Die Stadt hat nicht gerade den besten Ruf bei Reisenden. Noch vor wenigen Jahren versank Johannesburg in Chaos, Verfall und Kriminalität. „Joburg“ zählte schon lange zu einer der gefährlichsten Städte der Welt. Aber Stück für Stück kämpft sich die Metropole nun zurück.

So ganz genau weiß niemand, wie viele Menschen hier leben. Man geht aber davon aus, dass neben den zwei Millionen Einwohnern noch weitere zwei bis drei Millionen in den Townships und Vorstädten wohnen. Die meisten Reisenden kommen nach Johannesburg nur für einen kurzen Stopp und ziehen dann direkt weiter. Dabei lohnen sich ein paar Tage in Johannesburg, da es einige interessante und coole Dinge zu erleben gibt.

Wir haben uns 6 Tage für Johannesburg Zeit genommen und hinter die „dunkle Fassade“ der Stadt geschaut. Gefunden haben wir eine bewegte Vergangenheit, bunte Märkte, Weltenbummler aus allen Himmelsrichtungen und kreative, junge Einheimische. Hier kommen unsere Top Highlights.


Das aufstrebende Künstler-Viertel Maboneng

Das Viertel Maboneng ist gerade voll im Kommen. Hier tummeln sich viele coole Cafés, Galerien und kleinere Geschäfte. Das Publikum ist jung, frisch, hip und hat ein super Gespür für Mode und Design. Besonders empfehlenswert ist das Curiocity Backpackers Hostel in Maboneng!

Maboneng

Dieses Hostel ist super eingerichtet und ein gemütlicher Ort, um im hektischen Johannesburg klarzukommen. An der Bar gibt es leckeren Milchkaffee oder ein frisches Savanna Dry für nicht einmal 2€. Eine Runde Billard kostet läppische R2 (0,13€).

In der großzügigen Küche kannst du dir dein Essen zubereiten und auf der entspannten Terrasse den Abend ausklingen lassen. Die Zimmer sind geräumig und sauber, ebenso wie die Toiletten und Duschen. Für alle digitalen Weltenbummler die Info: Das Internet ist stabil und schnell, man kann sehr gut damit arbeiten und im Netz surfen.


Neighbourgoods Market in Braamfontein

Wenn du über das Wochenende in „Joburg“ bist, dann solltest du dir den Neighbourgoods Market nicht entgehen lassen. Dieser findet immer samstags in Braamfontein statt von 9 bis 15 Uhr. Don’t miss! Braamfontein ist heute ein bunter Ort. Hier hat die urbane Stadtentwicklung zugeschlagen und dem Viertel einen neuen Glanz verliehen. Lebendig und modern ist hier ein Studentenviertel entstanden mit vielen Cafés, Bars, kleinen Boutiquen und coolen Geschäften.

Hier treffen sich Weltenbummler, Künstler, Musiker und Modeverrückte aus aller Welt. Es ist bunt, kulinarisch, authentisch und wuselig. In der Markthalle kannst du dich durch die Welt schlemmen, denn an jedem Stand wird dir etwas Anderes geboten. Draußen auf der Dachterrasse kannst du bei coolen Sounds relaxen und mit dem einen oder anderen ins Gespräch kommen. Im oberen Stockwerk gibt es zudem eine Bar und einen kleinen Flohmarkt mit coolen Gadgets und handgemachten Accessoires sowie Klamotten.

Weitere Märkte in Johannesburg: Market on the Main, Shed @1Fox Market, 44 Stanley Market und der Rosebank Sunday Market.

Die Studenten haben die Gegend rund um die Juta Street zu einem kreativen und vielfältigen Viertel gemacht mit angesagten Galerien („BamBam“), dem quirligen Samstagsmarkt oder auch dem altehrwürdigem Pub „Kitchener“. Unbedingt auch einen Abstecher ins Café „Doubleshot“ machen. Hier kannst du Kaffee von Plantagen aus Zimbabwe verkosten und gezeigt bekommen, wie eine Kaffeeröstmaschine aus dem Jahre 1916 funktioniert. Diese wird „total modern“ vom Laptop aus gesteuert und kann Kaffeebohnen langsam rotieren und rösten lassen. Am Wochenende sollte man aber Zeit mitbringen, da die Menschen gerne mal bis auf die Straße für einen „cup of coffee“ Schlange stehen.

Braamfontein Johannesburg


SOWETO – Township Tour

Willst du mehr über die Geschichte Südafrikas erfahren? Dann solltest du unbedingt eine Tour durch das Soweto machen (South Western Town Ship). Es war ein komisches Gefühl, als „reicher Europäer” durch die verwahrlosten und armen Gassen zu gehen. Aber man reist ja auch in ein Land, um mehr über die Geschichte und die Menschen zu erfahren. Man muss Dinge erleben und verstehen, um sie unterstützen und ändern zu können. Zudem werden mit einem Teil der Tour-Gelder auch Projekte und Einrichtungen im Township unterstützt bzw. überhaupt realisiert.

Soweto Township


Aber was bedeutet eigentlich Township und Apartheid?

Das Soweto Township gilt als Synonym für den schwarzen Widerstand während der Apartheid. Aber was bedeutet eigentlich Apartheid? Es geht um die Rassentrennung in Südafrika. Lange herrschte im Land ein System von Ungerechtigkeit und Unterdrückung der nicht weißen Bevölkerung (41 Mio.) durch vier Millionen Weißen. Diskriminierende Gesetze, Ausbeute, Gewalt – die weiße Minderheit unterdrückte die schwarze Mehrheit. So durften zum Beispiel Schwarze nur niedrigere Arbeit verrichten, nur in bestimmten Gegenden wohnen und auch nicht mit jemanden einer „anderen Rasse“ verkehren.

