Zu keiner anderen Zeit im Jahr wird die bayerische Kultur in München so sehr gelebt wie zur Oktoberfestzeit. Das äußert sich nicht nur im Kleidungsstil und in verschiedenen Traditionen – sondern ganz besonders auch in der Sprache. Wer nicht mit bayerischem Dialekt aufgewachsen ist, versteht auf der Wiesn oft nur Bahnhof. Deshalb gibt es hier nun einen kleinen Crashkurs für den erfolgreichen Oktoberfestbesuch.

Das Wichtigste zuerst: Festbier auf der Wiesn

Auf dem Oktoberfest dreht sich alles um Essen und Trinken. Auf den Tisch kommen bayerische Schmankerl und vor allem natürlich Bier. Das traditionelle Festbier ist ein süffiges „Helles“, das als „Maß“ – also literweise – getrunken wird. Die „Hoiwe“ (der halbe Liter Bier) ist gerade noch akzeptabel. Das „Quartl“ (ein Viertelliter Bier) wird auf der Wiesn dagegen mit Verachtung gestraft. Immer mehr Oktoberfestbesucher lassen sich ihr Helles auch mit Zitronenlimonade mischen, so entsteht ein „Radler“.

Fast schon ein exotisches Getränk auf der Wiesn ist das „Weißbia“ (Weizenbier), das meist nur in den kleineren Bierzelten ausgeschenkt wird. Mit Zitronenlimonade gemischt entsteht hier ein „Russ“, der in München immer beliebter wird. Nachbestellt wird übrigens schon, wenn nur noch ein „Noagerl“ (ein kleiner Rest) im Glas oder das Bier „lack“ (abgestanden) ist. Denn länger als nötig möchte niemand auf dem Trockenen sitzen. Nach dem Essen gibt es traditionell ein „Schdamperl“ (ein Gläschen Schnaps) zur Verdauung.

Vom „ozapfa“ spricht man übrigens, wenn das Bierfass angestochen wird. Das erste Fass sticht jedes Jahr traditionell der Münchner Oberbürgermeister mit den Worten „O’zapft is!“ an. Danach werden zwölf Böllerschüsse abgegebenen. Für die anderen Wiesnwirte das Signal, dass sie nun offiziell mit dem Ausschank beginnen dürfen.Gespann mit Kaltblütern, Bayerisch für Anfänger

Die sieben traditionellsten Gerichte auf dem Oktoberfest

Fast genauso wichtig wie das Bier ist auch das Essen auf der Wiesn. Die bayerische Küche ist deftig und vielseitig, verhungern wird hier garantiert niemand. Und das sind die beliebtesten Gerichte, die auf dem Oktoberfest bestellt werden:

  • Hendl (gegrilltes Huhn) – auf dem Oktoberfest auch „Wiesn-Hendl“ genannt. Dazu gibt es ein „Weckerl“ (Brötchen) oder einen „Erdäpfesalood“ (Kartoffelsalat)
  • Obazda (eine bayerische Käsespezialität mit Camenbert, Paprika, Zwiebel, Kümmel und Butter) – am liebsten in Kombination mit einer „Brezn“ (Laugenbreze)
  • Schlachtschüssl (eine deftige Mahlzeit bestehend aus Würsten und Fleisch)
  • Wammerl (Bauchfleisch) – wird oft mit Sauerkraut gegessen
  • Gneedl (Knödel) – „Kartoffegneedl“ werden aus Kartoffeln und „Semmegneedl“ aus altem Brot hergestellt
  • Spofackl (Spanferkel) – wird am Spieß gebraten
  • Steckerlfisch (gebratener Fisch am Stiel) – eine Spezialität im Bierzelt Fischer Vroni

Eher belächelt werden auf dem Oktoberfest die sogenannten „Kerndlabosti“ (Körner-Apostel), also Vegetarier. Denn zu viel „Greazeigs“ (Grünzeug) ist bei den traditionellen Bayern gar nicht gerne gesehen. Zu den leckersten Desserts gehören auf der Wiesn „Opfestrudl“ (Apfelstrudel), „Reiwadatschi“ (Kartoffelpuffer) und die „Dampfnudl“ (Hefekloß mit Vanillesoße).Bayrische Spezialitäten, Bayerisch für Anfänger

Beliebte Beschäftigungen auf der Wiesn

Langweilig wird es auf dem Oktoberfest bestimmt nicht. Dafür sorgen auch die Lieblingsbeschäftigungen der Bayern, die im Bierzelt nicht zu kurz kommen dürfen. Da gibt es zum Beispiel das beliebte „Maßkruagstemma“, bei dem zwei Teilnehmer eine Maß am ausgestreckten Arm halten. Wer zuerst aufgibt, hat verloren. Beim „Fingahackln“ werden die Mittelfinger eingehakt. Wer es schafft, den Gegner über den Tisch zu ziehen, ist der Gewinner. Natürlich wird auf der Wiesn auch viel geflirtet. Ein beliebter Annäherungsversuch ist das „Fuaßln“, die heimliche Kontaktaufnahme mit dem Fuß unter dem Tisch.

Falls es München ohne Oktoberfest sein soll: München-Tipps für Nicht-OktoberfestgängerBayrisches Riesenrad, Bayerisch für Anfänger

Zoff und Frotzln gehören auch dazu

Wenn der Alkohol in Strömen fließt, kann es auf der Wiesn auch mal Zoff geben. Unter den Bayern ist das oft nur ein harmloses „frotzln“ oder „tratzn“ (ärgern). Da wird sich gerne als „Großkopfada“ (Wichtigtuer), „Bazi“ (Gauner), „beleidigte Lebawurscht“ (eingeschnappter Mensch) oder „Ratschkathl“ (schwatzhafte Frau) bezeichnet. Zu den wenig schmeichelhaften Attributen gehören auch „damisch“ (dumm), „greisli“ (grässlich) oder „schiach“ (hässlich).

Um lästige Gesellschaft loszuwerden, reicht oft ein lautes „Schleich de!“ oder auch „Zupf de!“ (Verschwinde!). Wer sein Gegenüber zum Schweigen bringen möchte, sollte es mit einem energischen „Hoit dei Bappn!“ (Halt den Mund!) versuchen.Männer in bayrischen Lederhosen, Bayerisch für Anfänger

Das Oktoberfest – immer eine Fetzngaudi

Zum Glück braucht niemand tiefgehende Bayerischkenntnisse, um sich auf der Wiesn zurechtzufinden. Denn auch wenn die Münchner auf den ersten Blick ein bisschen ruppig erscheinen, nehmen sie ihre Gäste immer herzlich auf. Deshalb gibt es auf dem Oktoberfest in „Mingga“ (München) garantiert eine „Fetzengaudi“ (Heidenspaß) und am Ende des Tages wird der ein oder andere vielleicht sogar mit ein paar neuen „Freinden“ (Freunden) nach Hause gehen.Bayrische Blaskapelle, Bayerisch für Anfänger

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