Landungsbrücken in Hamburg

Beim Streifzug durch Hamburgs Straßen fallen immer mal wieder kleine Aufkleber mit kreativen Motiven, Graffitis mit lustigen Figuren, witzigen Sprüchen oder kreativ gestaltete Plakate auf. Streetart, in seinen unterschiedlichen Facetten, hat längst auch den hohen Norden erobert.
Die Streetart-Szene Hamburgs blüht immer weiter auf und beweist, dass die Hansestadt viel mehr zu bieten hat als Musicals, Museen, Alster und Hafen. Zu den Hot-Spots für Streetart in Hamburg gehören vor allem das Gängeviertel, St. Pauli, die Schanze und das Karoviertel. Da alle Viertel im Stadtzentrum recht eng beieinanderliegen, kann man ganz einfach fußläufig und in relativ kurzer Zeit, viele der kreativen Motive entdecken. Da der Hype um die neue urbane Kunstform immer größer wird, gibt es in Hamburg auch geführte Streetart-Touren, bei denen man interessante Facts zu den Kunstwerken und Motiven sowie deren Künstler erfährt und im Anschluss auch selbst seine Streetart-Talente testen kann.

Streetart in hamburg

Streetart in Hamburg

 Gängeviertel in Hamburg

Das Gängeviertel: Eine Streetart-Oase in der Hamburger City

Auf eigene Faust startest Du die Hamburger Streetart-Tour am besten in der Innenstadt, genauer gesagt im Gängeviertel. Von der U-Bahnstation Gänsemarkt einige Gehminuten entfernt liegt, zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße, der besagte Gebäudekomplex mit romantischen bewachsenen Hinterhöfen und kleinen Zwischengassen. Den verwunschenen Charme alter Tage unterstreichen, inmitten von Neubaukomplexen und mit Blick auf gläserne Bürogebäude, einzig noch ein paar der alten angrenzenden Fachwerkbauten. Im Gängeviertel haben sich mittlerweile zahlreiche Künstler niedergelassen, die unter der Initiative „Komm in die Gänge“ einen Raum für Kreative und ein „Quartier mit kulturellem und sozialem Nutzen“ schaffen und erhalten wollen. Beim Eintritt in die kleine künstlerische Oase bleiben die Blicke gleich an zahlreichen Installationen, Murals (großflächige Bilder an Außenwänden), bunten Graffitis, coolen Stencils (Schablonen-Kunst) sowie einem Gewächshaus und entsprechendem Urban Gardening hängen. Unzählige Formen von Street Art sind hier auf nur einem Fleck vertreten. Ein Eyecatcher ist die riesige Urban Art Wall mit dem atemberaubenden Mural „Black Widow“, des Künstlers Nychos.

Black Widow in Hamburg

St. Pauli: Prädikat „Künstlerisch wertvoll“

Weiter geht die Hamburger Streetart-Tour in St. Pauli, an der U-Bahnstation Feldstraße. Am angrenzenden Heiligengeistfeld, einem riesigen Veranstaltungsgelände, wo ein großer Bunker das Stadtbild prägt, befindet sich auch das Fußballstadion des FC St. Pauli. An einer Wand des Millerntor Stadions erstrecken sich jeweils wechselnde Auftrags-Graffiti der „Viva con Agua“-Initiative, die für den weltweiten Zugang zu sauberem Trinkwasser kämpft. Auch der Hamburger Künstler Rebelzer, der auf St.Pauli seinen eigenen Laden besitzt und vor allem durch seine „Freaks“- Figuren bekannt geworden ist, verschönerte schon einige Male diese Wand. Weiter geht es durch die Straße Neuer Pferdemarkt und vorbei an Plakatwänden, die auch die Hamburger Crew Los Piratoz schon für ihr Adbusting – das Verändern oder Verfremden von bereits vorhandener Werbung – nutzte. Beim Grünen Jäger und in der Wohlwillstraße, wo sich am Wochenende das Partyvolk tummelt, entdeckst Du in den Hof- und Hauseingängen mit Schablonen-Technik umgesetzte Motive, 3-D-Grafiken und Graffitis von Künstlern wie Dave the Chimp oder Push. Weiter in der Simon-von-Utrecht-Straße, die parallel zur Reeperbahn läuft, blickst Du immer wieder auf mit Stickern beklebte Straßenlaternen oder mit Graffiti bemalte Hauswände. Angekommen im künstlerisch inszenierten „Parc Fiction“, an der Antonistraße, eröffnet sich der Blick auf den Hamburger Hafen. Im Park gibt es zahlreiche kleine Grüninseln, die zum Chillen und Grillen einladen, und kreative Installationen wie Stahlaufsteller in Palmenform. Der Kunst sind eben keine Grenzen gesetzt.

