Hier, zwischen Hochhäusern, zierlichen chinesischen Pagoden und Hindu-Tempeln, schlägt das Herz der Insel Mauritius. Willkommen in der bunten und aufregenden Hauptstadt Port Louis.

Mehr als 170.000 Mauritier leben und arbeiten hier. Und noch einmal so viele Pendler strömen jeden Tag aus anderen Landesteilen in die Stadt. Spätestens dann wird es auf den Bürgersteigen eng und es macht sich Geschäftigkeit breit. Port Louis ist weit entfernt von einer verträumten Inselhauptstadt und auch von Exotik ist nicht viel zu spüren. Das liegt aber vor allem daran, dass sich immer Betonklötze breit machen und die ehrwürdigen Kolonialgebäude verdrängen.

Port Louis ist wie ein Mikrokosmos und auch das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Insel. Hier trifft man Inder, Chinesen, Europäer, Afrikaner und Einwohner aus dem Nahen Osten. Dennoch ziehen die meisten Urlauber lieber andere Tagesaktivitäten und Ausflüge vor. Dabei hat die Hauptstadt einiges zu bieten und verspricht eine bunte Abwechslung. Hier leben die Menschen friedlich miteinander und respektieren sich. Egal ob Hindus, Muslime, Buddhisten oder Christen – egal ob farbig, weiß, groß oder klein!


Ein Blick in die Vergangenheit

Um Mauritius, diese Vielfalt und die Bevölkerung verstehen zu können, sollte man einen Blick in die Geschichte der Insel werfen. Europäer haben die Insel 1505 entdeckt. Die Portugiesen nutzten diese fast ein Jahrhundert lang aber nur als Stützpunkt. Dann kamen jedoch um 1598 rum die Holländer und nahmen die Insel in Besitz. Der holländische Prinz trug den Namen „Moritz von Oranien“, was auf lateinisch „Mauritius“ bedeutet. Und so war die Insel von 1598 bis 1710 in niederländischem Besitz.

1710 gab man die Insel auf. Es gab zu viele Probleme, wie zum Beispiel Dürren, Schädlingsplagen, Krankheiten, Nahrungsmangel und auch Zyklone. Anschließend wurde die Insel immer wieder von Seeräubern besetzt. Die Machenschaften der Räuber führten der Handelsschifffahrt im Indischen Ozean erheblichen Schaden zu, so dass Frankreich irgendwann eingreifen musste und gegen das Piratentum kämpfte. Zu diesem Zeitpunkt war die Insel schon fast vollständig abgeholzt, Tierbestände wurden ausgerottet oder stark dezimiert.

1715 konnten die Franzosen Mauritius erobern und benannten sie direkt um in „Ïle de France“. Nur 20 Jahre später wurde die Hauptstadt Port Louis gegründet mit Sitz für den Gouverneur Mahé de Labourdonnais. Die Zuckerrohrplantagen wurden von Sklaven aus Ostafrika und Madagaskar angelegt und bewirtschaftet. 1767 war die Insel französische Kronkolonie.

Doch damit sollte keine Ruhe einkehren. 1810 kamen die Briten und besetzten die Insel nach einem erfolgreichen Feldzug (bekannt als Mauritiusfeldzug). Sie benannten die Insel auch wieder in Mauritius um. Rodrigues (Nachbarinseln) fiel ebenfalls wieder in britische Hände, nur Reunion (Nachbarinsel) wurde an Frankreich zurückgegeben (noch heute französische Kolonie). Ab 1814 gehörte Mauritius somit zum Britischen Weltreich. Die Einflüsse der Franzosen blieben aber erhalten, da man nur wenig dagegen unternahm.

1835 wurde die Sklaverei verboten und so kam es zu einer Masseneinwanderung aus Indien. 1871 bestand der Teil der Plantagen-Arbeiter allerdings schon zu 60% aus Indern, so dass ein Einwanderungsstopp verhängt wurde. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zu einer Krise der Zuckerrohrindustrie, was zu einer großen Abwanderung der Bevölkerung führte. Mehr als 150 Jahre herrschten die Briten auf der Insel, trotzdem blieb die Bevölkerung französisch geprägt.