Soweto Township Cornershop

Weiße und Schwarze durften zudem nicht die gleiche Toilette benutzen, nicht unter einem Dach leben. Verschiedene Pässe wurden eingeführt und wenn ein Schwarzer keinen Pass bei sich trug, musste er mindestens für eine Nacht ins Gefängnis. Schwarze Organisationen oder Parteien wurden verboten. Und wer auch immer einer dieser angehörte, wurde dafür bestraft (so auch Nelson Mandela). Darüber hinaus hatten sie so gut wie keine Rechte. Es gab zahlreiche solcher verachtenden Gesetze. Und so gab es eben auch viele dieser Townships, um die farbige, schwarze und indische Bevölkerung umzusiedeln und auszugrenzen.

Soweto (South Western Town Ship) ist ein eigener Stadtteil von Johannesburg und knapp zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Rund vier Millionen Menschen leben hier, teils noch immer sehr ärmlich in einfachen, selbst zusammengebauten Blechhütten. Teilweise teilt man sich ein Zimmer mit 5 anderen, dazu gibt es nur noch eine kleine Küche. Dreck, Müll, Probleme mit der Hygiene und der Wasserversorgung sowie Gewalt stehen hier leider immer noch an der Tagesordnung.

Little Rose Kindergarten Johannesburg

Andere hingegen leben abgegrenzt komfortabler in kleineren Häusern. In Soweto gibt es ein Großkrankenhaus (das größte der Welt) mit mehr als 3200 Betten und knapp 520 Ärzten. Alleine hier gibt es außerdem noch 800 Schulen und knapp 1200 Kindergärten. Knapp 95% der schulpflichtigen Kinder besuchen sogar eine Schule, was für die dortigen Verhältnisse eine echte Errungenschaft ist.


Bewegende Momente in den Townhips

Bei einer solchen Township-Tour erfährst du alles über den Ort und die Vergangenheit. Anschließend besucht man meistens noch das Haus von Nelson Mandela, das Hector-Pieterson-Museum, den Little-Rose-Kindergarten, das Stadion in Johannesburg und das Apartheid-Museum (sofern du das zusätzlich gebucht hast).

Hector Pieterson Museum Johannesburg

Die Tour war wirklich sehr aufschlussreich und äußerst interessant. Es gibt viele Anbieter für Tagestouren durchs Township. Am besten ist, du fragst vor Ort in deiner Unterkunft nach. Das Curiocity Hostel führt diese Touren eigenständig durch für knapp 24€ pro Person mit Lunch und Transport.

Soweto Johannesburg


Apartheid Museum

Wenn du dann noch immer nicht genug von der Geschichte und Vergangenheit des Landes hast, dann solltest du dir auch das Museum zur Apartheid nicht entgehen lassen. Hier erfährst du alles von den frühen Anfängen, der Entstehung, der Entwicklung bis zur Beendigung und Aufarbeitung der Apartheid. Nirgendwo sonst findet man ein Museum, welches ausschließlich der Apartheid gewidmet ist.


GrAffiti und Straßenkunst in Johannesburg

Sehr empfehlenswert ist auch die Graffiti-Tour mit „Past Experiences”. Hier begibst du dich auf eine spannende Tour durch die Straßen der Stadt und erfährst alles über die Kunstbewegung und Graffiti-Szene in Johannesburg. Und wenn du am Ende selbst mal deine Künste an die Wand bringen willst, dann kannst du bei den Jungs von “Two by Two Art Studio” alle wichtigen Skills erlernen.

Street Art Johannesburg Maboneng


Noch mehr Highlights in Johannesburg:

  • Sterkfontein Caves (Kalksteinhöhlen)
  • Mainstreetwalk (Tour durch Maboneng, Inner City und Troyeville)
  • Underground Pub-crawl in Johannesburg
  • JoburgPlaces (Touren durch die Innenstadt)
  • Dallas Nje (Touren durch Hillbrow, Berea und Yeoville)
  • Cityhall in der Innenstadt (schönes kolonialzeitliches Gebäude)
  • Johannesburg Art Gallery (größte Kunstsammlung Afrikas)
  • Mary Fitzgerald Square (guter Ausgangspunkt für Stadttouren)
  • Nelson Mandela Bridge (längste Stahlseilbrücke in Südafrika)
  • Arts on Main (Kunstzentrum in Maboneng)
  • Gold Reef City (Vergnügungs- und Freizeitpark)
  • Queer Johannesburg Tour (lebendige Schwulen- und Lesbenszene)
  • Constitution Hill (ehemalige Festung und Gefängniskomplex)

Skyline Johannesburg

Johannesburg hat es nicht leicht – so viel steht fest. Dennoch bietet die Stadt einen super Ausgangspunkt um eine spannende Rundreise durch das Land zu starten. Wer sich vorab noch nie mit der Apartheid und der Geschichte Südafrikas auseinandergesetzt hat, der sollte seine Reise unbedingt in Johannesburg starten. Mit all dem Wissen. den Erlebnissen und Erfahrungen im Gepäck, sieht man gewisse Dinge danach anders und reist mit einem anderen Blick durch das wohl „schönste Ende der Welt„.

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