Blick von der Alster auf HamburgLiebes Hamburg,

zum ersten Mal gesehen habe ich dich 2005. Ich war auf der Stelle verliebt. Du warst so dezent, so höflich, so herrlich unprätentiös – und trotzdem voller Würde. Wir haben fünf unvergessliche Tage im Mai miteinander verbracht. Und wenn ich heute zurückdenke, dann sehen die Erinnerungen in meinem Kopf wie Glanzfotos aus: strahlende Sonne, wolkenloser Himmel – und Wasser, überall Wasser. Diese warmen, großzügigen Sonnenstrahlen und das bunte Sprachengewirr an jeder Ecke gaben mir das Gefühl, irgendwo im Ausland zu sein. Vielleicht war das dieses Urlaubsfeeling, das mich damals so umgehauen hat. Allein dein Name: Die Freie und Hansestadt Hamburg! Du warst so anders, als all die anderen Städte, die ich bis dahin gesehen habe.

Wir verbrachten unsere Tage draußen an der Alster, nachts feierten wir in deinen legendären Clubs, als gäbe es kein Morgen. Im Morgengrauen schlenderte ich über den erwachenden Fischmarkt. Hungrig und wie im Rausch erkundete ich deine Straßen, Shops und Parks. Mit dir war alles neu, alles aufregend. Du warst meine erste richtige Großstadt. Ich war Anfang 20 und ich war mir sicher: Wir werden uns nie wieder trennen.

Doch dann kam ich nach Hause ins Ruhrgebiet, und das alte Leben hatte mich wieder. Ich war gebunden an eine andere Stadt, mit der ich durch dick und dünn gegangen bin. Ich habe dort studiert, es gab gemeinsame Freunde, meine Familie wohnte ganz in der Nähe. Die Stadt war ganz anders als du: bodenständig, genügsam, unkompliziert. Zu Hause stellte ich schnell fest: Ich war noch nicht bereit, das alles aufzugeben. Die Erinnerungen an unsere Romanze, liebes Hamburg, verblassten mit der Zeit, und es dauerte fast zehn Jahre, ehe wir uns wiedersahen.

In diesen zehn Jahren gab es hin und wieder kurze Abenteuer mit anderen Großstädten. Doch München war mir zu Schickimicki, Düsseldorf nicht aufregend genug, Berlin zu aufregend. An manchen Tagen habe ich an dich gedacht: an deine Klasse, deine schlichte Eleganz – und deine bestechende, ehrliche, hundertprozentige Lebensfreude. In meiner Erinnerung warst du nicht zu edel, aber auch nicht zu schnöde. Nicht spießig, aber auch nicht ranzig. Ich habe die anderen Städte ständig mit dir verglichen, und keine Stadt war so wie du.

Ich vermisste dich schrecklich. Die Sehnsucht wurde mit den Jahren nur größer. Manchmal kramte ich alte Fotos raus und betrachtete sie stundenlang. Wie jung wir damals waren! Wie unbeschwert war diese Zeit! Und ja, ich gebe es zu: Ich habe dich sogar gegoogelt: „Hamburg Sehenswürdigkeiten“, „Hamburg Hafen“, „Hamburg Landungsbrücken“. Ich wollte wissen, ob du dich verändert hast. Die Jahre vergingen, doch du warst wie immer: wunderschön. Irgendwann kannte ich auch diese Bilder auswendig.

Hamburg

Nach zehn Jahren trafen wir uns wieder. Es war, wie so oft im Leben, ein Zufall, ein geschäftlicher Termin, der uns zusammenführte. Ich war so aufgeregt, wie schon lange nicht mehr. Bist du immer noch so, wie in meinen Erinnerungen? Oder bist du mir doch fremd geworden? Nimmst du mich überhaupt noch an? Ich hatte Angst, enttäuscht zu werden. Als der Zug langsam in die Stadt einrollte und ich die ersten Blicke aus dem Fenster warf, da war es wieder: Dieses Gefühl, dass wir zusammengehören.