Streetart in Hamburg – Von Pros lernen und Leidenschaft wecken

Und weil das auch in Zukunft so weitergehen soll, will der Verein Hamburger Street Art School auf St. Pauli, auch beim Nachwuchs und allen Interessierten, die Leidenschaft für Streetart in Hamburg wecken, Ideen austauschen und „Hamburg im Weltranking der Street Art nach oben pushen“. Da passt es ganz gut, dass in Hamburg in den kommenden Monaten eine ganze Reihe kultureller Höhepunkte und Kunstfestivals anstehen: Das internationale Kunst- Musik- und Kulturfestival Millerntor Gallery im Millerntorstadion (29. Juni – 02. Juli), das MS Artville Festival (29. Juli – 12. August) mit Open-Air Gallerie und Kunstinstallationen in Hamburg-Wilhelmsburg und das deutsch-mexikanische Urban Art Festival Cartel del Arte (19.- 25.Juni).

Karo- und Schanzenviertel: Geballte Kreativität mit Botschaft

Zurück an der Bahnstation Feldstraße, führt der Weg auf die gegenüberliegende Straßenseite ins Karoviertel. Das ehemalige Arbeiterviertel gehört heute zu den wichtigsten Vierteln für Streetart in Hamburg und den hippsten Wohngegenden, mit entsprechend angestiegenen Mieten. Für die Streetart-Szene gerade der richtige Ort um auf soziale Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen und sich kreativ auszuleben. In den Hauseingängen und an den Wänden zwischen den zahlreichen Boutiquen und Bioläden in der Marktstraße findet sich dafür immer wieder Platz.

Streetart im SchanzenviertelStreet Art im Schanzenviertel

 

Ähnlich verhält es sich im angrenzenden Schanzenviertel und den Straßen Sternstraße, Schanzen-, Bartels- und Susannenstraße, der S-Bahnbrücke Sternschanze und dem Schulterblatt, dem Herzen des Viertels. Immer wieder blickt man in Haus- und Hinterhofeingänge, Toreinfahrten und auf Außenfassaden sowie vereinzelte Straßenschilder, die bunt bemalt, beklebt oder originell verziert sind. Besonders rebellisch und system- und sozialkritisch umgesetzt an der Roten Flora, dem autonomen Kulturzentrum.

Faszination Streetart in Hamburg

Am Ende Deiner Streetart-Tour wird deutlich, dass Streetart soviel mehr ist, als nur Graffiti-Tags, mit denen einige Künstler ihr „Revier markieren“. Mal ironisch, rotzig, verträumt, zum Nachdenken anregend oder einfach nur als schöne Eyecatcher platziert, Streetart soll auffallen und seine Betrachter visuell und emotional erreichen. Künstlerisch wertvoll ist diese dynamische, im Allgemeinen unkommerzielle Kunst im öffentlichen Raum allemal und für die kreativen Köpfe dahinter, oftmals nicht weniger als ein ganz besonderes Lebensgefühl. Kein Wunder, denn der Faszination Streetart kann man sich kaum entziehen, wenn man erst einmal den Blick und Sinn für diese besondere Kunstform entwickelt und erkannt hat.

 

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