Erst 1958 bereitete Großbritannien Mauritius und Rodrigues auf die Selbstständigkeit vor. Politische Autonomie und das allgemeine Wahlrecht wurden eingeräumt. Am 12. März 1968 wurde Mauritius unabhängig und trat dem Commonwealth bei. Und genau 24 Jahre später wurde die Insel durch eine neue Verfassung zu einer Republik.


Religion & Sprache

Und diese Vergangenheit ist auch Grund dafür, dass auf der Insel die verschiedensten Kulturen zusammenkommen. Man mag es kaum glauben, aber all diese leben friedlich miteinander! Mauritius ist wie eine Art Mikrokosmos und man wünscht es der Insel nur, dass das auch immer so bleibt.

Mauritius ist eine bunte „Multikulti-Insel“. Zwei Drittel der Einwohner stammen vom indischen Subkontinent. Einen großen Teil bilden die sogenannten „Kreolen“. Sie sind ehemalige Sklaven aus Afrika und Madagaskar sowie Europa. Daneben gibt es noch die Sinomauritier mit chinesischer Abstammung und die weiße Minderheit (Frankomauritier). Vor der Kolonialisierung war die Insel unbewohnt und so findet man hier keine „Ureinwohner“.

Am weitesten verbreitet ist der Hinduismus (48%), gefolgt vom Christentum (33%). Die Muslime bilden knapp 17% der Gesamtbevölkerung, Buddhisten nehmen nur einen kleinen Teil ein (0,7%). Die meisten Hindus und Muslime stammen von indischen Arbeitern ab, welche von den Briten auf die Insel geholt wurden und sich um die Zuckerrohrplantagen kümmerten.

Und so multikulti die Insel ist, so viele Sprachen gibt es hier auch. Die Kreolsprache basiert auf dem Französischem und wird fast von allen gesprochen sowie im Alltag angewendet. Für 85% der Bevölkerung ist „Kreol“ die Muttersprache. Die am zweitmeisten gesprochene Sprache ist „Bhojpuri“ (5%). Sie ähnelt stark dem Hindi. Die Chinesen sprechen verschiedene chinesische Dialekte. Französisch ist zwar nur die Muttersprache der Oberschicht, fast alle verstehen sie aber. Und auch mit Englisch kann man hier vor Ort recht gut kommunizieren. In den Medien und im öffentlichen Raum findet man fast ausschließlich die Französische Sprache.


Highlights & Sehenswürdigkeiten in Port Louis

Wer auf Mauritius Urlaub macht, der sollte sich nicht nur die wunderschönen Strände anschauen, sondern auch in die Kultur der Insel eintauchen. Kaum ein anderer Ort auf der Insel versprüht so viel Authentizität, Local Spirit, Echtheit und Charme wie Port Louis. Von Grand Bay aus kann man mit dem Express Bus für nur 1€ innerhalb von 30 Minuten bis nach Port Louis fahren. Von Flic en Flac aus benötigen die Busse knapp 45 Minuten. Am besten aber einen Mietwagen buchen um flexibel und mobil zu sein. In Port Louis angekommen, kann man die Stadt entspannt zu Fuß erkunden.


1. Central Market Port Louis

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch auf dem Central Market. Hier bekommt man jeden Tag aus Neue frisches Obst, Gemüse, Gewürze, Souvenirs und Leckereien. Es ist bunt, wuselig und laut, hier erlebt man Vielfalt und Authentizität. Jeder versucht seine frische Ware unters Volk zu bekommen – die Stimmung zwischen den Marktschreiern ist ein echtes Erlebnis. Auch die umliegenden Straßen versprechen Abwechslung. Hier findet man kleinere Restaurants und unzählige Geschäfte mit Kleidung, Essen, Technik und anderen Gadgets. Aber Achtung: gegen 17 Uhr schließen die meisten Geschäfte!

Unbedingt probieren: Ananas mit Salz und Chili!


2. Freihafen

Dieses riesige Areal erstreck sich an der kompletten Waterfront mit dem drittgrößten Zuckerterminal der Welt. Jährlich werden hier rund 650.000 t Rohrzucker gelagert und in alle Welt verschifft, knapp zwei Drittel geht dabei an die Europäische Union.


