihnachtsmarkt mit einem vielseitigen Familienprogramm. Kult ist in Ottensen zum Beispiel das sonntägliche Puppentheater mit der Kinder-Puppenbühne. Auch das musikalische Mitmach-Theater von Hexe Knickebein ist sehr beliebt. In der Zwergenhütte können Kinder bis zwölf Jahre Selbstgebasteltes oder -gebackenes ohne Standgebühr verkaufen.

Wo: Das Weihnachtsdorf erstreckt sich vom Bahnhof Altona entlang des Einkaufszentrums Mercado bis hin zum Spritzenplatz

Wann: vom 21.11. bis zum 23.12.2016 (Montag bis Mittwoch 11 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Samstag 11 bis 22 Uhr und Sonntag von 12 bis 20 Uhr).

 

Der geile: Santa Pauli auf dem Spielbudenplatz

Weiter geht’s zum „geilsten Weihnachtsmarkt in Hamburg“ – dem berühmt-berüchtigten Santa Pauli. Auf zur Reeperbahn!

Krasser könnte der Gegensatz zum winterlichen Weihnachtsdorf in Ottensen nicht sein. Und auch wenn der Markt wirklich schön und originell ist – der Nachwuchs sollte hier lieber zu Hause bleiben. Sonst müssten die Eltern den Kleinen erklären, was es mit „Pornokaraoke“ und knackigen „Nussknackern“ auf sich hat. Aber der Reihe nach.

Santa Pauli ist ein Kult-Weihnachtsmarkt auf dem Kiez – und ein absolutes Muss für jeden! Hier trifft man ganz sicher das bunteste Publikum der Stadt – nicht nur Touristen, sondern auch schrille Gestalten der sündigen Meile. Die Stimmung ist lustig und entspannt. Alles macht den Eindruck von einer großen Familie.

Was mir sofort auffällt: Ich laufe auf dem Gelände wie auf Wolken. Ich schaue herunter und sehe, dass das gesamte Areal mit Rindenmulch ausgelegt ist. So läuft man auf einem angenehmen, federnden Untergrund und friert sich nicht die Füße ab – tolle Idee!

Auch hier findet man das traditionelle Weihnachtsmarkt-Sortiment, das sich mit eher frivolem Zubehör für Daheim mischt. So entdecke ich z.B. an dem Stand von WaldMichlsHoldi Holzspielzeug aus „leidenschaftlicher Handarbeit, ohne Weichmacher, mit 100% unbedenklichem Genuss“– mit intensiven Vibrationen. Überhaupt ist hier alles etwas anrüchig. Sogar die Becher sind ein Unikat, und viele Besucher verzichten auf das Pfand und behalten sie. Auch die Getränke haben sehr einschlägige Namen.

Insgesamt kommt aber der Weihnachtsmarkt sehr modern und aufgeräumt daher – und gar nicht ranzig. Entertainment wird hier ganz großgeschrieben. Auf einer Riesenbühne an einem Ende des Marktes wird ein gemischtes Programm aus Livemusik und Varieté angeboten.

Am anderen Ende befindet sich eine zweite Bühne mit dem „Winterdeck“. Hier flackern Kamine und Stehlampen; die Sofas laden zum Entspannen ein. Es wirkt sehr urig und verführt zum langen Trinkgenuss – vorausgesetzt, man steht auf Getränke wie Eiertrallala und Bordsteinschwalbe. Besonders praktisch ist die Lage des Weihnachtsmarktes: Danach kann man direkt auf dem Kiez weiter feiern. Zum Vorglühen kann ich besonders den Bratapfelpunsch empfehlen.

Und damit sich niemand erkältet, gibt´s eben noch das Strip-Zelt. Immer ab 19.30 Uhr finden im Stundentakt Vorführungen statt.

Wo: Mitten auf dem Kiez auf dem Spielbudenplatz

Wann: montags bis mittwochs von 16 Uhr bis 23 Uhr, donnerstags von 16 Uhr bis 24 Uhr, freitags bis samstags von 13 Uhr bis 1 Uhr und sonntags von 13 Uhr bis 23 Uhr. Das Winterdeck mit Kaminlounge hat täglich von 16 bis 22 Uhr auf.

