Beim Thema Individualreisen denken die meisten von uns sofort an Australien, Neuseeland, Thailand oder Indonesien. China gehört dagegen zu den Ländern, die die meisten Menschen bestenfalls im Rahmen einer organisierten Tour bereisen. Aber ist es wirklich so kompliziert, das Reich der Mitte auf eigene Faust zu erkunden?

Franziska auf der Chinesischen Mauer

Warum ausgerechnet China?

 

Es gibt eine Menge Gründe, die für eine Reise nach China sprechen. Zum einen ist das Land mit knapp zehn Millionen Quadratkilometer Fläche und rund 1,4 Milliarden Einwohnern unheimlich groß und dementsprechend vielseitig. Berge, Seen, Felsformationen, Strände und natürlich die lebendigen Großstädte – in China gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt.

Neben den vielseitigen Landschaften ist es auch die faszinierende Kultur, die China als Reiseland so interessant macht. Die chinesische Kultur gehört zu den ältesten der Weltgeschichte und hat darüber hinaus die längste Kontinuität. Die teils Jahrhunderte alten Sehenswürdigkeiten ziehen Besucher aus aller Welt in ihren Bann.

China Food

Die chinesische Küche ist natürlich das Sahnehäubchen der Reise: Die meisten der 23 Provinzen verfügen über eigene Regionalküchen, die sich oft stark unterscheiden. Besonders beliebt ist die ausgewogene und vielseitige kantonesische Yue-Küche. Viele Reisende schwören aber auch auf die würzige Chuan-Küche aus Sichuan, die berühmt für Sojasaucen, Ingwer, Chili und Frühlingszwiebeln ist.

China ist außerdem noch immer ein Reiseziel, das die meisten westlichen Touristen nicht auf dem Schirm haben. Die Chance, im Hostel ausschließlich auf deutsche Backpacker zu treffen, ist im Gegensatz zu Australien und Co. verschwindend gering.

 

Was spricht gegen China als Reiseland?

 

Wer nach China reist, sollte sich bewusst sein, dass es eine Sprachbarriere geben wird. In den größeren Städten – wie beispielsweise Peking und Shanghai – und in touristischen Orten ist es relativ einfach, auf Englisch zu kommunizieren. Schwieriger wird es in kleineren und abgelegenen Orten. Die besten Chancen hat man hier bei jüngeren Menschen, da Englisch erst seit rund 20 Jahren in chinesischen Schulen unterrichtet wird.

Eine weitere Hürde ist die restriktive Visapolitik, mit der sich Individualreisende zwangsweise auseinander setzen müssen. Das Visum muss vor der Einreise beantragt werden. Um die 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, müssen ein ausgefülltes Antragsformular mit Passfoto sowie Buchungsbestätigungen für Flüge und Unterkünfte eingereicht werden.

Die Chinesische Mauer

Laufen auf der Chinesischen Mauer

Auch die chinesische Politik ist ein Faktor, der viele Backpacker von einer Reise in das Reich der Mitte abhält. Grundsätzlich ist China natürlich nicht das einzige Land, in der Menschenrechtsverletzungen und Zensur zum traurigen Alltag gehören. Individualreisende sollten sich allerdings bewusst sein, dass Kritik an der chinesischen Regierung bei der Bevölkerung für Unmut sorgen kann. Wer nach China reist, sollte seine politische Meinung deshalb lieber für sich behalten.

Last but not least ist es auch wichtig zu wissen, dass das Internet in China stark zensiert ist. Facebook, Twitter, Google, Wikipedia und viele Nachrichtenseiten sind gesperrt und können oft nur mit einem VPN-Service genutzt werden.

Ist China ein sicheres Reiseziel?

 

China ist ein sehr sicheres Reiseziel und kann gefahrlos auch individuell bereist werden. Selbst die in vielen Großstädten üblichen Taschendiebstähle sind hier kaum ein Thema – noch viel seltener kommt es zu Übergriffen auf westliche Touristen. Gefährlich wird es höchstens im chaotischen Straßenverkehr. Die Busse und Züge bieten dagegen hohe Sicherheitsstandards, sodass die meisten Individualreisenden öffentliche Verkehrsmittel einem Mietwagen vorziehen.

