„Moment mal!“ schrecke ich auf. Während ich die Karte unter dem Sitz hervorziehe, zeige ich mit meiner freien Hand meinem Freund am Steuer, dass er vom Gas gehen soll. „Hätten wir nicht schon längst mal links abbiegen müssen?“

Unser Geländewagen steht mitten auf einer Schotterpiste in Namibia. Die Luft flimmert in der Hitze und der Staub setzt sich auf der Windschutzscheibe ab. In Afrika eine Abzweigung zu übersehen, kann ein fataler und vor allem langwieriger Fehler sein. Daher fahren wir lieber ab und zu mal kurz ran und werfen einen Blick auf die Karte.

Und tatsächlich sind wir bereits zu weit gefahren, aber noch lässt sich der Fehler leicht korrigieren. Als wir von der Karte aufblicken, werden wir dafür auch gleich noch belohnt. Eine Oryxantilope, auch als Spießbock bekannt, schaut skeptisch hinter zwei Büschen hervor. Während die meisten ihrer Artgenossen gerne schnell abhauen, haben wir nun die Gelegenheit sie genauer vom Auto aus zu beobachten. Einer von vielen tierischen Momenten, die eine Rundreise durch Namibia einzigartig machen.

Oryxantilope in Namibia

Roadtrip durch Namibia

Die meisten Rundreisen beginnen in der Hauptstadt Windhoek. Es ist die größte Stadt des Landes, und hier bekommt man von Mietauto über Fahrtsnacks und Campingausrüstung so ziemlich alles was man braucht für eine Rundreise. Sogar Spar-Supermärkte gibt es hier mit einigen deutschen Produkten. Das kommt nicht von ungefähr, vor über hundert Jahren war Namibia, damals als Deutsch „Südwestafrika“ bekannt, eine deutsche Kolonie. Noch heute ist der deutsche Einfluss groß und die Nachkommen der deutschen Einwanderer stellen eine bedeutsame Minderheit im Land mit ca. 20.000 Menschen.

Vogelnester der Webervögel in der Kalahari

Die Kalahari

Eine der beliebtesten Routen mit dem Mietauto durch Namibia, führt von Windhoek zunächst in die Kalahari, eine der beiden großen Wüsten, die in Namibia liegen. Bekannt für den roten Sand und mit den ersten Wildlife-Safaris auf Farmen ein guter Einstieg in die Tierwelt Afrikas. Mir fallen sofort die großen Vogelnester am Straßenrand auf. Wie ein großes Hotel für Vögel sehen sie aus und so ähnlich funktionieren sie auch. Hotelmanager sind die sozialen Webervögel, welche hier gemeinsam wohnen und ihr Nest gegen Feinde, wie zB Schlangen, abschirmen.

Auch typisch für die Kalahari sind die Schäferbäume (Boscia Albitrunca), welche angenehmen Schatten spenden. Unter den verschiedenen Gattungen gibt es auch eine Art, dessen Blätter stinken um Fliegen zum Bestäuben anzulocken. In Namibia lernt man schnell, dass das Tier und Pflanzenreich enorm voneinander abhängig ist und es viele clevere Kooperationen gibt. Vielleicht macht es genau deswegen soviel Spaß über die Tierwelt abseits der Straßen zu lernen.

Die Namibwüste

Wer mehr Zeit als knappe zwei Wochen hat, fährt von der Kalahari weiter in den Süden in die Geisterstadt Kolmanskop, nach Lüderitz und zum Fishriver Canyon. Letzterer ist nur in der afrikanischen Winterzeit zu empfehlen, in den Monaten von Dezember bis März ist es hier einfach zu heiß.
Wer, wie wir, weniger Zeit mitgebracht hat, ärgert sich kurz und fährt dann weiter in die Namibwüste. Nun ändert sich das Landschaftsbild schnell, rechts und links wachsen schroffe Berge aus der Ebene und in der Ferne funkeln die Dünen der ältesten Wüste der Welt. Das Highlight für viele ist hier ein Besuch der Sossusvlei und der Deadvlei, einer ausgetrockneten Pfanne mit abgestorbenen Akazienbäumen. Wer früh morgens startet kann die Dünen zu Fuß erklimmen und danach hinunterlaufen. Ein absolut verdientes Vergnügen, denn der Aufstieg ist hart und heiß.

Buchtipp Namibwüste: Henno Martin: „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“

Sossusvlei in der Namibwüste

Deadvlei in der Namibwüste

Swakopmund 

Nach den ersten Tagen mit viel Landschaft, freuen wir uns über den frischen Wind der an der kühlen Atlantikküste bläst. Swakopmund ist wohl die „deutscheste Stadt“ Afrikas und ein bisschen fühle ich mich in der Zeit zurück versetzt. Zwischen einem Museumsbesuch und einen Blick in die Kristallwelt komme ich endlich mal zum Shoppen. Abends gibt es fangfrischen Fisch im Tug, einem umgebautem Schiffswrack direkt am Pier.

Luxus der Weite

So lautet der deutsche Werbeslogan von Namibia Tourismus und es wird schnell klar warum. Das Land hat viel zu bieten, aber leider sind die Attraktionen weit auseinander. Den längsten Tag im Auto verbringen wir am Weg entlang der Skelettküste hoch in den Norden. Neun Stunden sitzen wir im Auto und werden auf den endlosen Schotterpisten durchgerüttelt. Wir stoppen nur für die Seehunde am Cape Cross, ein akustisches und olfaktorisches Erlebnis und einmal zum Tanken in Khorixas.

Soweit gefahren sind wir für die Felsbilder in Twyfelfontain, die Jäger bereits in der Steinzeit in die Felsen geritzt haben um sich zu verständigen. Hier im Damaraland gibt es auch Wüstenelefanten, leider sehen wir keine.

Buchtipp Damaraland: Gesa Neitzel: „Frühstück mit Elefanten“ http://wonderfulwild.com/language/de/

Zebras im Etosha Nationalpark

Auf Safari in Etosha

Zum Schluss wartet das Highlight der Reise auf uns: der Etosha Nationalpark, welchen man als „Selfdrive Safari“ erkunden kann. Nur aussteigen darf man nicht, denn dann bestünde die Chance von Leoparden oder Löwen angegriffen zu werden. Keine rosigen Aussichten, wir bleiben lieber im Auto.

Wir sehen Antilopen, Nashörner, Zebras mit Nachwuchs und eine ganze Straußenfamilie mit rund 20 kleinen Vögeln, die der Sonne entgegentänzeln. Normalerweise sieht man hier auch Elefanten, die haben sich aber aufgrund der Regenfälle in den letzten Wochen in den (für uns nicht erreichbaren) Nord-Westen aufgemacht. Dafür stehen doch tatsächlich zwei Zebras abends im Gras vor unserer Lodge und zupfen genüsslich das frische Grün – keine fünf Meter von uns entfernt.

Für uns nähert sich das Ende der Reise, länger Reisende  machen sich auf in den Nordosten des Landes, das Okavango Delta. Aber, man soll sich ja immer etwas aufheben um einen guten Grund wiederzukommen – und den haben wir.

 

ALLE FOTOS: Unsplash und Pixabay

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