Diesmal fand unser Treffen im November statt, doch auch diese raue Tristesse stand dir sehr gut. Ich erinnere mich, wie ich in einem überfüllten Café in den Hamburger Schanzenhöfen saß und meinen frisch aufgebrühten Kaffee trank – einen der besten in der Stadt. Ich konnte es nicht fassen, wieder hier zu sein. Es war so, als hätte sich eine unsichtbare Tür in Raum und Zeit geöffnet, durch die ich in meine Vergangenheit treten konnte. Ich lief durch die Stadt, sog deine Luft ein und war unendlich glücklich! So frei, so verstanden, so zu Hause habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt.

Wir schauten uns an und wussten diesmal beide: Wir werden uns nie wieder trennen. Hier, in Hamburg, kann ich endlich ankommen. Hier kann ich Wurzeln schlagen – oder, wie man hier in Hamburg wohl eher sagen würde: Anker werfen. Und wie zum Beweis kamen schnell Familie und Kind dazu. Du warst bis jetzt sehr großzügig zu mir, liebes Hamburg!

Ich danke dir für alles.

In Liebe,

Jenia

 

Jenias Lieblingsplätze & Tipps für die Hansestadt

 

Schanzenviertel

Einer meiner Lieblingsplätze in Hamburg ist das Schanzenviertel – oder kurz einfach Schanze genannt. Das Viertel ist geprägt durch viele Szenen-Bars und vielfältige Gastronomie- und Einkaufsmöglichkeiten. Kurzum: die Versuchung lauert hier an jeder Ecke.

Hardenberg, Schanzenstr. 79 

Da muss ich auch immer hin: „Hardenberg“ liegt ganz in der Nähe der S-Bahn Sternschanze. Ein heller, schön eingerichteter Laden, der stylische, unaufgeregte, vor allem skandinavische Mode in seinem Sortiment hat. Und das Beste: Hier spielt auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Marken, die bei Hardenberg angeboten werden, arbeiten mit Organic Cotton oder sind Fairtrade- zertifiziert.

Strandkorb

Schabi’s Fischimbiss, Schulterblatt 60

Schulterblatt ist der Mittelpunkt des Schanzenviertels. Hier liegt meiner Meinung nach die beste Fisch-Imbissbude in Hamburg. An einem Samstagnachmittag braucht man schon mal Glück, um einen freien Tisch zu bekommen – obwohl der Laden von außen eher bescheiden aussieht. Doch das lange Warten lohnt sich, denn das Essen hier schmeckt einfach ausgezeichnet. Dass es hier die besten Pommes in der Stadt gibt, steht für mich außer Frage. Zum Mitnehmen gibt’s auch Fisch im Fladenbrot.

Elbgold

Foto: Elbgold 

Elbgold Röstkaffee, Lagerstr. 34c

Die kleine Privatrösterei ist ein Kaffeemekka für Kaffeeliebhaber. Es ist ein Fachgeschäft mit selbst gerösteten Bohnen und Kaffeebar zugleich. Hier bekommt man einen der besten Kaffees der Stadt, der zudem auch noch fair gehandelt ist. Alle Kaffeesorten gibt es auch zum Mitnehmen. Einen Cappuccino bekommt man hier ab 2,50 Euro, Filterkaffe ab 2,00 Euro.

Japanischer Garten Foto: Berndt Andresen

 

Planten un Blomen

Der Planten un Blomen ist der Park in Hamburg und von der Lagerstraße wunderbar fußläufig zu erreichen. Der Park gilt als das grüne Herz der Stadt und hat neben einem Botanischen Garten mit Tropenhaus den größten Japanischen Garten Europas. In diesem Park vergisst man sofort den Alltag und hat das Gefühl, in einer ganz anderen Welt zu sein. Das Besondere am Park ist auch sein vielfältiges Programm. Im Sommer kann es an Wochenenden richtig voll werden.  Ob Marionetten-Theater oder alljährliche Kinderfeste: der Besuch ist besonders für Familien ein Muss – zumal alle Veranstaltungen gratis zu besuchen sind.

Kommentare

    Norman

    Heimweh hatte ich auch, als ich vor kurzem, erstmalig Eure Stadt besucht habe, und mir auch einen Mietwagen in Hamburg genommen habe, um ein wenig das Umland zu erkunden. Das Heimweh war allerdings nach unseren Bergen in der Schweiz, bei Euch ist alles flach

    19/02/2017 at 4:25 pm

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