3. Le Caudan Waterfront:

Diese Hafenseite ist besonders attraktiv. Hier kann man gemütlich über den Boulevard schlendern und in eines der vielen schönen Geschäfte gehen. Im Anschluss kann man einen Café genießen mit Blick auf die Schiffe und das Meer. Ob Einkaufszentrum mit hochwertigen Produkten, Restaurants, Cafés, Spielhallen oder Kinos – die Le Caudan Waterfront ist abwechslungsreich und dennoch entspannt und gemütlich.

Etwas weiter hinten gelangt man zu den bunten Regenschirmen, welche über den Köpfen der Passanten angebracht wurden. Eine wirklich hübsches Fotomotiv.


4. Blue Penny Museum

Auf dem Boulevard an der Waterfront befindet sich das Blue Penny Museum. Hier kann man die berühmte „Blaue Mauritius“ bewundern. Diese Briefmarke hat heutzutage einen Wert von mehr als 600.000€. Doch was hat es mit dieser „Blauen Mauritius“ auf sich?

Die Blaue und Rote Mauritius sind die beiden ersten Briefmarken aus der damaligen britischen Kolonie. 500 Exemplare gab es von jeder Sorte, wobei die rote Briefmarke für den regionalen Postverkehr vorgesehen war und die blaue für den Postverkehr außerhalb der Insel.

Anlässlich eines großen Maskenballs im Regierungspalast wurden diese Briefmarken 1847 gedruckt und auf Einladungskarten geklebt. Dabei entdeckte man jedoch, dass die Marken mit einem Fehldruck versehen waren. Statt der normalen Aufschrift „Post Paid“ hatte der Graveur „Post Office“ in die Druckplatte eingraviert (angeblich stand er unter Zeitdruck). Und so wurden die fehlerhaften Briefmarken in die ganze Welt geschickt. Man hoffte, dass es Niemanden auffallen würde.


4. Mauritius Postal Museum

Wenige hundert Meter weiter auf der anderen Seite des Hafens findet man das Mauritius Postal Museum. Neben Ausstellungen zur Postgeschichte gibt es hier noch viele andere interessante Informationen rund um die Themen Post- und Telekommunikationsgeschichte.


5. Little Chinatown

Immer wieder stolpert man in den verschiedensten Städten über den Stadtbezirk Chinatown. Und auch in Port Louis gibt es diesen, wo zum größten Teil chinesische Einwanderer leben. Zwischen den beiden „Friendship“ Toren auf der Royal Street erstreckt sich das bunte und wuselige Chinatown. Im chinesischen Viertel befindet sich auch die schöne Jummah Moschee. Ein Besuch ist immer am Vormittag möglich, nachdem man sich beim Pförtner angemeldet hat.


6. Citadelle, Fort Adelaide

Diese alte Festung wurde 1834 von den Engländern erbaut und ermöglicht einen schönen Blick auf die Stadt. Der Aufstieg ist allerdings etwas schwierig und so sollte man nicht ganz ohne Fitness den Weg nach oben wagen.


7. Champs de Mars

In Port Louis befindet sich die älteste Pferderennbahn der Südhalbkugel. Zwischen Mai und November kann man hier immer samstags Wetten eingehen. Hin und wieder strömen mehr als 10.000 Besucher zur Pferderennbahn um zu wetten oder zuzuschauen.


8. Naturkundemuseum

Zwischen dem Government House und dem Garten der Ostindien-Gesellschaft befindet sich das Naturkundemuseum. Dieses Gebäude wurde 1880 errichtet und beherbergt neben dem Naturhistorischen Museum auch die Stadtbibliothek. Ein kleiner Star in diesem Museum ist natürlich der Dodo, das einzigartige Vogelwesen der Insel. Dieser flugunfähige Vogel wurde schon seit Ende des 17. Jahrhundert nicht mehr auf Mauritius gesehen. Kolonialherren sorgten dafür, dass der Dodo leider ausgerottet wurde. Doch bis heute ist der Dodo das Wahrzeichen der Insel geblieben.

Dodo Port Louis


9. Le Pouce

Ein wenig Action und Adrenalin gefällig? Dann sollte man sich auf einen der höchsten Berg der Insel trauen – auf den „Le Pouce“ (812 m). Der Aufstieg ist recht einfach, dennoch sollte man diesen auch nicht unterschätzen. Am besten man startet die Tour am frühen Morgen, um der Hitze zu entgehen. Die Aussicht lohnt sich. Man hat einen weiten Blick über die Insel, über Port Louis und auf den Indischen Ozean.


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