Dome-of-the-rock

Als ich das erste Mal Jerusalemer Boden betrat, hasste ich die Stadt. Das Wetter ist kühler als in Tel Aviv und die große Action spielt sich hier auch nicht gerade ab. Stattdessen wirkt Jerusalem auf viele Touristen eher beklemmend. Man geht halt ins Museum oder zu den religiösen Stätten in der Altstadt. Wer damit fertig ist, entschwindet gerne wieder in Richtung Küste.

Das war bei mir nicht anders. Ich beschränkte deswegen meine Fahrten nach Jerusalem auf ein Minimum. Dann aber veranstaltete die Jewish Agency ein Seminar und ich musste notgedrungen wieder dorthin. Und während der Tage, die das Seminar dauerte, schwenkte mein Hass plötzlich in Liebe um. Ich beschloss sogar: “Hier wollte ich einmal wohnen” – und das tue ich heute auch.Was passiert war? Ich lernte die Stadt und ihre Bewohner besser kennen. Kurzum: Ich entdeckte all das Positive.

streets-of-jerusalemIn den Sommermonaten riecht es in vielen Stadtteilen unverwechselbar nach Nadelhölzern. Überall in der Stadt finden sich Parks, Wälder oder Grünanlagen. Die Bewohner der Stadt sind ein individueller Menschenschlag. Auf den ersten Blick geht jeder seinen Alltagsgeschäften nach, doch sobald jemand Hilfe braucht, sind sofort mehrere Menschen da um zu helfen. Fällt eine Person auf der Straße hin, ist immer ein Passant da, der nicht zögert. Obwohl die Stadt mehrere Hunderttausend Einwohner hat, wurden wir alle durch die zahlreichen Terroranschläge zusammen geschweißt. Dieses Gefühl ist einem Außenstehenden nur sehr schwer zu vermitteln.

Eine besondere Architektur hat die Stadt nicht. Fast alle Gebäude sind mit dem besonderen “Jerusalemstein” verputzt, der die Fassaden nicht so kalt erscheinen lässt, wie andernorts in Israel. Schickimicki ist in Jerusalem weniger angesagt. Die Stadt ist eine Stadt der einfachen Leute. Zwar handelt es sich bei Jerusalem nicht unbedingt um eine Arbeiterstadt, dennoch wohnen hier zumeist gerade die “kleinen Leute“.

Jerusalem ist vermutlich der Ort, an dem die meisten Einladungen zu Schabbatessen erfolgen. Niemand braucht zu hungern und innerhalb der jüdischen Community existiert eine Hilfsbereitschaft die weltweit ihresgleichen sucht. Bestes Beispiel hierfür ist die Klagemauer am Schabbat. Jede Woche finden wir vor der Klagemauer einen Rabbiner, der nach dem Schabbatgottesdienst einen öffentlichen “Kiddusch“ (Segnung des Weines“) gibt. Jeder wird vom Rabbiner eingeladen. Egal, ob Jude oder nichtjüdischer Tourist. Aber das ist noch nicht alles, denn besagter Rabbiner lädt danach alle Anwesenden zu einem Schabbatmahl zu sich nach Hause ein. Allein das ist einmalig auf der Welt !

Wer in Jerusalem normal sein will, kann das tun. Wer so richtig durchgeknallt leben will, der kann dies ebenso tun. Obwohl die Jerusalemer einen eher konservativen Ruf genießen, ist die Stadt dennoch tolerant. Wer sich einleben will, den wird die Stadt nicht ablehnen.

people-jerusalem
© lebeninjerusalem.wordpress.com

Kommentare

  • W. Grisk-Simoni

    Es ist eine Freude diesen sehr anrührenden Kurzbericht zu lesen!
    Da kommt bei mir Schwärmerei hoch,ich bin ein Israelfan!
    Jerusalem,die Stadt zum beten, Haifa die Stadt zum arbeiten,Tel Aviv die Stadt zum austoben!
    Haifa wäre meine Stadt nicht unbedingt der Arbeit wegen( auch deswegen) das Klima wäre
    Meins!
    Danke!

    03/05/2014 at 4:10 pm
  • Ruth

    Ich war schon 7 x in Israel und jedes Mal in Jerusalem – und ich hoffe, es war nicht das letzte Mal! (1x Israel – immer Israel)

    02/05/2014 at 11:54 am
  • Anonymous

    Vielleicht schaff ich es ja noch mal….
    ich wollte es immer

    Elisabeth Külls

    01/05/2014 at 8:13 am

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