Obwohl viele Chinesen kein Englisch sprechen, sind sie dennoch offen und kontaktfreudig. Auch wenn ihre Art im ersten Moment ein bisschen schroff erscheint, sind sie grundsätzlich hilfsbereit und freuen sich über neue Bekanntschaften. Außerhalb der Großstädte werden westlich aussehende Touristen grundsätzlich angestarrt. Das ist allerdings auf den unbekannten Anblick zurückzuführen und sollte auf keinen Fall als Belästigung gedeutet werden.

Die medizinische Versorgung ist in den größeren Städten sehr gut – die Krankenhäuser sind modern und entsprechen westlichen Standards. Die Kliniken auf dem Land sind dagegen zum Teil noch relativ einfach ausgestattet. Auch bei Gesundheitsfragen kann es immer wieder zu Sprachbarrieren kommen, da nicht alle Ärzte ausreichend Englisch sprechen. Individualreisende sollten deshalb immer eine eigene Reiseapotheke im Gepäck haben.

Was sind die Reisehighlights in China?

 

China ist riesig und wer das Land individuell bereisen möchte, hat die Qual der Wahl. Praktischerweise konzentrieren sich viele Sehenswürdigkeiten rund um die Hauptstadt Peking. Dazu gehören natürlich die Große Mauer, der Himmelstempel, die Ming-Gräber, der neue Sommerpalast und der Kaiserpalast – auch bekannt als Verbotene Stadt.

Markt in Peking

Weltberühmt ist auch der Berg Tai Shan in der Provinz Shandong, der zu den fünf heiligen Bergen Chinas gehört. Auch der Gelbe Berg (Huang Shan) in der Provinz Anhui ist definitiv einen Besuch wert. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in China gehört darüber hinaus die Terrakotta-Armee in Xian. Sie befindet sich im Mausoleum Qín Shǐhuángdìs und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte sich die einzigartige Berglandschaft des Lushan-Nationalparks in der Provinz Jiangxi nicht entgehen lassen.

Tor in Shanghai

Zu den modernen Wahrzeichen von China gehört der Oriental Pearl Tower in Shanghai. Mit 468 Metern ist er der höchste Fernsehturm in Asien. Shanghai gilt außerdem als Shopping- und Partymetropole und ist bekannt für den extremen Gegensatz aus futuristischer Architektur und traditioneller Bauweise. Ein schönes Beispiel dafür ist der Yuyuan Garden, der die Landschaftsarchitektur der Ming-Ära repräsentiert. Sogar Sonnenanbeter kommen in China auf ihre Kosten: Besonders beliebt für einen Strandurlaub ist die Tropeninsel Hainan.

Restaurant in Shanghai

China individuell bereisen? Lohnt sich definitiv!

 

China wird gerne als das schwierige Reiseziel dargestellt, das es eigentlich überhaupt nicht ist. Ganz im Gegenteil: Die hohe Sicherheit, die landschaftliche und kulturelle Vielfalt und die Offenheit der Chinesen machen die Volksrepublik zu einem idealen und vor allem auch spannenden Individualreiseziel. Mit ein bisschen Abenteuerlust, Aufgeschlossenheit und Improvisationstalent lässt sich eine Chinareise ohne Probleme selbst organisieren. Und die vielen Geschichten, die das Reich der Mitte zu erzählen hat, sind definitiv eine Reise wert.

Strassenschilder in Shanghai

 

Kommentare

    Bob

    Hallo Franzi, danke für den tollen Artikel! Ich mag deine Haltung, Offenheit und Leidenschaft für das Reisen. Ich stimme Ihnen zu, dass China so ein großes und erstaunliches Land mit so viel zu bieten hat, und es ist definitiv eine individuelle Reise nach China in die großen Städte sowie schöne ländliche Landschaft wert.

    21/09/2017 at 8:55 am
    ZurWelt

    Vielen Dank für die hilfreichen Tipps! Völlig stimme zu, dass es für Ausländer schwierig sein kann, selbst in China zu reisen, wegen der Sprachbarriere und der schiere Größe von China. Aber es lohnt sich auf jeden Fall und wird Ihnen sicherlich tolle Erfahrungen und Erinnerungen hinterlassen. Also entweder reisen Sie selbst oder planen Sie eine organisierte China Reise, entweder man arbeitet!

    30/08/2017 at 5:35 pm

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