Foto: www.hamburg.de

Der faire: Christgrindelmarkt

Ich mache mich nun auf den Weg zu einem ganz besonderen Markt – dem der Christgrindelmarkt auf dem Allendeplatz im Herzen des Grindelviertels. Inzwischen findet dieser Weihnachtsmarkt bereits zum 5. Mal statt. Ich persönlich finde es einfach sehr sympathisch, dass hier auf die Herkunft der angebotenen Produktpalette geachtet wird. Außerdem soll hier mit einer Spendenaktion erneut das Kinderhospiz Sternenbrücke unterstützt werden. Für mich sind das gute Gründe, um diesem Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten.

Dieser Weihnachtsmarkt ist besonders für Menschen geeignet, für die große Menschenansammlungen ein Graus sind. Der Christgrindelmarkt ist nämlich richtig klein, wenn nicht zu sagen: winzig. Wer aber auf Buden mit Strickwaren, Duftkerzen, Edelsteinen oder Räuchermännchen getrost verzichten kann, der wird sich hier wohl fühlen.

Der Christgrindelmarkt konzentriert sich dafür auf das Wesentliche. Hier gibt es alles, was Herz und Magen begehren: den tollen Winzerglühwein, das Nackensteak und die Bio-Würstchen aus Deutschland. Ich freue mich über einen Stand mit Falafel und veganen Burgern. Außerdem vorhanden: Ein Karussell, einige Ess- und Getränkestände und ein kleines Zelt, in dem manchmal auch Livemusik gespielt wird.

Mein Eindruck ist, dass sich hier vor allem Bewohner aus der Nachbarschaft, Studenten, flippige Leute und Liebhaber aus Verbundenheit zum Stadtteil rumtreiben. Die meisten sind sehr nett und unkompliziert. Auch ohne Glühwein kommt man mit vielen Menschen ins Gespräch. Und auch Familien mit Nachwuchs sind hier willkommen: Es gibt verschiedene Kinderattraktionen, eine Wichtelwerkstatt und Bühnenprogramm im überdachten und beheizten Kulturzelt.

Mein Fazit: Klein, fein, überschaubar und erinnert irgendwie an ein Nachbarschaftsstraßenfest.

Wann: Vom 21.11. bis zum 23.12.2016 (Montag bis Samstag von 12 bis 22 Uhr und Sonntag 12 bis 20 Uhr)

Wo: Allendeplatz im Herzen des Grindelviertels

Foto:www.hamburg.de

Der toleranteste: Winter Pride in St. Georg

Auf dem Weg nach Hause mache ich noch einen Abstecher beim Winter Pride in St. Georg. Der Winter Pride ist nach eigenem Bekunden der kleinste, dafür aber der toleranteste Weihnachtsmarkt in Hamburg.

Ich komme an und stelle fest: Es ist in der Tat ein kleiner Weihnachtsmarkt abseits vom Mainstream. Das wird allein schon an der Zahl der Buden deutlich, die an einer Hand abzuzählen sind. Da die Stände kreisförmig angeordnet sind, wirkt das Areal wie ein kleiner Marktplatz. Auch hier habe ich das Gefühl, es handelt sich um eine Art Nachbarschaftstreff. Ich bemerke zum Beispiel einen mit viel Liebe zusammengebastelten Fotokasten, der mit Weihnachtsdekoration um die Linse geschmückt wurde – nette Idee! Das Besondere am Winter Pride ist auch eine Einbindung verschiedener Vereine und Gruppen.

Durch seine überschaubare Größe wirkt der Weihnachtsmarkt sehr gemütlich. Doch seine wahre Größe entfaltet der Markt an Freitagen und Sonnabenden, wenn hier wechselnde DJs richtig coole Musik auflegen. An den Sonntagen präsentieren außerdem diverse Singer und Songwriter ihr Können. Daher eignet sich der Weihnachtsmarkt besonders gut als tolles Warm-up für das Partywochenende. Hier kommt die richtige Stimmung auf – garantiert!

Wo: Ecke Lange Reihe/Kirchenallee, wenige Meter vom Hauptbahnhof (Ausgang Kirchenallee)

Wann: Täglich von 12-22 Uhr und am Freitag und Sonnabend bis 24 Uhr.

So, das war mein Hamburger Weihnachtsmarkt-Marathon. Und was sind Eure Lieblingsweihnachtsmärkte in Hamburg?

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